Krimi

Neues von Rabbiner Klein

Auf zu neuen Ufern: Der beliebte Schweizer Krimi geht in die dritte Runde. Foto: Nagel & Kimche

Krimi

Neues von Rabbiner Klein

Der dritte Roman von Alfred Bodenheimer spielt in Basel – und überzeugt durch Spannung und Authentizität

von Peter Bollag  08.02.2016 18:33 Uhr

Das Schönste in Zürich sei eindeutig der Bahnhof und dort der Zug nach Basel. An den etwas angejahrten Witz, mit dem manche Basler ihrer Abneigung gegen die als arrogant empfundenen Zürcher immer wieder einmal Ausdruck verleihen, muss auch Rabbiner Gabriel Klein im neuen Krimi Der Messias kommt nicht an einer bestimmten Stelle denken. Denn Basel und nicht Zürich ist diesmal Schauplatz seiner Mörderjagd.

Wieso das so ist, hat so seine Geschichte. Und die erzählt der in Basel aufgewachsene Alfred Bodenheimer ziemlich spannend und auch humorvoll. Klein kommt nämlich in den Genuss eines Sabbatical, das ihm der Vorstand der Zürcher Gemeinde großzügig gewährt. Er benutzt es, um über eine Schrift des Gelehrten und Hebraisten Sebastian Münster zu forschen, der im 16. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat – und zwar in Basel. Dorthin pendelt Rabbiner Klein dann auch, um quasi vor Ort Wissenschaft betreiben zu können. In Münsters Werk streiten ein Christ und ein Jude darüber, ob der Messias schon gekommen ist oder noch kommen wird.

Streit Dumm nur, dass der Rabbiner der Basler Gemeinde eben eine Art Burn-out erlitten hat und Rabbiner Klein angefragt wird, ob er an dessen Stelle einen Gemeindeschabbat in einer evangelischen Tagungsstätte irgendwo auf dem Land leiten könnte. Rabbiner Klein sagt zu und bereut dies schon bald. Denn kurz darauf wird er in einen verbissenen Streit zwischen dem Vorstandsmitglied Stéphane Hutmacher und Gemeindechasan Jedidia Strumpf hineingezogen.

Hutmacher möchte Strumpf aus verschiedenen Gründen loswerden. Und weil Rabbiner Klein das Verbrechen anscheinend magisch anzieht, liegt Hutmacher nur wenige Stunden nach dem Freitagabendessen erschossen auf einer Wiese – und Strumpf ist verschwunden.

Der Verdacht fällt damit selbstverständlich auf Strumpf, aber auch auf andere. Zum Beispiel auf eine Gruppe von Skinheads, die durch den geschwätzigen Koch der Tagungsstätte in der Kneipe der Nachbargemeinde erfahren hat, dass Juden das Wochenende in ihrer Nähe verbringen, und für »Stimmung« sorgen will. Die Lösung des Falls ist dann aber einigermaßen überraschend und wird Rabbiner Klein von seiner Gattin Rivka, die mit seinem Basler Abstecher eigentlich überhaupt nichts anfangen kann, sozusagen auf dem Tablett präsentiert.

Insider Hat sich Alfred Bodenheimer in seinen ersten beiden Krimis über Sitten und Gebräuche der Zürcher Gemeinde ausgelassen, ohne allzu deutlich zu werden, ist es hier, wo es um Basel geht, anders: Schließlich wissen nicht nur die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel seit Langem, dass es tatsächlich einen Konflikt zwischen dem Vorstand und dem Chasan gab. Der ist wohl – zumindest vordergründig – inzwischen gelöst, gab dem Autor wohl aber die Idee für seinen Plot.

Ein hartes Urteil fällt in dieser Sache Rabbiner Klein. An einer Stelle des Krimis sagt er: »Die sollten sich in dieser Gemeinde doch die Köpfe einschlagen, was sie offensichtlich taten, weil sie in ihrem kleinkarierten Sumpf miteinander nicht mehr klarkamen.«

Nach der Aufklärung des Mordes fährt der Rabbiner dann sozusagen mit dem Gegenzug erleichtert wieder an die Limmat. Aber nicht nur die jüdische Gemeinde, auch der universitäre Betrieb, den Alfred Bodenheimer als Leiter des Institutes für Jüdische Studien in Basel en détail kennt, bekommt in diesem Buch sein Fett weg – was es umso interessanter macht.

Alfred Bodenheimer: »Der Messias kommt nicht«. Nagel & Kimche, Zürich 2016, 208 S., 19,90 €

Nachruf

Jürgen Habermas – die jüdische Gemeinschaft verliert einen großen Freund

Der große Soziologe war zeitlebens mit Israel verbunden

von Michael Brenner  16.03.2026

Oscars 2026

Timothée Chalamet muss warten

»Marty Supreme« war der überraschende Verlierer des Abends. Aber nach dem großen Mischpoche-Fest im Vorjahr gab es einen großen und viele kleine Erfolge für die jüdischen Filmfans

von Sophie Albers Ben Chamo  16.03.2026

Serie

Sarah Michelle Gellar: »Buffy«-Neuauflage abgesagt

Die Schauspielerin wendet sich in einem Video an ihre Fans, um sie über den Stopp des Projektes zu informieren

 15.03.2026

TV-Tipp

Fast rundes Alterswerk

Der rbb zeigt »Ein Glücksfall«, den 50. Film von Woody Allen

von Kira Taszman  15.03.2026

Philosophie

Ende einer Epoche und Auftrag

Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Zum Tod des renommierten Denkers ein Nachruf aus jüdischer Sicht

von Johannes Heil  15.03.2026

Zahl der Woche

615,5 Kilo

Fun Facts und Wissenswertes

von Katrin Richter  15.03.2026

Geheimnisse und Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 15.03.2026

Jürgen Habermas

Die Macht des Arguments

Meisterdenker und öffentlicher Intellektueller – in beiden Rollen höchstes Ansehen zu genießen, gelingt nur wenigen. Jürgen Habermas war einer von ihnen. Nun ist der Philosoph mit 96 Jahren gestorben.

von Sandra Trauner  14.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026