Raubkunst

Erneuter Eklat um Max-Stern-Ausstellung

Eigentlich war die Schau bereits 2018 geplant. Die Stadtspitze hatte die Ausstellung jedoch abgesagt und wurde deshalb massiv kritisiert, insbesondere von Ronald S. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Foto: Marco Limberg

Der Streit zwischen internationalen Experten und der Stadt Düsseldorf um eine Ausstellung zu dem von den Nazis verfolgten jüdischen Kunsthändler Max Stern (1904-1987) ist auch mit einem neuen Konzept nicht beigelegt. Weder das renommierte Max Stern Art Restitution Project aus Kanada noch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte und die Jüdische Gemeinde Düsseldorf beteiligen sich an der mehrmals verschobenen Ausstellung. Nun zieht Düsseldorf die Schau im Alleingang durch.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) bedauerte am Montag die Absagen. Er habe nach seinem Amtsantritt einen neuen Gesprächsfaden geknüpft und eine gute Gesprächsbasis gefunden, sagte Keller vor Journalisten. »Es ist allerdings dabei geblieben, dass die Kanadier sich nicht mehr an der Ausstellung beteiligen wollen.« Sie hätten aber zum Ausdruck gebracht, dass sie später bei neuen Forschungsprojekten durchaus mit Düsseldorf zusammenarbeiten wollten. »Dieser Zusammenarbeit sehen wir mit großer Freude entgegen.«

Die Ausstellung »Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern« ist ab dem 2. September im Düsseldorfer Stadtmuseum zu sehen (bis 30. Januar 2022). Eigentlich war die Schau bereits 2018 geplant. Die Stadtspitze unter dem damaligen Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hatte sie jedoch abgesagt und dies damals mit aktuellen Auskunfts- und Restitutionsgesuchen begründet. Die Stadt wurde deshalb wegen ihres Umgangs mit dem Thema Raubkunst kritisiert. Kanadische Stern-Experten fühlten sich persönlich und fachlich brüskiert.

Eine inhaltliche Begründung der neuerlichen Absage sei ihm nicht bekannt, sagte Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Es sei leider auch nicht möglich gewesen - »obwohl wir uns sehr intensiv bemüht hatten« -, den Kontakt wieder herzustellen und Vertrauen zu gewinnen.

Ein Punkt könne aber auch die Debatte um zwei noch offene Restitutionsfälle in Zusammenhang mit Max Stern sein, deutete Lohe an. Eines der beiden fraglichen Bilder - »Die Kinder des Künstlers« (1830) von Friedrich Wilhelm von Schadow - soll in der Ausstellung gezeigt werden. Zu dem Werk liegt ein Restitutionsersuchen des Max Stern Art Restitution Project vor. Auf das Angebot, den Fall an die Beratende Kommission für Raubkunstfälle zu geben, sei die kanadische Seite nicht eingegangen, sagte Lohe. Ein bereits restituiertes Selbstbildnis von Schadow hängt als Dauerleihgabe im Stadtmuseum, darf nun aber in der Sonderausstellung nicht gezeigt werden. Besucher müssen in einen anderen Raum gehen, wenn sie das Bild sehen wollen.

Kuratiert wird die neu konzipierte Ausstellung von dem Berliner Historiker Dieter Vorsteher. Er habe zehn Tage in Ottawa im Nachlass von Max Stern in der National Gallery of Canada geforscht, sagte Vorsteher. Ihm sei es wichtiger gewesen, Daten zu der Familie Stern zu sammeln und die Geschichte zu erzählen. Provenienzforschung und offene Restitutionsfragen seien dagegen nicht das Hauptthema. »Das sollen ruhig Kanada und München weiter betreiben.« Hauptquellen für ihn seien 1982 aufgenommene Tonbänder mit den Erinnerungen Sterns gewesen. Außerdem werde in der Schau die Gestapo-Akte zu Stern gezeigt, die die Nazis von 1934 bis 1942 führten.

Max Stern wurde 1937 von den Nazis zur Auflösung seiner Düsseldorfer Galerie gezwungen. Er konnte nach Paris und London fliehen und übersiedelte 1941 nach Kanada. Im Max Stern Art Restitution Project forschen die Erben Sterns - drei Universitäten in Kanada und Israel - nach Kunstwerken aus der Sammlung, die in der NS-Zeit verschwanden. Mehr als 20 Werke wurden von Museen und über den Kunsthandel inzwischen zurückgegeben.

Dass die Düsseldorfer Ausstellung nun doch gezeigt wird, findet das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, das selber zu Max Stern forscht, richtig. Es sei »immer gut, wenn jahrzehntelang tabuisierte Prozesse einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden«, so Stephan Klingen vom Zentralinstitut. Die Wunden des Streits seien aber immer noch nicht geheilt, weil es von Düsseldorfer Seite keine Entschuldigung gegeben habe.

Auch die Jüdische Gemeinde Düsseldorf erklärte: »Wir finden die Thematik insbesondere für die Stadt Düsseldorf sehr wichtig, aber auch für die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit.« Allerdings sei die Ausstellung damals ohne Rücksprache mit der Gemeinde abgesagt worden. »Da wir an der Entwicklung dieser Ideen in der jetzigen Form nicht eingebunden wurden, sind wir dementsprechend außen vor«, so ein Sprecher der Gemeinde.

OB Keller betonte: »Die Geschichte Max Sterns und der Galerie Stern sind Teil der Düsseldorfer Stadtgeschichte, an die es zu erinnern gilt.« Im Frühjahr 2022 werde an der Königsallee eine Stele aufgestellt, die an die Geschichte der einstigen Anlieger, die Opfer des Nazi-Terrors wurden, erinnere. »Zu ihnen gehörte auch Max Stern.«

Musik

Barry Manilow: Comeback mit neuem Album und Videoclip aus Schönefeld

Der legendäre Sänger hat eine Lungenkrebs-Operation hinter sich und Angst um seine Stimme. Einige seiner neuen Lieder sind melancholisch ausgefallen

von Imanuel Marcus  03.06.2026

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Leipziger Fotoausstellung zu jüdischem Leben

Die Ausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« stellt u.a. die Familie des Fotografen vor

 03.06.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowski  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026

Leipzig

Jennifer Rush lernte mit dem Sandmännchen Deutsch

Die Sängerin mit jüdischem Familienhintergrund kam als Kind nach Deutschland. Warum das für sie ein Schock war und wie ihr das Fernsehen beim Ankommen geholfen hat

 01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Reggio Emilia

Konzert von Kanye West in Italien abgesagt

Hintergrund sind Kanye Wests antisemitische Aussagen und die damit verbundene Sorge, große Proteste könnten die Sicherheit gefährden

 01.06.2026