Intonations-Festival

Von Barenboim bis Bartók

Wird während des Festivals zum Konzertsaal: der Glashof des Jüdischen Museums Berlin Foto: Monika Rittershaus / JMB

Berlin gilt seit Jahren als Hotspot der klassischen Musik, als ein Ort, an dem das Beste aufgefahren wird, was der Musikbetrieb zu bieten hat. Nur ein Kammermusikfestival – das hatte es dort nicht gegeben, bis Elena Bashkirova vor fünf Jahren das Intonations-Festival gegründet hat, gewissermaßen als deutsche Version des Jerusalem International Chamber Music Festival, das die Pianistin alljährlich in der israelischen Hauptstadt organisiert. Als Berliner Veranstaltungsort bot sich rasch der Glashof im Jüdischen Museum an. Der luftig-schöne Bau ist geradezu perfekt für ein Kammermusikfestival.

Zu den Vorzügen des Festivals zählt ein über die Jahre gleichbleibender Stamm an herausragenden Musikern, der sich jährlich neuen Herausforderungen stellt. Auch in diesem Jahr gibt es einen hochinteressanten Schwerpunkt, bei dem USA-Exilanten wie Béla Bartók, Igor Strawinsky und Sergei Rachmaninoff thematisiert werden. Dazu zählen auch Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold und Hanns Eisler, die als Juden in die USA fliehen mussten.

highlights Dabei ist das Intonations-Festival durchaus kein jüdisches Festival im strengen Sinne, weder vonseiten des Programms noch der Musiker. Immer wieder sind auch nichtjüdische Komponisten wie Bohuslav Martinu zu erleben, die viel zu selten gespielt werden.

Glanzpunkte setzen auch die jährlichen Kompositionsaufträge an junge zeitgenössische Musiker. Dieses Mal wird dem 1953 in Jerusalem geborenen Yinam Leef diese Ehre zuteil. Leef lehrt an der Jerusalem Academy of Music and Dance und ist einer der prominentesten Komponisten Israels. Doch auch für den 63-jährigen Musiker dürfte es nicht ganz unerheblich sein, dass sein am Eröffnungsabend gespieltes Werk für Klarinette und Streichquartett von so herausragenden Musikern wie Chen Halevi und Katrin Rebus interpretiert wird.

»Für mich ist das Wichtigste, eine Mischung aus jungen und reifen Musikern zu präsentieren«, sagt Festivalleiterin Elena Bashkirova. Die Herkunft der Musiker steht für sie nicht im Mittelpunkt. »Es ist ja nicht so, dass ich nur junge Musiker kommandieren möchte. Das Wichtigste ist, die besten Leute zu kriegen.« Und wer die Besetzungsliste liest, der bekommt ohnehin große Augen und Ohren: nicht nur wegen des Superstars Daniel Barenboim, sondern auch wegen Shirley Brill, Amihai Grosz oder Frans Helmerson, um nur drei aus der Musikerschar herauszupicken.

Intimität Mit ihrem Konzept hat Bashkirova nach fünf Jahren schon ein Stammpublikum gewinnen können, was keine Selbstverständlichkeit in der klassikverwöhnten Metropole ist. Und nicht nur das: Die Karten für die Konzerte an den sechs Veranstaltungsabenden sind schnell vergriffen. »Was mich besonders interessiert, ist die Möglichkeit des Dialogs. Und dieses ständige Immer-neu-Lernen, wenn man mit verschiedenen Leuten spielt«, so die Organisatorin.

»Ich würde sagen, diese unglaubliche Tiefe mancher Stücke, die nicht auf großen Effekten beruht, diese Intimität, die die Seele berührt – das alles kreiert einen aufmerksamen Zuhörer. Da muss man aufmerksam zuhören und kann nicht nur einfach so dasitzen wie bei einem großen Konzert. Bei der Kammermusik muss das Publikum mit seinen Ohren auf die Bühne kommen.«

Das Festival findet vom 16. bis zum 21. April im Jüdischen Museum Berlin statt.

www.jmberlin.de/main/DE/02-Veranstaltungen/05-Kammermusikfestival/00-kammermusikfestival_start.php

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