Berlin

Weil es sonst niemand tat

Blick in die Ausstellung Foto: Jérôme Lombard

Am Mittwoch wurde im Lichthof des Auswärtigen Amtes in Berlin-Mitte die Ausstellung Verfolgen und Aufklären. Die erste Generation der Holocaustforschung eröffnet. Die Schau erinnert an das Wirken von 20 Pionieren der Forschungsgeschichte über die Schoa, die sich zum Teil noch während des Krieges oder unmittelbar im Anschluss gegen das Vergessen eingesetzt haben.

In ihrer Begrüßungsrede sagte Staatsministerin Michelle Müntefering (SPD) vor rund 200 Gästen, es sei maßgeblich diesen frühen Forschern zu verdanken, dass die Menschheitsverbrechen der Nazis einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. »Es war das Kalkül der Nationalsozialisten, die Individualität ihrer Opfer auszulöschen«, so die Staatsministerin. »Dass dies nicht gelungen ist, verdanken wir den mutigen Forscherpionieren, die mit ihrer wichtigen Arbeit Millionen von Opfern Namen und Identität zurückgegeben haben.«

motivation Die Ausstellung erzählt von Menschen wie Simon Wiesenthal oder Rachel Auerbach, die sich aus unterschiedlichen Motivationen heraus der Dokumentation der Massenmorde widmeten. Gemeinsam war allen in der Ausstellung porträtierten Männern und Frauen der Wille zur Aufklärung über das stattgefundene Grauen und die Erinnerung an die Ermordeten.

Auch die Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen, war für die unermüdlichen Aufklärer Antrieb. In einigen Fällen führten die von den Forschern gesammelten Informationen zur Verurteilung von NS-Tätern. Trotz ihrer wichtigen Arbeit hatten die jüdischen Forscher nach dem Krieg oftmals mit Gleichgültigkeit und Ablehnung aus der Gesellschaft zu kämpfen.

pioniere »Die Pioniere der Holocaustforschung standen vor dem Dilemma, dass ihre Erkenntnisse über die systematische Vernichtung der Juden in Europa von der Weltgemeinschaft lange Zeit ignoriert wurden«, sagte der Direktor der Gedenk-und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Hans-Christian Jasch.

Die Ausstellungstafeln wurden von Studenten des Touro College Berlin in Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz sowie der Wiener Library in London gestaltet. Bis zum 22. Februar ist die Schau noch bei freiem Eintritt im Auswärtigen Amt zu sehen. Danach soll sie international auf Wanderschaft gehen.

Die Ausstellung im Lichthof des Auswärtigen Amts ist Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

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