Ruhrtriennale

Vertrag von Intendantin wird nicht verlängert

Foto: dpa

Die umstrittene Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp wird wegen der Corona-Pandemie ohne eine letzte Spielzeit im Spätsommer von ihrem Posten ausscheiden. Der Vertrag laufe Ende September wie geplant aus, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Kulturministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der Aufsichtsrat trotz der Proteste der Intendantin entschieden, das Kulturfestival 2020 wegen der Corona-Krise abzusagen. Carp muss deshalb auf die letzte ihrer drei Spielzeiten verzichten.

Die Intendantin war zuletzt erneut massiv in die Kritik geraten, weil sie mit Achille Mbembe einen Redner für die Eröffnung der Ruhrtriennale 2020 eingeladen hatte, der wegen israelfeindlicher und den Holocaust relativierende Ansichten in der Kritik steht. Schon zwei Jahre zuvor war Carp massiv unter Beschuss geraten, weil sie eine Band eingeladen hatte, die der israelfeindlichen und in großen Teilen antisemitischen Bewegung BDS nahe steht. Diese fordert unter anderem den Boykott israelischer Waren und wurde in einem Beschluss des Bundestags als antisemitisch eingestuft.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« (Samstag) deshalb Carps sofortige Absetzung. Mbembe vertrete die Auffassung, Israel verhalte sich heute schlimmer als Südafrika zur Zeit der Apartheid, kritisierte Schuster. »Das ist historisch falsch und nicht zu akzeptieren«, betonte er. »Ich frage mich, was sich die Intendantin bei seiner Einladung gedacht hat.«

Zudem läsen sich einige Stellen in seinen Schriften so, als betrachte Mbembe den Umgang Israels mit den Palästinensern in gewisser Weise als schlimmer als der Holocaust, erklärte der Zentralratspräsident. »Damit disqualifiziert er sich. Ich frage mich, was sich die Intendantin bei seiner Einladung gedacht hat«, so Schuster.

»Stefanie Carp hat sich offensichtlich in ihrer Einstellung überhaupt nicht geändert«, kritisierte der Zentralratspräsident. »Ich kann nicht mehr nachvollziehen, dass sie weiterhin Intendantin der Ruhrtriennale ist, und appelliere an die Verantwortlichen, endlich die notwendige Konsequenz zu ziehen.«

Auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) hatte Carp vorgeworfen, durch die Einladung Mbembes dem Ansehen des Festivals geschadet zu haben. »Es wäre die Aufgabe der Intendantin gewesen, dies frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen - auch und gerade im Lichte der Ereignisse des Sommers 2018«, hatte die Ministerin der »WAZ« (Freitag) gesagt.

Carps Nachfolgerin, die Schweizer Regisseurin Barbara Frey, wird laut Kulturministerium im November wie geplant die künstlerische Leitung der Ruhrtriennale übernehmen. Sie soll die drei Festivals 2021, 2022 und 2023 verantworten.  dpa/ja

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Aufgegabelt

Zum Dippen: Tarator

Rezepte und Leckeres

 17.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  17.07.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 17.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Sommerfrische oder Warum die Blütezeit dieses nostalgischen Wortes vorbei ist

von Nicole Dreyfus  17.07.2026

Lesen

Welches Buch am Strand?

Redakteurinnen und Redakteure der Jüdischen Allgemeinen geben Tipps für die Urlaubslektüre

 17.07.2026

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

USA

Billy Joel erklärt Rückzug aus dem Popgeschäft

Als Interviewer entlockte der Produzent Rick Beato dem jüdischen Sänger und Songschreiber so manche Anekdote

 17.07.2026

ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Auf Social Media werfen die Musiker Igor Levit und Danger Dan dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDF Zensur vor. Dabei geht es um ein gemeinsames Lied für die Sendung »Die Anstalt«

 17.07.2026 Aktualisiert