Lesen!

Und täglich grüßt das Murmeltier

David LevithansBuch gewinnt den Kinder- und Jugendliteraturpreis auf der Frankfurter Buchmesse

von Katrin Diehl  19.10.2015 23:10 Uhr

Kurzweilig: David Levithans Jugendbuch »Letztendlich sind wir dem Universum egal« Foto: S. Fischer

David LevithansBuch gewinnt den Kinder- und Jugendliteraturpreis auf der Frankfurter Buchmesse

von Katrin Diehl  19.10.2015 23:10 Uhr

Wie ist das, am Morgen aufzuwachen und ein anderer zu sein? Verrückt. Wie ist das, am Morgen danach aufzuwachen und schon wieder ein anderer zu sein? Noch verrückter. Wie ist das, jeden Morgen aufzuwachen und jeden Morgen ein anderer zu sein? Krass, aber für einen – pubertierenden – Jugendlichen vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Jedenfalls hat die Jury des Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse jetzt David Levithans Roman Letztendlich sind wir dem Universum egal prämiert. Wobei der Held des Buches – es könnte auch eine Heldin sein – mit Namen A sich in einer Identitätskrise besonderer Art befindet. Er/Sie weiß genau: Heute bin ich der, der ich morgen nicht mehr sein werde; sprich, er/sie wacht jeden Morgen in einem neuen Körper auf.

Kurzweilig Wer bin ich also? Was ist da noch von mir?, lauten die so naheliegenden wie großen Fragen, über die sich philosophieren, aber auch unterhaltsam schreiben lässt. Kurzweilig, schnell, bevor der nächste Tag beginnt. Spannend für den Leser wie für den Helden/die Heldin A. Dann verliebt sich A und ist in der Klemme. Gibt es da nicht irgendetwas, was von ihm ist und von ihm bleiben wird? Oder von ihr?

David Levithan, 1972 in New Jersey geboren, Schriftsteller und Herausgeber, fordert in seinen Jugendbüchern, die er seit 2003 schreibt, die Geschlechter und ihre Rollen heraus. Und beim Lesen zeigt sich, wie sie es auch treiben, wirklich Schreckliches passiert nicht. Homosexuellen Jungs verpasst er einen starken Charakter und lässt sie, nach einigen Prüfungen, das Leben feiern (Boy meets Boy war Levithans erstes Buch).

Wide Awake (2006), sein sechster Titel, beginnt mit der Wahl des ersten »gay Jewish president«. »No, I have no intention to run ...«, versicherte Levithan damals seinem Lesepublikum. Sein Publikum hätte wohl gar nichts dagegen gehabt, ihn als seinen Präsidenten zu sehen. Er hat in den USA seine Fans. Und nun also auch in Deutschland mit seinem lesenswerten Anti-»Und täglich grüßt das Murmeltier«-Buch.

David Levithan: »Letztendlich sind wir dem Universum egal«.
S. Fischer, Frankfurt 2014, 400 S., 16,99 €

Kultur

Hetty Berg tritt ihr Amt an

In die neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin werden große Hoffnungen gesetzt

 01.04.2020

YouTube

Anne Frank im Video-Tagebuch

Die Anne-Frank-Stiftung will mit der Serie jungen Leute das Schicksal des jüdischen Mädchens nahebringen

 31.03.2020

Balkonkonzert

»Ganz nah«

Die israelische Sängerin Yael Nachshon Levin über Musik in Krisenzeiten, ein Projekt für Künstler und Pläne für später

von Katrin Richter  31.03.2020

USA/Kanada

Facebook will lokale Medien unterstützen

Eine erste Förderrunde ging bereits an 50 Redaktionen

 30.03.2020

Woody Allen

»Eine wolkenverhangene Seele«

Ungeachtet aller Proteste erscheint die Biografie des US-Filmregisseurs jetzt auch auf Deutsch

von Alexandra Wach  29.03.2020

Krise

Pandemie und Smetana

Zur Isolation verdammt: Was wird aus einer Gesellschaft ohne Begegnungsorte, Kino, Oper und Theater?

von Adriana Altaras  29.03.2020

Bob Dylan

17 Minuten Erinnerung an die Sixties

In »Murder Most Foul« besingt der Literatur-Nobelpreisträger das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy

 27.03.2020

Wuligers Woche

Tante Dora und Tante Eva

Eine Familiengeschichte

von Michael Wuliger  26.03.2020

Finale

Der Rest der Welt

Gestresste Eichhörnchen oder Outdoor-Minjamin vorm Schlafzimmerfenster

von Margalit Edelstein  26.03.2020