Sehen!

»Riefenstahl«

Leni Riefenstahl im CBC-Interview (1965) Foto: CBC

Dieser Blick lässt nicht los. Zwischendurch schaut Leni Riefenstahl immer wieder mal direkt in die Kamera, und in ihren Augen spiegeln sich: Härte, eine gewisse Abschätzigkeit und Arroganz. Wer war Leni Riefenstahl? Auch wenn Dokumentarfilmer Andres Veiel in seinem Film Riefenstahl (ab 31. Oktober im Kino) keine abschließende Antwort geben kann, so liefert er doch ein vielsagendes Bild der berüchtigten Filmemacherin und NS-Propagandistin.

Nach dem Tod von Horst Berger, Riefenstahls letztem Partner, standen Veiel und seiner Produzentin Sandra Maischberger 700 Kisten neues Material zur Verfügung: Briefe, Filmschnipsel, Tonaufnahmen, mitgeschnittene Telefonate. Dem Film ist seine jahrelange Recherche eingeschrieben. 18 Monate habe er, so Veiel, im Schneideraum verbracht.

Mittels assoziativer Montage blickt der Film, der in diesem Jahr bei den Filmfestspielen in Venedig außer Konkurrenz Premiere feierte, auf Riefenstahl. Angefangen bei ihrem Debüt Das blaue Licht (1932), einem mythisch-romantischen Bergfilm, hangelt er sich über die Werke der Regisseurin durch die Jahre. Zentral sind Triumph des Willens (1934), Riefenstahls Inszenierung eines NSDAP-Parteitags, und ihre Filme über die Olympischen Spiele von 1936.

Die inszenierte Fassade bröckelt

Riefenstahl starb 2003 im Alter von 101 Jahren und hat zeitlebens daran gearbeitet, ihre Biografie auszubügeln. Doch durch Off-Aufnahmen, in denen sich die Filmemacherin in herrischen Wutausbrüchen über die Fragen ihrer Interviewpartner aufregt, bröckelt ihre inszenierte Fassade immer wieder.

Sie habe, sagt Riefenstahl, nur dokumentiert und Kunst, nie Politik gemacht. Etwas, das man ihr zu keiner Zeit glaubt, denn auch, wenn Veiel in seiner Montage der Aufklärung nicht daran interessiert ist, ein einseitiges Bild der Filmemacherin zu zeichnen, so entlarvt er doch immer wieder die Frau und Bildmanipulatorin zwischen Hitler-Hype, radikaler (gespielter?) Naivität und heftigem Ehrgeiz mit ihren eigenen Mitteln.

Nach Spielfilmen wie Jonathan Glazers The Zone of Interest über Auschwitz-Lagerleiter Rudolf Höß oder Joachim Langs Führer und Verführer blickt auch Riefenstahl auf eine Mittäterin. Durch diesen filmischen Paradigmenwechsel, diese derzeitige Fokussierung auf die NS-Täter, offenbaren sich erschreckend aktuelle Mechanismen unserer von Polykrisen und einem Erstarken der Rechtsextremisten durchdrungenen Gegenwart.

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  16.04.2026

Paris

Einen Picasso für 100 Euro gewonnen

Das Auktionshaus Christie’s hat ein Gemälde des berühmten Malers für einen wohltätigen Zweck verlost. Gewonnen hat ein 59-Jähriger aus Paris

von Nicole Dreyfus  16.04.2026

»Scrubs«

Die Rückkehr der Anfänger

Nach 16 Jahren Pause geht es weiter mit der amerikanischen Krankenhaus-Serie. Aber funktioniert das Konzept noch?

von Ralf Balke  16.04.2026

Kulturkolumne

Wenn der Moderator nur sich selbst hört

Armin Laschet und die Absicht, ein Interview zu geben: Über Ambiguitätstoleranz im Deutschlandfunk

von Maria Ossowski  16.04.2026

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026

New York

Mehrere Juden auf neuer »Time«-Liste der einflussreichsten Menschen

Zwei jüdische Regierungschefs, drei Unternehmer und neun Künstler genießen nach Ansicht der Magazin-Autoren einen hohen Einfluss

von Imanuel Marcus  16.04.2026

London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars steigen Reichweite und Ticketverkäufe in der Oper- und Ballett-Welt deutlich

 15.04.2026

London

Boy George unterstützt Israel online und erntet dafür Hass-Kommentare

»Es ist gerade sehr trendy, Israel zu hassen. Aber ich habe immer gesagt: ›Mode ist für die Zerbrechlichen, Stil für die Mutigen‹«, schreibt das Multitalent. Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten

 14.04.2026