»Intonations«

Sechs Tage Klassik

»Intimer Dialog zwischen den Musikern«: Festivalleiterin Elena Bashkirova Foto: dpa

»Intonations«

Sechs Tage Klassik

Das Festival spannt einen kühnen Bogen von den Romantikern bis Elliott Carter

von Ernst Sokolov  13.04.2015 20:59 Uhr

Ein jährlich wiederkehrendes Kammermusikfestival zu organisieren, ist kein Zuckerschlecken. Zumal in Berlin, wo die Neugier des Publikums rasch erlahmt und der Blick oft nur auf das Neue gerichtet ist. Kammermusik jedoch ist das genaue Gegenteil: Hier geht es um Konzentration und Verinnerlichung. Es geht, wie die Leiterin des »Intonations«-Festivals im Jüdischen Museum Berlin, Elena Bashkirova, betont, um den »intimen Dialog« zwischen den Musikern.

Das macht auch das Programm des diesjährigen Festivals deutlich, das vom 18. bis zum 23. April Spätwerke verschiedener Komponisten in den Fokus rückt. Ausgehend von Johann Sebastian Bach spannt das Festival über Ludwig van Beethoven und die Romantiker Schubert und Schumann einen kühnen Bogen bis hin zum modernen Komponisten Elliott Carter. Ein weites Feld fast ohne Horizont, das an sechs Abenden hintereinander beackert wird.

Stars Für Kontinuität sorgen einmal mehr die 32 geladenen Musiker, allen voran die Pianistin Elena Bashkirova. Die Festivalleiterin hat die Balance zwischen jungen Talenten und etablierten Musikern gefunden. Isabelle Faust und Radu Lupu etwa sind Stars der Szene, die mit internationalen Spitzenorchestern zusammenarbeiten. Das gilt auch für die Geigerinnen Mihaela Martin und Carolin Widmann sowie den Pianisten Martin Helmchen. Und selbstverständlich auch für den israelischen Geiger Guy Braunstein, der nicht nur in Berlin einen glänzenden Ruf genießt, war er doch zehn Jahre lang Konzertmeister der Berliner Philharmoniker.

Doch auch der Blick auf die übrigen Musiker lohnt sich, zumal viele von ihnen regelmäßige Gäste des Festivals sind: Der Bassist Nabil Shehata beispielsweise oder der Geiger Michael Barenboim, der dieses Jahr ausnahmsweise nicht an der Seite seiner Mutter Elena Bashkirova auftreten wird. Für neuen Glanz sorgt dieses Jahr ein Stück, das vom Festival eigens in Auftrag gegeben wurde. Es stammt vom israelischen Komponisten Noam Sheriff, der 1935 in Tel Aviv geboren wurde.

Der Israel-Preisträger von 2011 gilt als typischer Vertreter der israelischen Klassik, weil seine Kompositionen eine Mischung aus europäischer und orientalischer Musik darstellen. Sheriff studierte bei Paul Ben-Chaim in Tel Aviv, bei Igor Markewitsch in Salzburg und Boris Blacher in Berlin. Dorthin, wo Sheriff während des Studiums Ende der 50er-Jahre lebte, kehrt er nun für die Uraufführung seines Streichquintetts zurück.

Vorfreude Beim Jerusalem Chamber Music Festival, dem Ableger des »Intonations«-Festivals in Israel, wurde das Stück zwar bereits mit israelischen Musikern aufgeführt. In Berlin dagegen werden die Geiger Boris Brovtsyn und Petra Schwieger, die Bratschisten Hartmut Rohde und Madeleine Carruzzo sowie der Cellist Timothy Park auf der Bühne stehen. Sheriff ist davon überzeugt, dass sich dadurch die Klangfarbe des Stückes ändern wird: »Darauf bin ich gespannt.«

Den Auftrag für ein Werk an Noam Sheriff zu erteilen, ist wenig verwunderlich: die Familien Barenboim und Sheriff sind seit Langem miteinander befreundet. Und Elena Bashkirova war Solistin, als Sheriff am Dirigierpult des Symphonieorchesters Haifa stand.

»Warum schreibst du mir kein Stück für mein Festival in Berlin, hat mich Elena eines Tages gefragt?«, erinnert sich Noam Sheriff. »Deshalb habe ich mich für ein Streichquintett mit einer zweiten Bratsche wie bei Mozart entschieden. Es hat mich schon immer sehr interessiert, was die fünfte Stimme tut«. Dieses Interesse kann man nur teilen.

www.jmberlin.de/main/DE/02-Veranstaltungen/05-Kammermusikfestival/00-kammermusikfestival_start.php

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Musik

Mike D in Berlin: Ein Beastie Boy meldet sich zurück

Das Berliner Säälchen am Holzmarkt wird zur Kulisse des einzigen Deutschland-Konzerts des »Beastie Boys« Mike D. Hunderte Fans sind begeisterte Zeugen des überraschenden Comebacks ihres Idols

 12.06.2026

Weltmeisterschaft

Die Kraft des Gemeinsamen

Vom Hoffen, Mitfiebern und Leiden: Eine Liebeserklärung an die Macht und die Möglichkeiten des Fußballs

von Awi Blumenfeld  11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Kritik an Auftritt von Bassem Youssef in Berlin

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Festival in Köln

»Shalom-Musik.Koeln« 2026 bringt jüdische Musik in die ganze Stadt

Avi Avital, Sharon Brauner, Omer Klein und Bar Zemach sind nur vier der vielen Künstler, deren Performances auf dem Programm stehen

 11.06.2026

Hollywood

Hasswelle gegen Gwyneth Paltrow wegen Israel-Werbung

Die Datstellerin mit jüdischem Familienhintergrund ist das Werbegesicht für das israelische Luxusbauprojekt 51 Park in Herzliya. Die Quittung: Sie wird online als »genocide queen« beschimpft

 11.06.2026