Trauer

»Sohn der Stadt«

Dani Karavan (1930–2021) Foto: imago images/Christian Ditsch

Der israelische Bildhauer Dani Karavan ist tot. Er starb im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv, wie der Bürgermeister Ron Huldai am Samstag bei Twitter mitteilte. In Deutschland war Karavan unter anderem für das Mahnmal für den NS-Völkermord an bis zu 500.000 Sinti und Roma in Berlin bekannt, das 2012 eingeweiht worden war.

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte Karavan als eine der markantesten Künstlerpersönlichkeiten und einen echten Freund. »Mit dem Blick des israelischen Juden hat er unsere deutsche Geschichte ins Bild gesetzt und uns zum Perspektivenwechsel ermutigt«, erklärte die CDU-Politikerin in Berlin. Weltweit hätten seine Kunstwerke Menschen zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt.

Karavan wurde 1930 als Sohn polnischer Einwanderer in Tel Aviv geboren. Die Familien seiner Eltern verloren viele Mitglieder während des Holocaust. Daher ist die Erinnerung an die Judenvernichtung ein wichtiges Thema seiner Arbeiten. Karavan lernte zuerst an der Bezalel-Akademie in Jerusalem Zeichenkunst, später studierte er in Florenz und Paris Malerei. 1996 erhielt er den Kaiserring von Goslar.

werke Karavan hat Aufsehen erregende Kunstwerke in aller Welt geschaffen. Sein Markenzeichen sind begehbare Monumente – etwa der Heinrich-Böll-Platz in Köln oder die »Straße der Menschenrechte« am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

»Was ich mache, soll Teil dessen werden, wo es steht, und zwar so, als wäre es immer schon da gewesen und als könnte es gar nicht anders sein.«

Dani Karavan

Besonders bekannt ist sein 1994 vollendeter Gedenkort »Passagen« im spanischen Portbou. Er erinnert an den deutschen Philosophen Walter Benjamin, der in dem kleinen spanischen Grenzort 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ums Leben kam.

bundestag Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte am Sonntag: »Der Deutsche Bundestag trauert mit den Angehörigen, mit Israel und der Kunstwelt um einen der bedeutendsten Künstler unserer Zeit.« Das Parlament sei dem Werk Karavans seit dem Umzug nach Berlin in besonderer Weise verbunden: »Seine Installation ‚Grundgesetz 49‘ steht inmitten des Regierungsviertels für die konzeptionell wie intellektuell anspruchsvolle Herangehensweise, bei der das Werk immer auch in den öffentlichen Raum wirkt.«

Mit der Gestaltung des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas habe Karavan einen bleibenden Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet, sagte Schäuble.

Auch in seiner israelischen Heimat hat Karavan viele monumentale Landschaftskunstwerke geschaffen, darunter das Negev-Brigadedenkmal in Beer Sheva und das »Weiße Stadt«-Denkmal in Tel Aviv.

gedenkorte Karavans Stärke lag in der Gestaltung von Gedenkorten in der Natur. Seine Fähigkeit, Landschaft als abstrakte Form zu begreifen und Form in Landschaft zu verwandeln, zeichnet die Qualität seiner Kunst aus. »Was ich mache, soll Teil dessen werden, wo es steht, und zwar so, als wäre es immer schon da gewesen und als könnte es gar nicht anders sein«, charakterisierte der Künstler selbst seine Arbeit.

Tel Avivs Bürgermeister Huldai würdigte Karavan als »Sohn und Ehrenbürger der Stadt« und einen »Künstler, der auf der ganzen Welt Ansehen erlangt« habe. In seiner Heimatstadt am Mittelmeer habe er »physisch und spirituell Spuren hinterlassen«. dpa/ja

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