Los Angeles

Und der Oscar geht an ...

Joaquin Phoenix bei der 92. Oscarverleihung in Los Angeles Foto: dpa

Los Angeles

Und der Oscar geht an ...

Joaquin Phoenix als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – »Jojo Rabbit« ist bestes adaptiertes Drehbuch

 10.02.2020 10:21 Uhr

Für mehrere Hollywood-Stars ging bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag ein Traum in Erfüllung: Joaquin Phoenix wurde als männlicher Hauptdarsteller im düsteren Thriller Joker ausgezeichnet. Nach Gladiator, Walk The Line und The Master klappte es nun im vierten Anlauf  für den amerikanisch-jüdischen Schauspieler.  Seine Dankesrede nutzte Phoenix für einen flammenden Appell für Naturschutz und gegen Ungerechtigkeiten. »Ich glaube, wir sind dann am besten, wenn wir uns gegenseitig unterstützen«, sagte er.

Auch Brad Pitt nahm seinen ersten Schauspiel-Oscar entgegen: für seine Nebenrolle in Quentin Tarantinos Once Upon a Time in Hollywood. Unter Tränen erinnerte sich der 56-Jährige an seine Anfänge in Hollywood und widmete den Preis seinen Kindern. Renée Zellweger gewann für ihre Rolle der Judy Garland in Judy wie erwartet die Auszeichnung als beste Schauspielerin, und Laura Dern wurde für ihre Darstellung einer knallharten Scheidungsanwältin in »Marriage Story« als beste Nebendarstellerin geehrt – am Abend vor ihrem 53. Geburtstag.

Taika Waititi Der neuseeländische Regisseur Taika Waititi wurde für seine Nazi-Satire Jojo Rabbit mit einem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Er sagte:  »Ich habe diesen Film gemacht als Antwort auf die Wiederkehr von Hass, Intoleranz und Hass-Rede. Wer ein Nazi war, kam damals nach dem Krieg ins Gefängnis. Heute dagegen können Nazis eine Kundgebung auf einem Platz in einer Stadt abhalten. Es muss sich etwas ändern, etwas stimmt hier nicht.«

Zunächst war der 44-Jährige überrascht, wie leicht die Oscar-Statue sei. Dann dankte er seiner Mutter, die ihm das Buch, auf dem Jojo Rabbit basiert, gegeben hatte. Er nannte ein paar andere Namen und erklärte, er wolle eigentlich noch weiteren Menschen danken, aber er erinnere sich an keinen Namen mehr. Deswegen sagte er: »Das war’s!«, was für  Gelächter im Saal sorgte.

Er fügte aber noch hinzu: »Das ist wirklich großartig und ich widme es allen indigenen Kindern, die auf der Welt leben und Kunst machen, tanzen und Geschichten schreiben wollen. Wir sind die ursprünglichen Geschichtenerzähler und wir können es auch hier schaffen.«

Scarlett Johansson, die für ihre Rolle in Jojo Rabbit als beste Nebendarstellerin und ihre Rolle in Marriage Story als beste Hauptdarstellerin nominiert war, ging leer aus.

Scarlett Johansson, die für ihre Mutterrrolle in Jojo Rabbit als beste Nebendarstellerin und für ihre Darstellung in Marriage Story als beste Hauptdarstellerin nominiert war, ging leer aus.

Der Oscar für den besten Film geht zum ersten Mal nach Südkorea – und damit erstmals an eine nicht-englischsprachige Produktion. Insgesamt gab es in der Nacht zu Montag in Hollywood vier Auszeichnungen für die Satire Parasite: Filmemacher Bong Joon Ho gewann zusätzlich zur Königskategorie auch den Auslands-Oscar sowie die Preise für die beste Regie und das beste Original-Drehbuch.

Sein bitterböser Film, der bereits einen Golden Globe und die Goldene Palme von Cannes gewonnen hatte, erzählt die Geschichte einer armen Familie, die sich im Haus einer reichen Familie einnistet. Das hochgehandelte Kriegsdrama 1917 erhielt drei Oscars, darunter den für die beste Kamera. Zwei Auszeichnungen gingen an den historischen Rennsportfilm Le Mans 66: Gegen jede Chance. Als Verlierer ging das Mafia-Epos The Irishman aus der 92. Oscar-Gala hervor. Der hochkarätig besetzte Film von Altmeister Martin Scorsese war zehn Mal nominiert gewesen, gewann aber keinen einzigen Preis.

Filmmusik Rockstar Elton John und sein Liedtexter Bernie Taupin wurden für den besten Filmsong ausgezeichnet: »(I’m Gonna) Love Me Again« aus dem Biopic Rocketman. Die beste Filmmusik lieferte nach Meinung der US-Filmakademie die Isländerin Hildur Gudnadóttir für Joker ab.

Für einen bewegenden Moment während der Gala sorgte die 18-jährige US-Sängerin Billie Eilish, die den Beatles-Klassiker »Yesterday« für die seit der letzten Gala gestorbenen Größen der Filmbranche wie Kirk Douglas und Doris Day sang. Auch des tödlich verunglückten Basketball-Superstars und Oscar-Gewinners Kobe Bryant wurde gedacht.

Die Trophäe für den besten Animationsfilm ging an den vierten Toy Story-Film Alles hört auf kein Kommando von Josh Cooley. Den Oscar für das beste Kostümdesign erhielt Greta Gerwigs Romanverfilmung Little Women. In der Sparte Make-up/Frisur wurde das Drama Bombshell – Das Ende des Schweigens ausgezeichnet.

In der Kategorie Dokumentation gewann der Film American Factory. Die Doku erzählt von den Menschen in einer Fabrik im US-Bundesstaat Ohio. Es ist das erste Werk, das von der Produktionsfirma von Barack und Michelle Obama unterstützt wurde. Beide gratulierten den Filmemachern für ihre »bewegende Geschichte« per Twitter. Die einzige deutsche Oscar-Hoffnung – die vom SWR koproduzierte Dokumentation The Cave über ein unterirdisches Krankenhaus in Syrien – ging damit leer aus. dpa/ag

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  21.07.2026