Lesen!

Orthodox in Hollywood

Wer die Bücher des amerikanisch-jüdischen Romanciers Herman Wouk (Die Caine war ihr Schicksal, Feuersturm) gerne liest, weiß, dass er schon seit vielen Jahren mit den Gedanken an eine Autobiografie spielt. Jetzt ist Wouk 98 Jahre alt und hat zwar keine Memoiren, aber einen Roman veröffentlicht, in dem er als eine der Figuren auftritt. Auch seine Frau Betty Sarah spielt eine kleine Rolle. Im Epilog erfahren wir, dass sie, mit der Wouk 63 Jahre verheiratet war, während der Arbeit an dem Buch im Alter von 90 Jahren verstorben ist.

briefroman Die eigentliche Story des als Briefroman konzipierten Buchs spielt in Hollywood. Ein reicher australischer Jude will einen neuen Moses-Film finanzieren, stellt aber zur Bedingung, dass der als religiös bekannte Wouk das noch gar nicht geschriebene Drehbuch absegnen soll. Wouk ist eigentlich nicht interessiert, und die vorgesehene Skriptautorin möchte auch nicht, dass jemand ihr reinredet, aber am Ende kommt es doch zu einer Zusammenarbeit.

Natürlich gibt es viele Verwicklungen und auch etliche Liebesgeschichten mit überraschenden Wendungen. Das Filmprojekt droht mehrmals zu scheitern, und das unterhaltsame Buch endet, bevor die Dreharbeiten beginnen. Wie Wouk sind auch viele der übrigen Protagonisten Juden. Fragen der religiösen Lebensführung werden mehr als einmal diskutiert. Wouk kommt es auch darauf an, zu zeigen, dass gesetzestreue Juden in der modernen Welt Kunstwerke schaffen können. Kein Wunder, dass er der Figur mit seinem Namen einen guten Auftritt verschafft.

Im schon erwähnten Epilog erfahren wir, wo der Autor beerdigt werden will: neben seinem Sohn Abe, der im Alter von vier Jahren starb. Vorher will er aber noch zwei Bücher schreiben. Vielleicht schafft der alte Herr es doch noch, eine Autobiografie zu Papier zu bringen. Damit könnte er sich und seinen Fans ein schönes Geschenk zum 100. Geburtstag bereiten!

Herman Wouk, The Lawgiver. Simon & Schuster. New York 2012, 234 S., 16 $

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