Wuligers Woche

Vergesst die Pädagogik!

Dialog oder Rohrstock? Was Lehrer Lämpel zu antisemitischen Angriffen von Schülern mit Migrationshintergrund sagen würde, ist nicht bekannt. Foto: Ullstein

Wuligers Woche

Vergesst die Pädagogik!

Warum Aufklärung nicht gegen Antisemitismus hilft – ein Zwischenruf zum judenfeindlichen Mobbing in Berlin-Friedenau

von Michael Wuliger  19.04.2017 13:06 Uhr

Wenn antisemitische Vorfälle an deutschen Schulen bekannt werden, wie vor ein paar Wochen in Berlin-Friedenau, tritt eine Art Pawlowscher Reflex in Erscheinung. Der Hass auf Juden, ertönt es sofort unisono, sei das Resultat mangelnden Wissens.

Um Wiederholungen in Zukunft zu verhindern, bedürfe es deshalb verstärkter Aufklärung. »Man muss versuchen, den Vorurteilen ein anderes Bild entgegenzusetzen«, erklärte etwa dem Berliner »Tagesspiegel« Thomas Mücke vom »Violence Prevention Network«, das an Berliner Schulen Workshops zur Gewaltprävention durchführt.

initiative Nun war dieser Vorfall nicht der erste seiner Art. Und an pädagogischen Einübungen in Toleranz hat es nicht gefehlt. Die betroffene Schule ist immerhin Mitglied im Netzwerk »Schule ohne Rassismus«, für das »die Bekämpfung der verschiedenen Formen des Antisemitismus seit langem ein Querschnittsthema« ist. Offensichtlich nicht mit allzu großem Erfolg.

Neu ist das nicht. Mit Aufklärung Antisemitismus zu bekämpfen, ist schon des Öfteren versucht worden. Und es hat noch nie funktioniert. 1890, als sich in Deutschland der Antisemitismus erstmals als politisches Massenphänomen zeigte, gründeten liberale Bürger – Juden und Nichtjuden – den »Verein zur Abwehr des Antisemitismus«.

Die Vereinsmitglieder, unter ihnen der Industrielle Robert Bosch, der Historiker Theodor Mommsen, der Schriftsteller Heinrich Mann sowie Reichstagsabgeordnete der SPD und der katholischen Zentrumspartei, wollten, wie es in der Gründungserklärung hieß, »mit den Waffen der Wahrheit und Tatsachen unsere Gegner bekämpfen und ihren verderblichen Bestrebungen entgegentreten«.

irrtum Dummerweise ließen sich die Antisemiten von Wahrheit und Tatsachen wenig beeindrucken. Der Judenhass nahm bekanntlich weiter zu, allen wackeren Bemühungen des Vereins zum Trotz, der 1933 aufhörte zu bestehen. Theodor Mommsen hatte das bereits früh kommen sehen. »Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, dass man da überhaupt mit Vernunft etwas machen kann. Ich habe das früher auch gemeint und immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Antisemitismus heißt. Aber es nutzt nichts. Es ist alles umsonst«, sagte der Forscher dem Schriftsteller Hermann Barth in einem Gespräch 1894.

Und weiter: »Was ich Ihnen sagen könnte, was man überhaupt in dieser Sache sagen kann, das sind doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Die hören nur auf den eigenen Hass und den eigenen Neid, auf die schändlichen Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich.«

Dem ist aus der historischen Erfahrung nichts hinzuzufügen. Gegen Antisemitismus nützen weder »Schulen gegen Rassismus« noch pädagogische Gewaltpräventions-Workshops. Besser wäre es, auf Konrad Adenauer zu hören. Als 1959 Hakenkreuze an die Kölner Synagoge geschmiert wurden, empfahl der damalige Bundeskanzler der Polizei: »Wenn ihr irgendwo einen Lümmel erwischt, vollzieht die Strafe auf der Stelle und gebt ihm eine Tracht Prügel.«

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Berlin

Tricia Tuttle bleibt Berlinale-Chefin

Die Amerikanerin muss sich allerdings an Auflagen halten

 04.03.2026

Shkoyach!

Eine Begegnung vor dem Krieg Oder Frieden. Schalom. Saleh.

Die Mullahs mit ihrem rasenden Hass auf Israel als Staatsdoktrin haben bei vielen Iranern genau das Gegenteil bewirkt. Eine Begegnung vor dem Krieg

von Sophie Albers Ben Chamo  04.03.2026

Lebende Legende

Wolf Biermann feiert 90. Geburtstag mit drei Festkonzerten

Vor 50 Jahren wurde der Liedermacher aus der DDR ausgebürgert. Zudem feiert er seinen 90. Geburtstag. Mit Konzerten blickt er auf ein bewegtes Leben voller Musik und politischer Haltung zurück

 04.03.2026

Berlin

Nächste Krisensitzung: Wie geht es weiter bei der Berlinale?

Lebhaft wurde in den vergangenen Tagen über die Zukunft des Filmfestivals und Intendantin Tricia Tuttle diskutiert. Nun trifft sich der Aufsichtsrat erneut

 04.03.2026

Programm

Kleine Großstadtdektive, ein musikalischer Golem und Gespräche: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. bis zum 12. März

 03.03.2026

Kult-Comics

80 Jahre Lucky Luke: Der Cowboy mit dem smarten Pferd

Zwar trägt Lucky Luke keinen Davidstern. Der jüdische Autor René Goscinny trug aber entscheidend zum Witz und dem großen Erfolg der Serie bei

 03.03.2026

Berlin

Tuttle will bei Berlinale bleiben - ist der Streit vorbei?

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle leitet das renommierte Filmfestival seit 2024. Nach Vorwürfen und Kontroversen legt sie sich fest: Sie will weitermachen. Aber längst nicht alle Fragen sind geklärt

von Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat  03.03.2026

Berlin

Weimer: »Auf gutem Weg« zu zukunftsfester Berlinale

Die US-Amerikanerin Tricia Tuttle will Leiterin des Filmfestivals bleiben. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien reagiert knapp

 03.03.2026