Propaganda

Rachefeldzug ab 18

Der umstrittene Film »Tal der Wölfe – Palästina« läuft nun doch in den deutschen Kinos. Der türkische Reißer wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in zweiter Instanz geprüft und am Donnerstag mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren freigegeben.

Der Held der 10-Millionen-Dollar-Produktion, Geheimagent Polat Alemdar, soll die im Mai 2010 von israelischen Soldaten erschossenen türkischen Passagiere der »Hilfsschiffe« mit Kurs Gaza rächen. Dem blutigen Thriller wird vorgeworfen, anti-israelische und antisemitische Ressentiments zu schüren.
Nun ist der Streifen am Donnerstag in Berlin angelaufen, im Alhambra und im Karli Kino, die beide zur Cineplex-Gruppe gehören. Er ist der meistgespielte Film, zwischen 12 und 23 Uhr laufen bis zu sieben Vorstellungen am Tag. Robert Schünemann, zuständig für Marketing und Presse bei der Cineplex-Gruppe, teilt auf Anfrage mit, der Film habe mit Blick auf Besucherzahlen einen gelungenen Start hingelegt, obwohl aufgrund der Debatte zahlreiche Reservierungen storniert worden seien. »Die große türkische Community nimmt den Film sehr gut an.« Am Wochenende rechnet Schünemann mit einem regelrechten Ansturm.

Fiktional Die beiden Kinos in den Berliner Bezirken Neukölln und Wedding bieten von jeher eine große Auswahl an türkischen Produktionen an. Der anti-israelische Inhalt in »Tal der Wölfe« sei »die Meinung des Filmemachers, wir kommentieren das nicht«, so Schünemann, »und wir hetzen gegen niemanden, wir sind eine Abspielstätte«. In fiktionalen Stoffen fänden sich immer wieder kontroverse Inhalte. Es habe ja auch zahlreiche amerikanische Filme gegeben, die zum Beispiel gegen den Irak hetzten. Auch hier müsse jeder Zuschauer selbst entscheiden: Ist das politisch korrekt? Und so sollte »Tal der Wölfe – Palästina« nur mit gewisser Vorkenntnis konsumiert werden - nicht umsonst sei der Thriller erst ab 18 Jahren freigegeben.

Auch der FSK-Prüfausschuss sieht das ähnlich: »Der Film erfordert vom Zuschauer detailliertes Vorwissen und die Fähigkeit, die politischen Zusammenhänge einzuschätzen, in die die gezeigte Gewalt eingebettet ist.« Jugendlichen könne der Film nicht zugemutet werden, ähnlich einem Kriegsfilm sei er von ständiger Gewalt durchzogen, darüber hinaus enthielte er propagandistische Tendenzen. Daher die Entscheidung gegen eine Freigabe ab 16.

Verantwortung Damit dürfte Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP, nicht zufrieden sein. Auf seiner Homepage (www.serkan-toeren.de/) nimmt er klar gegen »Tal der Wölfe« Stellung: »Dieser Film hat zurecht wegen seiner anti-israelischen Haltung (…) für scharfe internationale Kritik gesorgt. Der Film (…) bedient antisemitisches Gedankengut. Ich fordere hiermit die Kinobetreiber (…) auf, diesen rassistischen und antiwestlichen Hass-Film sofort abzusetzen.« Der Beschluss der FSK, die Vorführung für Jugendliche zu verbieten, ist für ihn dennoch ein Etappensieg. Staatlicherseits gäbe es keine Möglichkeit, den Streifen aus den Kinosälen zu verbannen, und so sei es nun an den Kinobetreibern, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. Doch wirtschaftliche Kriterien stünden oft im Vordergrund.

Vorgänger Das häufig zitierte Argument, die Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, zählt für Tören in diesem Kontext nur bedingt: »Auch die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen, und wir haben eine besondere Verantwortung. Ich möchte nicht, dass ein Streifen wie ‚Jud Süß’ je wieder gezeigt wird.« Er selbst wird sich das Werk wahrscheinlich ansehen, um der Kritik, über etwas zu sprechen, was er nicht kenne, keinen Raum zu lassen. Dereits der Vorgänger »Tal der Wölfe – Irak« sei für ihn schlimm genug gewesen.

In Deutschland wird »Tal der Wölfe – Palästina« ausschließlich von der Pera Film GmbH mit Sitz in Köln vertrieben. Der Geschäftsführer Mehmet Canpolat ist selbst Türke. Auf der Internetseite des Verleihs endet eine kurze Schilderung von »Kurtlar Vadisi – Filistin«, so der Originaltitel, mit den Worten: »Der Film beschreibt das tragische Schicksal der Palästinenser.«

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