Literatur

Sechsmal Hanoch Levin

Foto: PR

Literatur

Sechsmal Hanoch Levin

Eine Auswahl von Theaterstücken

von Sophie Albers Ben Chamo  22.10.2022 19:34 Uhr

Wenn große Künstler früh sterben, gehört zu ihrem Erbe, dass wir uns fragen, was wohl noch gekommen wäre, wie sie wohl auf diese und jene gesellschaftliche, politische, menschliche Entwicklung reagiert hätten. Einer, der auf diese Weise in uns weiterlebt, ist der 1999 mit nur 55 Jahren gestorbene israelische Dramatiker Hanoch Levin. Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod erscheint nun eine Auswahl seines Theaterschaffens erstmals auf Deutsch: Die im Dunkeln gehen heißt die Anthologie mit sechs seiner insgesamt 62 Bühnenwerke.

Levin war ein unermüdlicher Denk-Rebell, stärker verhasst als bewundert, als er bald nach dem Sechstagekrieg im Moment der Sieges-Euphorie mit Satiren auf die Bühne trat, die unbequeme Fragen stellten: Was kommt danach? Was machen Tod und Gewalt mit uns? Wer wollen wir sein? (Den sogenannten Abnutzungskrieg, der dem Sechstagekrieg folgte, erinnern nur noch wenige, trotz rund 1000 toter und 2000 verletzter Israelis.)

sprache Und dann diese Sprache, die zwischen obszön und elegant, witzig und philosophisch oszilliert, die hinter Worten aus dem untersten Register Bedeutungen aus dem höchsten versteckt. Levin kannte sich aus mit Text-Exegese. Er war 1943 in Tel Aviv in eine orthodoxe Familie hineingeboren worden, die 1935 aus Polen eingewandert war.

Drei Jahrzehnte lang fand er Bilder und Szenen für sein Ausloten der dunklen Ecken der jungen israelischen Gesellschaft. »Theater ist ein Boxkampf zwischen Bühne und Publikum«, sagte er 1972 in einem seiner seltenen Interviews. Neben Dramen entstand Prosa und Lyrik.

Schließlich fand er seinen ganz eigenen Platz in einem Kraftfeld irgendwo zwischen Brecht, Beckett und der Schoa. Levin arbeitete unermüdlich, so als wüsste er von seinem Schaffenswettlauf mit der Zeit. Der Erfolg kam fast zu spät. Hatte es bei den Aufführungen von Die Königin der Badewanne (1970) noch Tomaten und Drohungen gehagelt, wurden erst Mord (1997) und Requiem (1999) gefeiert. Selbst im Krankenhaus, am Tag vor seinem Tod, hat Levin noch Proben abhalten lassen.

Im Blick zurück lässt sich das israelische Theater in ein Vor- und ein Nach-Hanoch-Levin einteilen. Was der Künstler wohl dazu gesagt hätte?

Lesen!

Existenzialistische Suchbewegungen

In Benjamin Steins »Tiferet« geht es um die letzten Dinge, um alles und nichts – und vor allem um Abschied und Verlust

von Tobias Prüwer  02.11.2026

Interview

»Gemeinsam nach der Wahrheit suchen«

Carlos Fraenkel, der neue Leiter des Potsdamer Einstein Forums, will unterschiedliche Denktraditionen miteinander ins Gespräch bringen – und die Philosophie stärker in der Gesellschaft verankern

von Ayala Goldmann  02.11.2026

Aufgegabelt

Frühstückskartoffeln

Rezepte und Leckeres

 02.11.2026

Sprachen

Neues Spanisch-Wörterbuch: »Jüdisch« bleibt ein Synonym für »geizig«

Die Real Academia Española weigert sich, einen argentinischen Richterspruch umzusetzen - auch in der Neuausgabe ihres Kompendiums der spanischen Sprache findet sich ein Beispiel für Alltagsantisemitismus

von Michael Thaidigsmann  02.11.2026

Plotkes

Liest Britney Spears jetzt auf Hebräisch?

Die Sängerin veröffentlichte ein Foto eines hebräischen Psalmenbuchs auf ihrem Instagramkanal. Spears interessiert sich seit Jahren für jüdische Mystik

 02.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert