Archäologie

Spektakuläre Funde

Etwa 1200 Jahre alte Fundstücke aus dem Anwesen eines Landbesitzers nahe Rahat Foto: picture alliance / AA

Wie lebten die Menschen im Heiligen Land vor Tausenden von Jahren? Historische Quellen geben Hinweise, aber wohl nichts ist so beeindruckend wie konkrete, in Stein gehauene Hinterlassenschaften aus vergangenen Zeiten. Das gilt auch für mehrere spektakuläre Funde israelischer Archäologen in jüngster Zeit, die sich in das Puzzle der Geschichte Israels einfügen.

Nahe der Beduinenstadt Rahat in der Negevwüste stieß ein Forscherteam Ende August auf ein offenbar herrschaftliches Gebäude aus der frühen islamischen Ära, etwa 1200 Jahre alt. Fotos der Fundstätte zeigen großzügige Torbögen aus Kalkstein, Überreste kunstvoll verzierter Glasgefäße und Bruchstücke der früheren Wände, die offenbar farbenfroh bemalt worden waren.

anwesen In einem der freigelegten Tunnel stießen die Archäologen sogar auf einen Davidstern – was allerdings nicht unbedingt heiße, dass das Gebäude einem Juden gehört habe, wie die Forscher gegenüber israelischen Medien erklärten: Zu jener Zeit hätten Davidsterne häufig auch als Dekorationen islamischer Gebäude gedient. Das Gebäude habe zwischen zwei Moscheen gestanden und vermutlich einem »wohlhabenden Landbesitzer« gehört, heißt es.

Davidsterne dienten zu jener Zeit auch häufig als Dekoration islamischer Gebäude.

Es handele sich bei dem »luxuriösen Anwesen« um eines der vermutlich »frühesten, die jemals entdeckt wurden«, sagt Eli Eskosido, Direktor der israelischen Altertumsbehörde. Die Ruine befindet sich unter der Erde und wurde im Zuge von Grabungen gefunden, die der Vorbereitung zum Bau eines neuen Stadtviertels dienen sollten.

Auch an anderen Orten Israels legen Archäologen Stück um Stück die Spuren vergangener Zeiten frei. Ebenfalls im August machte ein Forscherteam im Galil einen neuen und potenziell bedeutungsvollen Fund in den Überresten einer Kirche nördlich des Kinneret. Dort wird auch die antike Ortschaft Bethsaida vermutet, bekannt als Geburtsort des christlichen Apostels Petrus.

Die Archäologen stießen nun auf eine Steintafel mit griechischer Inschrift, in der vom »Kommandanten der himmlischen Apostel« die Rede ist, ein Ausdruck, der offenbar häufig mit Bezug auf Petrus gebraucht wurde. »Da die byzantinische christliche Tradition Petrus’ Haus routinemäßig in Bethsaida und nicht in Kapernaum identifizierte, wie heute oft angenommen wird, scheint es wahrscheinlich, dass die Basilika an sein Haus erinnert«, teilte der akademische Leiter Steven Notley mit.

mikwe Auf besonderes Interesse stoßen in Israel indes jene Funde, die Aufschlüsse geben über die jüdischen Wurzeln im Land – und davon gibt es zahlreiche. So brachte eine Ausgrabung von Forschern der Hebräischen Universität in Jerusalem im Juli eine Mikwe zutage, die offenbar aus dem ersten Jahrhundert stammt, der Spätphase der Ära des Zweiten Tempels, der im Jahr 70 n.d.Z. von den Römern zerstört wurde.

Vor 14 Jahren schon fand der Archäologe Yosef Garfinkel von der Hebräischen Universität in Khirbet Qeiyafa, einer archäologischen Stätte südwestlich von Jerusalem, eine antike Festung, die er in das 10. Jahrhundert v.d.Z. datierte – in jene Zeit, in der König David regiert haben soll.

Eine Ausgrabung brachte eine Mikwe zutage, die offenbar aus dem ersten Jahrhundert stammt.

Seit einigen Jahren untersuchen Forscher die archäologische Stätte Ophel südlich des Tempelbergs, wo sie ebenfalls immer wieder beeindruckende Funde zutage fördern, darunter ein Siegel des Königs Hiskija, König von Juda im 8. Jahrhundert v.d.Z. Das Siegel bestätige, was bereits aus dem Tanach über Hiskija bekannt sei.

Derartige Funde, die die jahrtausendealten Wurzeln des jüdischen Volkes im Land Israel stichhaltig belegen, tragen nicht zuletzt deshalb besondere Bedeutung, weil manche propalästinensischen Aktivisten aus politischen Gründen ebendiese Verbindungen immer wieder zu leugnen suchen.

»Wir können unseren Weg in die Zukunft nicht bestimmen«, heißt es denn passend auch in einer Mitteilung des Archäologie-Instituts der Hebräischen Universität, »ohne unsere Vergangenheit zu kennen.«

Glosse

Der Rest der Welt

Kamele an der Limmat oder wie Zürich mit Tradition umgeht

von Nicole Dreyfus  20.04.2026

Essay

Darf es mir gut gehen …?

Die Welt brennt an allen Ecken und Enden. Unsere Autorin Barbara Bišický-Ehrlich plädiert für die Hoffnung als Lebensprinzip in dunklen Zeiten

von Barbara Bišický-Ehrlich  20.04.2026

Los Angeles

Natalie Portman erwartet drittes Kind

Zwei Kinder hat sie bereits aus ihrer früheren Ehe

 20.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  19.04.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  19.04.2026

Aufgegabelt

Falafel-Bowl mit Quinoa

Rezept der Woche

von Katrin Richter  19.04.2026

Eurovision Song Contest

Mehr als 1000 Prominente verteidigen Israels ESC-Teilnahme

Helen Mirren, Amy Schumer und Co: Internationale Persönlichkeiten unterzeichnen einen offenen Brief

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

»Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt, aber …«

Der deutsche Sänger und frühere ESC-Teilnehmer Michael Schulte ruft Israel zum freiwilligen Verzicht auf seine Teilnahme am Eurovision Song Contest auf

 19.04.2026

Kultur

Klein wünscht sich mehr Wehrhaftigkeit gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein kritisiert einen geplanten Auftritt der palästinenisch-stämmigen DJ Sama‘ Abdulhadi im Juli in Hamburg

 19.04.2026