Schöpfung

Was zu beweisen war

Die kosmologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts ermöglichen es Forschern, den Ursprung des Universums zu verstehen. Foto: dpa

Diese Meldung machte vor wenigen Tagen Schlagzeilen: »Forscher finden Beweis für den Urknall«. Und wirklich ist die Entdeckung eines Forscherteams der Harvard University unter Leitung von Professor John Kovac aus mehreren Gründen von großer Bedeutung. Erstens zeigt sie, dass Gravitationswellen tatsächlich existieren. Zweitens bestätigt sie Einsteins Gravitationstheorie. Und drittens untermauert sie auch die Urknalltheorie. Nicht nur für Wissenschaftler eine aufsehenerregende Erkenntnis.

Wohl jeder Mensch hat sich schon einmal die Frage aller Fragen gestellt: Was ist der Ursprung des Universums? Eine Antwort gibt der erste Vers der Tora: »Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde«. Somit trifft die Tora die Feststellung, dass das Universum durch einen Schöpfungsakt begann. Für lange Zeit wurde diese Aussage der Tora als wissenschaftliche Unmöglichkeit betrachtet, denn für die Wissenschaft kann nichts aus dem Nichts entstehen. Die Naturwissenschaft sah das Universum als etwas Ewiges und vermied Fragen nach seiner Herkunft. An der Aussage im 1. Buch Mose, dass das Universum geschaffen wurde, offenbarte sich der Konflikt zwischen Wissenschaft und Tora – für viele Jahre.

Kosmos Doch nun hat sich die Lage grundlegend geändert. Das 20. Jahrhundert erlebte eine nie dagewesene Explosion naturwissenschaftlichen Wissens, und das Ausmaß dieses rasanten Erkenntnisfortschritts ist nirgendwo so dramatisch wie in der Wissenschaft vom Kosmos. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte ermöglichten bahnbrechende kosmologische Entdeckungen den Forschern, den Ursprung des Universums zu verstehen. Heute wird die Urknalltheorie der Kosmologie praktisch von der Gesamtheit des wissenschaftlichen Beweismaterials gestützt.

Die überraschendste Aussage der Urknalltheorie ist, dass das Universum im wahrsten Sinne des Wortes geschaffen wurde. Paul Dirac (1902–1984), Nobelpreisträger und Professor in Cambridge, schrieb: »Es scheint festzustehen, dass es einen bestimmten Schöpfungszeitpunkt gegeben hat.« Und der Physiker Stephen Hawking meint: »Die Schöpfung liegt außerhalb der bekannten Gesetze der Physik.«

Es ist nicht möglich, einen sinnvollen kosmologischen Diskurs zu führen, ohne der Schöpfung des Universums eine zentrale Rolle einzuräumen. Mit der richtigen Messtechnik kann heutzutage jeder Wissenschaftler entsprechende Studien durchführen und damit den klaren Beweis erhalten, dass das Universum in der Tat erschaffen wurde. Die Erschaffung des Universums ist nicht mehr eine Sache des Glaubens oder eine theologische Hypothese. Sie ist eine wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache.

Ursprung Wissenschaftler gebrauchen den Begriff »Schöpfung«, um klarzumachen, dass das Universum einen Ursprung hatte. In ihren Augen hat der Begriff keine religiöse Bedeutung.

Was meinen Kosmologen mit dem Begriff »Schöpfung«? Welcher konkrete Gegenstand wurde geschaffen, mit dem das Universum seinen Anfang nahm? Physiker haben herausgefunden, dass das Universum mit dem plötzlichen Erscheinen einer enormen Lichtkugel begann; als Bezeichnung für diese Theorie hat sich aber der populäre Begriff »Urknall« durchgesetzt.

Über die Bestätigung hinaus, dass das Universum erschaffen wurde, liefert die Entdeckung der »urzeitlichen Lichtkugel« die Antwort auf ein anderes Rätsel der Schöpfungsgeschichte. Am ersten Tag der Schöpfung, heißt es im 1. Buch Mose (1,3): »Und es ward Licht«. Doch zu jener Zeit gab es weder Sterne noch Sonne und Mond noch Menschen oder irgendeine andere bekannte Lichtquelle. Wie soll man also das »Licht« verstehen, das am ersten Tag der Erschaffung der Welt erwähnt wird? Diese Frage blieb Jahrtausende lang unbeantwortet.

Licht Jetzt gibt es eine Antwort. Die Naturwissenschaft hat entdeckt, dass es am Urbeginn der Zeit tatsächlich Licht gab – nämlich die urzeitliche Lichtkugel, deren Auftauchen den Beginn des Universums markiert, so wie es in der Tora geschrieben steht. Das heißt: Die Tora beschreibt nicht zwei Schöpfungen am ersten Tag – die des Universums und die des Lichts. Die Erschaffung des Lichts war vielmehr die Erschaffung des Universums – exakt so, wie es in der Tora steht.

Diese weitgehende Übereinstimmung zwischen Naturwissenschaft und dem 1. Buch Mose ist kein strenger Beweis, dass die Tora ein Buch göttlichen Ursprungs ist. Das bleibt eine Frage des Glaubens. Doch am Beginn des 21. Jahrhunderts ist der gläubige Mensch nicht länger gezwungen, eine Wahl zu treffen, ob er den neuesten Stand der Wissenschaft oder die Schöpfungsgeschichte als Wahrheit betrachten soll.

Es ist eine Freude für den Gläubigen, in der heutigen Zeit zu leben! Die Wissenschaft ist nicht mehr Gegenpart und Feind der Religion. Im Gegenteil – sie ist zu einem wichtigen Werkzeug für die Stärkung unseres uralten Glaubens geworden.

Der Autor ist Professor für Physik an der Bar-Ilan-Universität in Israel.

Funfacts & Wissenswertes

10 Jahre

Zahl der Woche

 20.10.2026

Punk

»Gefilte Fuck« und andere Provokationen

Ein neuer Sammelband beleuchtet jüdische Identitäten, Antisemitismus und den Kampf dagegen in der Szene

von Pascal Beck  19.10.2026

Elfriede Jelinek

Virtuose Sprachkomponistin

Eine Würdigung der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin zu ihrem 80. Geburtstag

von Christa Gürtler  19.10.2026

New York

Mike Tyson droht Supreme wegen verschwundener Israel-Flagge auf Hoodie

Bei dem Streit geht es um ein Hoodie, das neben dem Boxer mehrere Nationalflaggen zeigt. Plötzlich war nicht mehr die des jüdischen Staates darunter, sondern die Palästina-Fahne

 19.10.2026

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Aufgegabelt

Salat mit gerösteten grünen Bohnen

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  18.10.2026

Ausstellung

Hinweise auf Hamas-Symbol - Museum Friedland verschiebt Schau

Bundespräsident Steinmeier war schon angekündigt, um die erweiterte Ausstellung des Museums Friedland bei Göttingen neu zu eröffnen. Nun verschiebt sich der Termin. Hintergrund ist ein antisemitisches Symbol

 18.10.2026

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026