»Wachaga«

Neues von Kutiman

Neues vom Ausnahmemusiker Foto: PR

»Wachaga«

Neues von Kutiman

Den israelischen Künstler hat es musikalisch auf den afrikanischen Kontinent verschlagen

von Sophie Albers Ben Chamo  22.10.2020 12:08 Uhr

Es ist möglicherweise ein kleines bisschen unsubtil, eine Musikkritik mit einer Lobpreisung zu beginnen, aber der israelische Multiinstrumentalist Kutiman ist ein Genie. So einfach ist das.

Wachaga heißt das neue Album, und mal wieder brechen sich die Schallwellen in tausend musikalischen Referenzen, frei von jeder Erwartungserfüllung, bis obenhin angefüllt mit der unbändigen Freude, unersättlich neugierig zu sein.

Tansania Diesmal hat es den Ausnahmemusiker, Tonforscher, Arrangeur und Experimentalfilmer, der im Jahr 2009 mit seinem einzigartigen Youtube-Musikvideo-Sampling-Projekt Thru You internationale Berühmtheit erlangte und den Loop zur eigenen Kunstform erhob, nach Afrika verschlagen.

In Tansania, am Fuße des Kilimandscharo, hat der 39-Jährige das Leben und die Musik des dort ansässigen Stammes der Wachaga studiert. Alltagsgeräusche, musizierende Schulkinder, Trommler, Tänzer, ein Chor – Kutiman nahm alles auf, brachte die Tonspuren zurück nach Israel, bearbeitete sie im Kibbuz-Studio und fügte schießlich seine eigene Musik hinzu. Spiritueller Jazz war die Inspiration – und schlägt immer wieder Funken.

Jazz Nach insgesamt sechs Jahren Arbeit haben es nun neun Stücke auf das Album geschafft. Jedes mit dazugehörigem Video, eines hypnotischer als das andere, mal in wilder 80er-Jahre-Optik, mal durchs Trance-Kaleidoskop geschaut, immer mit verrückten Sprüngen und Loops, eben das perfekte Abbild der Kutimanschen Musik, die wie ein beeindruckend bunter und dicker Teppich aus verschiedensten Einflüssen immer wieder mit grandiosen, unerwarteten Mustern überrascht.

Dabei hatte sich dieser musikalische Tarantino, der mit bürgerlichem Namen Ophir Kutiel heißt und im Galil aufgewachsen ist, zunächst voll und ganz der ernsthaften Musik verschrieben.

Er war sechs Jahre alt, als er das Klavier entdeckte, und bis zu seiner Barmizwa auch noch Gitarre und Schlagzeug. Nach der Schule folgte das Studium am Rimon Music College in Tel Aviv. Jazz sollte es sein. Der Legende nach kannte Kutiel so gut wie keine Popmusik. Doch er jobbte neben dem Studium in einem Kiosk, und dort dudelte tagein tagaus das berühmte Campus-Radio der Radio-Hochschule. Kutiel war entflammt. Der Rest ist Geschichte. Weitermachen!

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel sind dieses Mal dabei

 26.02.2026

Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Reaktionen

»Plattform für antisemitische Hetze«: Das sagen Künstler und Politiker zur geplanten Tuttle-Absetzung

Wolfram Weimer will die Berlinale-Chefin nach dem jüngsten Antisemitismus-Skandal absetzen. Das sorgt – so wie die Rede von Abdallah Alkhatib – für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick

 26.02.2026

Berlinale

Tom Shoval unterstützt Tricia Tuttle

Der israelische Regisseur schreibt in einem Instagram Post Tuttle sei »eine Person von beispielloser Integrität.«

von Katrin Richter  26.02.2026

Programm

Berliner Rebellin, Kafkas Schwester und ein junger Detektiv: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. Februar bis zum 4. März

 26.02.2026

Aufgegabelt

Tomato tonnato mit Kapern

Rezepte und Leckeres

von Alice Zaslavsky  25.02.2026

Rezension

Erfolg und Versagen

Konstantin Richter beschreibt deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1871 – und das Schicksal des jüdischen Bankiers Hermann Wallich

von Maria Ossowski  25.02.2026

Debatte

Streit um die Deutungshoheit

Die harten Auseinandersetzungen um die Studie des Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe über die Rolle polnischer Bürgermeister in der Schoa sind ein Lehrstück über den Umgang mit der Freiheit der Wissenschaft

von Julien Reitzenstein  26.02.2026 Aktualisiert