Dokumentation

»Sie sollten sich schämen«

In der Kritik: Die ehemalige Israel-Korrespondentin der ARD, Sophie von der Tann. Foto: picture alliance / SvenSimon

Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau zeichnet die ehemalige Israel-Korrespondentin der ARD, Sophie von der Tann, mit dem Katharina-Zell-Preis 2026 aus. Die Verleihung findet am 7. September 2026 in der Jugendkirche St. Peter in Frankfurt am Main statt. In dem hier dokumentierten offenen Brief kritisiert die langjährige ARD-Autorin und -Filmemacherin Rita Knobel-Ulrich die Entscheidung des Landesverbands sowie die Berichterstattung von der Tanns scharf.

Sehr geehrte Mitglieder des Landesverbandes Evangelische Frauen in Hessen und Nassau,

mit Befremden habe ich gelesen, dass Sie der ehemaligen Nahost-Korrespondentin von der Tann den Katharina-Zell-Preis verleihen wollen.

Ausdrücklich sprechen Sie von mutigem und unerschrockenem Einsatz, von sachlicher und verständlicher Einordnung eines hochkomplexen Konflikts.

Der Konflikt ist tatsächlich hochkomplex. Als häufiger Zuschauer von »Tagesschau« und »Tagesthemen« kann ich allerdings nicht feststellen, dass Sophie von der Tann den Konflikt sachlich begleitet hätte.

Sie hat ständig Bilder aus Gaza verwendet, von denen sie nicht wusste, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Aus eigener Berichterstattung für den NDR weiß ich, dass nicht ein Bild den Gazastreifen verlässt, ohne dass die Hamas und ihre Gefolgsleute die Hand darauf legen. Jeder Gesprächspartner, jedes Bild wird von der Hamas kontrolliert. Unabhängigen Journalismus gibt es dort nicht. Sonst bezahlen das Kameraleute und Reporter mit dem Leben. Oder warum denken Sie, gab es nur vereinzelt Bilder von den Massakern der Hamas an Palästinensern, die versucht haben, sich gegen deren Terror aufzulehnen? Das erste, was die Hamas nach dem Waffenstillstand machte, waren Massenerschießungen im Gazastreifen. Davon erfuhr man von Frau von der Tann nichts.

Ich habe nicht festgestellt, dass Frau von der Tann auf diese Umstände hingewiesen, ja ‚dass sie sie auch nur einmal erwähnt hätte. Sie hat sich nur beklagt, dass sie selbst dort nicht hindürfe wegen des Verbotes durch Israel.

Dass aber nach der Geiselnahme völlig unschuldiger Menschen durch die Hamas im Oktober 2023 Israel an weiteren Geiselnahmen und dem Tod von Journalisten bei Schießereien und Raketenangriffen nicht gelegen sein kann, liegt klar auf der Hand.

Von dem Schicksal der Israelis erfuhr man als interessierter Zuschauer in den Berichten von der Tanns wenig bis nichts.

Mutig war Frau von der Tann keineswegs, wenn sie in den Tunneln der Hamas unterwegs war, denn bei diesen Drehs stand sie unter dem Schutz und der Begleitung der israelischen Armee. Mutig war es auch keineswegs, dass sie sich in israelischen Schutzbunkern bei Luftalarm und Raketenbeschuss in Sicherheit brachte. Das teilte sie mit Tausenden Bürgerns Israels. Ich habe 2014 für »Gott und die Welt« über die Aktion Sühnezeichen berichtet , und auch wir mussten bei Raketenangriffen in Bunkern Schutz suchen. Das ist nicht mutig, sondern leider seit Jahren notwendig.

Von dem Schicksal der Israelis erfuhr man als interessierter Zuschauer wenig bis nichts. Oder kennen Sie Berichte von israelischen Familien, die monatelang evakuiert werden mussten, um nicht unter Beschuss der Hizbollah im Norden zu geraten, die in Behelfsunterkünften ausharren mussten, deren Kinder traumatisiert wurden ohne Kontakt zu Spielkameraden, Freunden, Nachbarn und Familien? So einen Bericht von Frau von der Tann habe ich nicht gesehen. Nur auf Social Media von Besuchern, die kleine Posts absetzten und auf diese Situation aufmerksam machten.

Haben Sie einen Bericht gesehen über die Familien der jungen Soldatinnen und Soldaten, die um das Leben ihrer Kinder im Kampfeinsatz bangten? Gab es einen Bericht über die Kibuzze am Rand von Gaza, die von dem Mob zerstört wurden, deren Bewohner zerstückelt, vergewaltigt, verbrannt wurden? Unter anderem von Palästinensern, die jahrelang Arbeit in den Kibuzzen fanden und die diese Zeit ausnutzen, um anzugeben, wo sich welche Schutzräume befanden, wo es Wertsachen gab, wer in den Häusern wohnte, wer ein lohnendes Ziel» sein könnte, abgesehen von einem Bericht über die Familien der getöteten jungen Menschen, die einfach nur ein Musikfestival besuchen wollten?

Stattdessen jeden Tag Berichte von angeblichem israelischen Genozid und angeblicher Hungersnot der Palästinenser. Dass nach dem Waffenstillstand gut genährte Männer riesige Mehlsäcke von LKWs herunterzerrten und wegschleppten - diese erstaunlichen Bilder kommentierte von der Tann nicht, ebenso wenig, dass die angeblich unabhängigen UN-Mitarbeiter Schulbücher verteilen, in denen explizit die Ermordung von Israelis gefordert wird.

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Kaum ein Bericht darüber, dass die Hamas -Tunnels meist unter Wohnhäusern, Moscheen und Krankenhäusern liegen, dass Israel als einzige Armee der Welt die Bewohner vor einem bevorstehenden Angriff auf Flugblättern warnt.

Ich bin evangelische Christin und denke, es stünde Ihnen gut an, Israel zu unterstützen und nicht eine Journalistin auszuzeichnen, deren Berichterstattung so einseitig ist, gerade angesichts der Vergangenheit der Evangelischen Kirche in der Nazizeit. Ich denke da nur an die «Deutschen Christen», die den Antisemitismus der Nazis unterstützten. Bonhoeffer war leider die Ausnahme.

Ich schäme mich für meine Kirche, dass sie nicht entschieden für das Lebensrecht der Juden in Israel und hier in Deutschland eintritt, dass sie zusieht, wie inzwischen wieder einmal Juden auf gepackten Koffern sitzen und dass sie eine Journalistin auszeichnet, die durch ihre einseitige Berichterstattung dieses Treiben unterstützt.

Sie sollten sich schämen, und ich bin sicher, es wird wieder einmal viele Kirchenaustritte geben, weil die Menschen diese einseitige Positionierung ihrer Kirche satt haben.

Dr. Rita Knobel-Ulrich

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