Bayern

NS-Raubkunst: Zentralrat fordert schnelle Aufklärung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Kunst- und Wissenschaftsminister Markus Blume (beide CSU) Foto: IMAGO/Sven Simon

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert von Bayern eine schnelle Aufklärung von Vorwürfen, Hunderte von Kunstwerken in staatlichem Besitz seien zum Teil seit Jahren als NS-Raubkunst eingestuft, aber dennoch nicht an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben worden.

»Wenn die Recherchen der Süddeutschen Zeitung über zurückgehaltene Informationen zu NS-Raubkunst in der staatlichen Gemäldesammlung des Freistaats Bayern zutreffen, dann wäre das ein Eklat«, sagte ein Sprecher des Zentralrats der Jüdischen Allgemeinen.

Lesen Sie auch

»Wir erwarten eine umfassende und schnelle Aufklärung und Stellungnahme der Gemäldesammlung und der politischen Verantwortlichen des Freistaates Bayern. Unabhängig davon ist der ganze Vorfall ein weiterer Grund für die schnelle Einführung eines verbindlich geltenden Restitutionsgesetzes«, fügte er hinzu.

Die »Süddeutsche« berichtete in ihrer Donnerstagsausgabe ausführlich über ein 900 Seiten langes, interes Dokument der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Darin werden rund 200 Kunstwerke als gelistet, die den Erkenntnissen von Provenienzforschern zufolge erwiesenermaßen in der NS-Zeit ihren Eigentümern entwendet wurden. Die der Zeitung zugespielte Liste ist demnach nur ein Auszug aus einer weit größeren Datenbank der Staatsgemäldesammlungen, in der sich auch 800 Kunstwerke befinden sollen, bei denen der Verdacht besteht, es handele sich um Raubkunst.

Auch die Jewish Claims Conference, die die Ansprüche jüdischer Nazi-Opfer gegenüber dem deutschen Staat vertritt, zeigte sich verstört über die jüngsten Enthüllungen. Rüdiger Mahlo, der Repräsentant der Organisation in Europa, forderte ebenfalls eine »umfassende und schnelle Aufklärung.« Der Freistaat Bayern habe sich verpflichtet, NS-Raubkunst zu restituieren, betonte Mahlo. »Wenn sich der Bericht der SZ bestätigen sollte, wäre das für uns ein Vertrauensbruch und die jüngst erzielten Fortschritte stünden infrage.«

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen teilten der »Süddeutschen Zeitung« auf Nachfrage mit, bei der Liste handele es sich um ein »reines Arbeitsmittel«, der nur den aktuellen Stand der Recherchen abbilde und sich ständig ändere. Eine Argumentation, die die Opferseite kaum überzeugen dürfte.

In Berlin zeigte sich Kulturstaatsministerin Claudia Roth besorgt über die Meldungen aus Bayern. »Es wäre ein Skandal, wenn hier Erkenntnisse über NS-Raubkunst bewusst zurückgehalten wurden und werden«, wurde sie von mehreren deutschen Medien zitiert. Es handele sich hier um einen Fall von »mangelnder Transparenz« sowie »möglicherweise um bewusstes Verschleiern und Verhindern von fairen und gerechten Lösungen«, so die Grünen-Politikerin. mth

Nachruf

Neil Sedaka: Der Künstler, der zweimal Karriere machte

Für den jüdischen Songschreiber und Sänger gab es eine Zeit vor den Beatles und danach. Mit 86 Jahren starb er nun in Los Angeles

von Imanuel Marcus  01.03.2026

Josh Safdie

»Nichts Nostalgischeres als Mütter«

Der Starregisseur über seinen Film »Marty Supreme«, Fran Drescher und Gwyneth Paltrow

von Patrick Heidmann  01.03.2026

Geburtstag

Lebensbejahende Klangkonstrukte

Über den ungarischen Komponisten György Kurtág, der jetzt 100 Jahre alt wurde

von Stephen Tree  01.03.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  28.02.2026

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Musik

Der große Romantiker: Bruno Mars ist der König des Soul

Das Warten hat sich gelohnt. Mit »The Romantic« zeigt der 40-jährige Künstler mit jüdischem Familienhintergrund, dass er weiter in einer eigenen Liga spielt

von Philip Dethlefs  27.02.2026

Berlin

Wegner: Berlinale darf nicht für Propaganda genutzt werden

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nimmt zum jüngsten Skandal bei den Filmfestspielen Stellung

 27.02.2026

Online-Hass

Hugh Laurie und die Anti-Zionisten

Der britische Filmstar Hugh Laurie wurde zum Ziel von Anti-Zionisten, nachdem er öffentlich um die verstorbene israelische Produzentin Dana Eden getrauert hatte

 27.02.2026