Auszeichnung

Verschämte Juden und hyperjüdische Philosemiten

Die Wetten standen schlecht, dennoch hat er das Rennen um den Man- Booker-Prize gemacht: Howard Jacobson Foto: Man Booker Prize

And the winner is … Howard Jacobson. Der britisch-jüdische Autor hat am Dienstag den Man Booker Prize, Großbritanniens renommierteste Literaturauszeichnung, für seinen Roman The Finkler Question gewonnen. Die Mehrheitsentscheidung der Jury kam überraschend. Allgemein war damit gerechnet worden, dass Tom McCarthy für seinen Roman C den Preis erhalten würde. Die Buchmacher (im wettfreudigen Großbritannien kann man auf Literaturpreise genauso wetten wie auf Fußballspiele) hatten Jacobson nur eine 1:8 Chance eingeräumt.

Der 68-jährige Jacobson erzählt in seinem jetzt preisgekrönten Roman von zwei Helden: Samuel Finkler, der jüdische Protagonist, ist ein assimilierter linksliberaler Medienmensch, der seine öffentlichkeitswirksame »Scham« über die israelische Politik demonstrativ vor sich hinträgt wie eine Monstranz. Den Gegenpart spielt Julian Treslove, ein schon fast pathologisch philosemitischer Goi, der seinem banalen Alltag qua Überidentifikation mit allem, was jüdisch ist, versucht zu entfliehen. Um diese zwei traurigen Helden herum nimmt Jacobson satirisch die neurotischen Obsessionen ins Visier, die Juden wie Gojim gleichermaßen antreiben, wenn es um tatsächlich oder auch nur vermeintlich Jüdisches geht. Wobei diese emotionalen Verwirrungen – darauf legt der Autor Wert – mit dem wirklichen Judentum nur am Rande zu tun haben. Ein Phänomen, das man nicht nur in Großbritannien beobachten kann. Wir freuen uns schon auf die deutsche Übersetzung von The Finkler Question.

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Plakat mit der Aufschrift Nie wieder ist jetzt

Gedenken zum 9. November

»Nie wieder«: Ein Appell in der Kritik

In diesen Tagen wird der Opfer der NS-Pogrome von 1938 gedacht. Anlass, öffentlich »nie wieder« zu fordern. Wegen des aktuellen Antisemitismus wollen manche das jedoch nicht mehr hören. Schlaglichter auf eine Debatte

von Leticia Witte  08.11.2026

Tasche mit der Aufschrift Anne Frank – 30 Jahre Anne Frank Zentrum

Berlin

Anne Frank Zentrum: Holocaustleugnung bei Jugendlichen nimmt zu

Die Leiterin des Anne Frank Zentrums Berlin warnt vor Falschinformationen zur NS-Zeit in Sozialen Medien. Ein Grund für die Wissenslücken könne auch ein rückläufiger Stellenwert im Schulunterricht sein, sagt sie

 08.11.2026

Oper

»Da ruft mich jemand«

Das Theater Osnabrück erinnert mit einem eigens komponierten Stück an Peter van Pels. Der Gefährte von Anne Frank im Versteck wurde vor 100 Jahren geboren

von Claudia Irle-Utsch  08.11.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 08.11.2026

Ruth Ur im Exilmuseum

Berlin

Das Exil ist überall – Berlins neues Museum schlägt Brücken

Während der NS-Zeit war Berlin für viele ein Ort, den sie verlassen mussten. Ein neues Museum verbindet ihre Geschichten mit heutigen Exil-Erfahrungen

 08.11.2026

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Meister der Melancholie

Leonard Cohen: »Jikan der Stille« lebte seine Religion - und auch eine andere

Seine Lieder sind geheimnisvoll, oft düster - und doch von beklemmender Schönheit. Leonard Cohen war nie zu greifen, mit niemandem zu vergleichen. Vor zehn Jahren ist er gestorben

von Alexander Brüggemann  07.11.2026

Meinung

Die Juden waren’s!

Claudia Roth und die jüdische Lobby: Eine kleine Chronik der Unschuld

von Andreas Büttner  06.11.2026