Wissenschaft

Wie antisemitisch ist die klassische deutsche Philosophie?

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 –1831) Foto: dpa

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Wie antisemitisch ist die klassische deutsche Philosophie?

Eine neue Studie aus Jena versucht, diese Frage zu beantworten

 02.08.2022 10:55 Uhr

An der Universität Jena startet ein Forschungsprojekt zu Antisemitismus, Rassismus und Sexismus in Werken der klassischen deutschen Philosophie. Andrea Esser, Leiterin des Arbeitsbereichs für praktische Philosophie der Universität Jena, werde das »problematische Erbe« hinsichtlich der Philosophiegeschichtsschreibung sowie die Wirkung auf die Gegenwart untersuchen, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt erhalte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Million Euro.

Esser erklärte, bei allen Philosophen, die sie und ihr Team in den Blick nähmen, gebe es »de facto einen Anfangsverdacht«. Im Fokus stünden die Philosophen des Deutschen Idealismus von Immanuel Kant (1724-1804) über Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel bis zu Friedrich Schelling (1775-1854) und weiteren.

Esser betonte, das Ganze sei nicht als ein »Gerichtsprozess« konzipiert, denn es gehe nicht primär um die Personen und nicht darum, Lese- oder gar Denkverbote auszusprechen. Vielmehr wolle sie die Verstrickungsgeschichte exemplarischer Texte in rassistische, sexistische und antisemitische Denkmuster rekonstruieren. Das betreffe sowohl die Konzeption der Texte als auch ihre Rezeption.

»Unser Ziel ist es, solche Denk- und Sprachmuster sichtbar zu machen und zu zeigen, dass und wie sie immer noch wirken können«, erklärte Esser. So solle etwa die Verwendung bestimmter Textpassagen und der Bezug auf die Autorität ihrer Verfasser im Rahmen von Ideologien betrachtet werden. Ein Beispiel sei der Nationalsozialismus, der mittels besagter Philosophen gezielt Rassismus und Antisemitismus verbreiten und verfestigen wollte. kna

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