Rechtsstreit

Bericht: Schauspielerin verliert Hauptrolle wegen Pro-Israel-Haltung

Sarah Maria Sander Foto: Alon David

Die Schauspielerin und Journalistin Sarah Maria Sander hat nach eigenen Angaben ihre zugesagte Hauptrolle in einem deutschen Kinofilm verloren, nachdem sie sich öffentlich proisraelisch geäußert hatte. Der Konflikt beschäftigt inzwischen auch die Justiz.

Wie »Bild« schreibt, geht es um den Film Die Todessehnsucht der Maria Ohm, dessen Dreharbeiten weitgehend abgeschlossen sind. Sander habe vertraglich die Zusicherung einer zentralen Hauptrolle erhalten. Sie erklärt, der Film beruhe zu großen Teilen auf einem autobiografisch geprägten Stoff, an dessen Drehbuch sie mitgearbeitet habe. Diese Zusage sei für sie Geschäftsgrundlage gewesen.

Auslöser des Streits soll laut »Bild« ein Video gewesen sein, das Sander im Sommer 2025 veröffentlichte. Darin reagierte sie auf einen offenen Brief von Filmschaffenden an Bundeskanzler Friedrich Merz, in dem ein Stopp von Waffenlieferungen an Israel gefordert wurde. Sander kritisierte die Unterzeichner scharf und warf ihnen unter anderem vor, politische Haltung nur aus Opportunismus zu zeigen. Wörtlich sagte sie: »Eure politische Haltung, euer Aktivismus ist nichts, es ist eine Show. Es ist Gratismut ohne Risiko, ohne Haltung.«

Lesen Sie auch

Nach Sanders Darstellung wurde ihr anschließend aus dem Produktionsumfeld signalisiert, ihr öffentliches Engagement schade dem Projekt. In einer E-Mail der Regisseurin, aus der »Bild« zitiert, heißt es, mehrere Schauspieler und Agenturen hätten eine Zusammenarbeit abgelehnt, unter anderem wegen öffentlicher Äußerungen, die ihnen bekannt geworden seien. Zudem seien Terminfragen angeführt worden.

Die Produktionsfirma Soilfilms Media weist den Vorwurf politischer Motive zurück. Gegenüber dem Blatt ließ sie über einen Anwalt erklären, die Umbesetzung habe organisatorische Gründe gehabt, darunter Risiken für Förderung und Festivalteilnahmen sowie Sanders angeblich eingeschränkte Verfügbarkeit. Ein politischer Hintergrund wird ausdrücklich bestritten.

Der Streit landete vor dem Berliner Landgericht II. Das Gericht untersagte der Produktionsfirma im Wege einer einstweiligen Verfügung vorläufig, Teile einer neu geschaffenen Rolle zu verfilmen oder zu veröffentlichen. Nach Auffassung des Gerichts liegt durch Änderungen am Drehbuch eine mögliche Urheberrechtsverletzung vor. In der Praxis könnte dies bedeuten, dass bereits gedrehte Szenen neu produziert werden müssten.

Beide Seiten kündigten weitere rechtliche Schritte an. im

Nachruf

Jürgen Habermas – die jüdische Gemeinschaft verliert einen großen Freund

Der große Soziologe war zeitlebens mit Israel verbunden

von Michael Brenner  16.03.2026

Oscars 2026

Timothée Chalamet muss warten

»Marty Supreme« war der überraschende Verlierer des Abends. Aber nach dem großen Mischpoche-Fest im Vorjahr gab es einen großen und viele kleine Erfolge für die jüdischen Filmfans

von Sophie Albers Ben Chamo  16.03.2026

Serie

Sarah Michelle Gellar: »Buffy«-Neuauflage abgesagt

Die Schauspielerin wendet sich in einem Video an ihre Fans, um sie über den Stopp des Projektes zu informieren

 15.03.2026

TV-Tipp

Fast rundes Alterswerk

Der rbb zeigt »Ein Glücksfall«, den 50. Film von Woody Allen

von Kira Taszman  15.03.2026

Philosophie

Ende einer Epoche und Auftrag

Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Zum Tod des renommierten Denkers ein Nachruf aus jüdischer Sicht

von Johannes Heil  15.03.2026

Zahl der Woche

615,5 Kilo

Fun Facts und Wissenswertes

von Katrin Richter  15.03.2026

Geheimnisse und Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 15.03.2026

Jürgen Habermas

Die Macht des Arguments

Meisterdenker und öffentlicher Intellektueller – in beiden Rollen höchstes Ansehen zu genießen, gelingt nur wenigen. Jürgen Habermas war einer von ihnen. Nun ist der Philosoph mit 96 Jahren gestorben.

von Sandra Trauner  14.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026