NS-Raubkunst

Ronald S. Lauder begrüßt Einlenken

WJC-Präsident Ronald S. Lauder Foto: Gregor Zielke

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, hat die Entscheidung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gelobt, im Streit um die Besetzung der Limbach-Kommission einzulenken. »Es ist entscheidend, dass die Perspektive der Opfer in der Kommission vertreten ist«, sagte Lauder. »Wir hoffen, dass ein passender Kandidat bald gefunden wird und dass diese Ergänzung die Kommission stärken wird.«

Auch die Jewish Claims Conference begrüßt die angekündigte Berufung eines jüdischen Vertreters in die Limbach-Kommission. »Ich kann aus verschiedenen Erfahrungsblickwinkeln sagen, dass eine Beteiligung der Opferseite es vielfach erst ermöglicht, die Opferperspektive mit in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen«, sagte Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland. Für die Limbach-Kommission bedeute die Berufung eines Opfervertreters mehr Transparenz und fördere größeres Vertrauen in die Arbeit der Kommission, insbesondere auch auf internationaler Ebene.

kritik Mitte vergangener Woche hatte Grütters sich laut einem Bericht der »New York Times« gegen einen jüdischen Vertreter in der Limbach-Kommission ausgesprochen. Die Zeitung zitierte die Ministerin mit den Worten: »Es wäre die einzige Stimme, die voreingenommen wäre.« Demnach solle wegen möglicher Interessenskonflikte kein Jude dem Gremium angehören, das in NS-Raubkunstfragen berät.

Daraufhin kritisierten mehrere Anwälte jüdischer Erben sowie auch der Jüdische Weltkongress die Einlassungen Grütters. Zudem bemängelten sie, dass die Entscheidungen der Limbach-Kommission unfair und intransparent seien.

Auf Anfrage des in Berlin erscheinenden »Tagesspiegel« hob Grütters hervor, sie habe den von der New York Times zitierten Satz niemals gesagt. »Niemand hat jemals einer jüdischen Persönlichkeit die Objektivität abgesprochen«, betonte Grütters.

Besetzung Am Freitag vergangener Woche gab Grütters bekannt, eine Person in die Arbeit miteinzubeziehen, die jüdisch ist. »Das wäre eine starke vertrauensbildende Maßnahme für die jüdische Seite«, so die Kulturstaatsministerin. Als passender Kandidat für eine solche Besetzung der Limbach-Kommission ist unter anderem der frühere Direktor des Jüdischen Museums Berlin, W. Michael Blumenthal, im Gespräch.

Zu der Idee, W. Michael Blumenthal in das Gremium zu berufen, sagte Rüdiger Mahlo von der Claims Conference: »Mit Professor Blumenthal würde man sich nicht nur anerkannte und hoch verdiente Expertise in das Gremium holen, sondern auch der Opferseite durch die Stimme eines Überlebenden Nachdruck verleihen.«

Die 2003 eingerichtete Limbach-Kommission vermittelt auf Wunsch zwischen Beteiligten, wenn es Streit um etwaige Raubkunst gibt.

Sie spricht Empfehlungen aus für den Umgang mit Kunstwerken, deren Eigentum sowohl die ursprünglichen – jüdischen – Besitzer als auch die heutigen Eigentümer beanspruchen. Der offizielle Titel des Gremiums lautet »Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz«. ppe

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