Hören!

Volkslied trifft Klesmer

Tine Kindermann auf Konzertreise

von Jonathan Scheiner  28.06.2010 17:56 Uhr

Auf Heimatbesuch: Die Berlinerin Tine Kindermann lebt heute in New York. Foto: pr

Tine Kindermann auf Konzertreise

von Jonathan Scheiner  28.06.2010 17:56 Uhr

Vor Jahren stand Tine Kindermann in ihrer Küche im New Yorker East Village, spülte Geschirr und sang dabei das alte deutsche Volkslied vom wilden Wassermann und der schönen jungen Lilofee. Als sie mit Lied und Abwasch fertig war, drehte sie sich zu ihren Kindern um, die dasaßen und vor Ergriffenheit heulten. Mittlerweile kann auch das breite Publikum gerührt sein. Der »Wassermann« und ein Dutzend andere Volkslieder sind 2008 auf dem Album Schamlos schön bei Oriente/Fenn erschienen. Und kommende Woche tritt Kindermann mit den Liedern in Rudolstadt und in Berlin auf.

kitschfrei Tine Kindermann ist keine hochprofessionell ausgebildete Sängerin. Aber gerade durch das »nur« Semiprofessionelle, Quasi-Private ihres Gesangs schafft sie es, Lieder wie »Es waren zwei Königskinder« oder »Klage und Trost« aus »Des Knaben Wunderhorn« kitschfrei zu interpretieren. Wesentlich dazu trägt bei, dass die Begleiter der 13 urdeutschen Volkslieder aus einer völlig anderen Sphäre stammen. Der Gitarrist Marc Ribot, der Sänger Lorin Sklamberg oder der Bassist Greg Cohen gehören zur New Yorker Radical Jewish Culture, die die jüdische Musik von Schtetl-Staub und jiddelndem Kitsch befreit hat. Nun spielen sie an der Seite von Kindermann so unbekümmert auf, als habe es den Missbrauch des deutschen Volkslieds durch die Nazi-Ideologie nie gegeben. Auf die Idee, jüdische Musiker deutsche Lieder spielen zu lassen, kam Tine Kindermann übrigens aus privaten Gründen. Der ebenfalls mitspielende Trompeter und Klezmatics-Gründer Frank London ist ihr Ehemann.

Konzerttermine: 3. und 4. Juli, Folk- und Weltmusikfestival Rudolstadt, 5. Juli, Berlin, UFA-Fabrik

Kochen

Aus Töpfen in aller Welt

Leah Koenig hat mit »The Jewish Cookbook« ein Standardwerk über die moderne jüdische Küche geschrieben

von Katrin Richter  16.10.2019

Kinderbuch

Mit einer Prise Anarchismus

Alona Frankels hebräischer Bilderbuchklassiker »Sir HaSirim« von 1975 erscheint erstmals auf Deutsch

von Katrin Diehl  16.10.2019

Cartoons

Selten so gelacht

Charles & Ruth Lewinsky zeigen in ihrem neuen Buch, wie jüdischer Humor wirklich funktioniert

von Aviv Roth  16.10.2019

Väter

Familienaufstellung

Dana von Suffrin erzählt in ihrem preisgekrönten Debütroman »Otto« mit bitterem Humor von einem alternden jüdischen Patriarchen

von Luisa Banki  16.10.2019

Judaica

Wer sammelt, der bleibt

Der amerikanische Buchhistoriker Joshua Teplitsky erzählt erstmals umfassend die Geschichte der monumentalen Bibliothek des legendären Prager Oberrabbiners David Oppenheim

von Alexander Kluy  16.10.2019

Bestseller

Bis zum Abend keinen Käse

In Jonathan Safran Foers neuem Sachbuch geht es um den Einfluss privater Entscheidungen auf das große Ganze

von Sophie Albers Ben Chamo  16.10.2019