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»Passagiere der Nacht«

Charlotte Gainsbourg (M.) als Élisabeth Foto: 2021 Nord-Ouest Films, Arte France Cinema

Zuletzt war sie als kühle Psychoanalytikerin und Supervisorin in Staffel 2 der französischen Version von In Therapie zu sehen – der israelischen Erfolgsserie.

Nun verkörpert die französisch-jüdische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg eine »einfache« Frau, die ihre Schwächen von Anfang an offen zeigt: In dem Spielfilm Passagiere der Nacht von Mikhaël Hers, der bei der Berlinale 2022 im Wettbewerb lief, ist Gainsbourg die alleinerziehende Mutter Élisabeth, die mit ihren beiden Kindern in einer Pariser Hochhaussiedlung lebt. Nach einer Brustkrebserkrankung hat Élisabeths Mann sie verlassen. Nun sucht die langjährige Hausfrau erstmals wieder bezahlte Arbeit, um sich und die Familie über die Runden zu bringen.

RADIO-TALK Einen Ausweg aus der Misere bietet die Radio-Talksendung Passagiere der Nacht, die Élisabeth – von Schlaflosigkeit geplagt – in ihrer Wohnung regelmäßig bis zum frühen Morgen hört. Im Studio des Senders erzählen Gäste der Moderatorin Vanda Dorval Nacht für Nacht ihre Lebensgeschichten. Élisabeth bewirbt sich und wird als Telefonistin Teil von Vandas Team. Ihre Sensibilität befähigt sie nicht nur, die passenden Anrufer herauszufiltern, sondern bringt sie auch dazu, gleich nach ihrer ersten Schicht den Studiogast, die obdachlose 18-jährige Talulah, als Gast in ihrer eigenen Wohnung aufzunehmen.

Es ist ein poetischer Film mit alltäglichen Heldinnen, die versuchen, sich im Leben zu behaupten.

Passagiere der Nacht beginnt mit einer Rückblende auf die Nacht des 10./11. Mai 1981, als in Paris der Sieg des Sozialisten François Mitterrand auf den Straßen gefeiert wurde – Szenen der Hoffnung auf einen politischen Aufbruch. Auch in anderer Hinsicht ist der Film eine nostalgische Hommage an die 80er-Jahre, an das Radio und Kino dieser Zeit.

gegenpart Es ist ein poetischer Film mit alltäglichen Heldinnen, die versuchen, sich im Leben zu behaupten. Charlotte Gainsbourg als wunderbar melancholisch-starke Frau und ihr jüngerer Gegenpart, die scheinbar toughe, aber psychisch labile Talulah (ausdrucksvoll gespielt von Noée Abita), aber auch Emmanuelle Béart als Vanda Dorval und Quito Rayon Richter als Élisabeths blasser Sohn Matthias, der von einer Dichterkarriere träumt, tragen den Film, der mit 150 Minuten nur ein bisschen zu lang ist.

Bei aller Melancholie: eine hoffnungsvolle Geschichte über die Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen. Talulah sagt, sie liebe das Kino, »weil es dort warm ist und man sich selbst vergisst«. Das gilt auch für Passagiere der Nacht.

Der Film läuft ab dem 5. Januar in den Kinos.

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