»Lola Marsh«

Ohrwurm aus Tel Aviv

Yael Shoshana Cohen und Gil Landau Foto: Michael Topyol

Dieses fröhliche Pfeifen hat sich tief in die Gehörgänge gegraben, bis ins Gehirn, sich dort festgesetzt, und von dort will es auch nicht mehr verschwinden. Der Song »Wishing Girl« mit dem frechen Rhythmus und den Ukulele-Klängen ist zum Ohrwurm des diesjährigen Sommers geworden – und das israelische Duo »Lola Marsh« zum Newcomer des Jahres.

Bis Mitte November tourten die beiden mit ihrer Band noch durch Europa und sind nun, pünktlich zum Beginn der kalten und dunklen Jahreszeit, in ihre sonnige Heimatstadt Tel Aviv zurückgekehrt, um an einem neuen Album zu arbeiten.

Hier, in Tel Aviv, hat alles begonnen, an einem Abend im Jahr 2011, als Sängerin Yael Shoshana Cohen mit Freunden auf der Geburtstagsparty von Gil Landau auftauchte. Die beiden kannten sich damals nicht, doch sie begannen gleich an diesem ersten Abend, gemeinsam Musik zu machen: Gil packte seine Gitarre aus, Yael sang. Und das klang so gut, dass sie sich sicher waren, dass da mehr möglich sein muss. »Die Chemie stimmte, es war Magie, wirklich«, erinnert sich Gil. Zuvor hatte er in einer anderen Band gespielt, dann aber wurde ihm klar, dass er künftig mit Yael Musik machen muss.

Streit Und so trafen sie sich immer mal wieder und immer öfter, drei, vier Mal die Woche, manchmal über zehn Stunden lang, und bastelten an eigenen Songs. Yael arbeitete damals noch als Kellnerin und schrieb Geschichten auf Papierservietten, die sie bei der Arbeit aufschnappte, und die Potenzial für einen Songtext hatten (eines ihrer schönsten Lieder heißt denn auch tatsächlich »Waitress«). Ein bisschen Streit gehört bei der Arbeit des Duos dazu: »Es ist aber ein guter Streit«, erklärt Yael. »Daraus entstehen oft die richtig guten Songs.«

2012 dann nahm Yael bei der israelischen Ausgabe der TV-Sendung The Voice teil und sang »Video Games« von Lana Del Rey so viel besser als das Original, dass sie das erste Jurymitglied schon innerhalb der ersten acht Sekunden überzeugte. Yael flog zwar im Laufe der Staffel raus, brauchte aber The Voice nicht, um sich erfolgreich in die Herzen der Fans zu singen. Die zierliche junge Frau mit den Rehaugen, den vollen Lippen und den braunen Haaren, die oft mit der Schauspielerin Penelopé Cruz verglichen wird, beeindruckt mit ihrer besonderen Stimme, die sie vielseitig einsetzt: mal fröhlich und verspielt wie in »Wishing Girl«, mal nachdenklich und klar wie in »Morning Bells«, mal melancholisch wie in »She’s a Rainbow«, wo sie tatsächlich ein bisschen so klingt wie Lana Del Rey.

Nachdem Lola Marsh 2015 und 2016 ihre ersten Singles veröffentlicht hatten, folgte in diesem Jahr endlich das erste Album Remember Roses – und die Tour durch Europa. Kein bisschen Nahost und kein bisschen Hebräisch findet sich in ihren Songs, alle sind auf Englisch geschrieben und hören sich eher wie die amerikanische Folk-Rock-Band The Lumineers an – wenn man sie überhaupt mit irgendwem vergleichen kann. Sie klingen ein bisschen nach der ganz großen Liebe und nach Herzschmerz, nach gefunden und verloren.

Traum Lola Marsh klingt auch ein bisschen nach dem Soundtrack für einen großartigen Film über das Leben. Tatsächlich haben die beiden ein Lied für den Film Das Jerico Projekt mit Kevin Costner geschrieben. Mal einen Streifen von Quentin Tarantino musikalisch zu begleiten, wäre der große Traum der beiden. Und überhaupt lassen sie sich gerne von Filmen inspirieren, unter anderem von Michael Endes Die unendliche Geschichte.

Yael und Gil sind international unterwegs und klingen auch so – nur wenn man in ihrem Musikvideo von »Wishing Girl« ganz genau hinschaut, erkennt man, dass sie einige Szenen vor der rostbraunen Fassade des Design-Museums in Holon aufgenommen haben. Und dann ist es wieder da, dieses Pfeifen, dieses »Youu-u-u-u-u-u my lonley star« und »I-I-I-I’m your wishing girl«, dieser Ohrwurm, der seit diesem Sommer einfach nicht mehr verschwinden will.

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Filmfestival von Cannes

Barbra Streisand erhält Ehrenpalme

Das jüdische Multitalent gewann zehn Grammy Awards, zwei Oscars und elf Golden Globes. Nun kommt eine weitere Ehrung hinzu

 11.03.2026

TV-Tipp

»Doctor Strange in the Multiverse of Madness« bei ProSieben

Fortsetzung des Superheldenfilms um den titelgebenden Magier

von Jan Lehr  11.03.2026

Lanz und Precht

»Irgendwie so bombt man sich das Ganze am Ende zurecht«

In ihrem wöchentlichen Podcast versuchen sich Talkmaster Markus Lanz und Philosoph Richard David Precht an einer Analyse der Hintergründe des Irankriegs – und scheitern gewaltig

von Michael Thaidigsmann  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

TV-Tipp

Die Puppe mit dem Hitlergruß: Das turbulente Leben der Unternehmerin Käthe Kruse

»Ich kauf‘ Euch keine Puppen - macht Euch selber welche!« Max Kruses junge Geliebte nahm diese brüske Absage wortwörtlich und wurde berühmt. Arte zeichnet die bewegte Biografie von Käthe Kruse nach

von Manfred Riepe  11.03.2026

Amulette

Erfurter Ausstellung zeigt israelische Kunst

Die Galerie Waidspeicher zeigt Werke israelischer Künstlerinnen und 555 Hamsa-Amulette aus Jerusalem. Das Motiv der Hamsa in Form einer geöffneten Hand ist im Judentum, im Islam und im Christentum gebräuchlich

von Matthias Thüsing  10.03.2026

München

Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt

Der Kolumnist bedient sich bei einem Podcast eines Slogans der Nationalsozialisten, um damit den AfD-Nachwuchs zu kritisieren. Deshalb wird gegen ihn ermittelt - jedoch nicht besonders lang

 10.03.2026