»Intonations«-Festival

Mozart, Haydn, Beethoven

Das Jerusalem International Chamber Music Festival im Glashof des Jüdischen Museums Berlin Foto: Monika Rittershaus

Sinn und Legitimation von Musikfestivals liegen in ihrer Außeralltäglichkeit: Das hat Elena Bashkirova besser erkannt als manch ein Intendant der Mega-Festspiele.

Vor 22 Jahren rief die Pianistin und passionierte Kammermusikerin ihr Jerusalem Chamber Music Festival ins Leben, dessen nachhaltiger Erfolg sich nicht nur dem hochrangigen künstlerischen Niveau und den ungewöhnlichen Programmen verdankt, sondern auch der besonderen Atmosphäre im nahe der Jerusalemer Altstadt gelegenen Konzertsaal des YMCA.

In einem völlig anderen Ambiente, nämlich in der lichtdurchfluteten, modernen Architektur des Glashofs im Jüdischen Museum, findet dieses Jahr bereits zum 7. Mal der Berliner Ableger statt, das Kammermusikfestival »Intonations«. Und obwohl der Raum mit seiner hohen gläsernen Decke auf den ersten Blick nicht unbedingt wie ein idealer Konzertsaal wirkt, entfaltet sich hier Jahr für Jahr dennoch etwas vom Zauber des Jerusalemer Festivals.

Charme Es ist die ihr eigene, hinreißende Mischung von unbestechlichem Kunstverstand und Charme, mit der es Elena Bashkirova gelingt, die hochrangigsten Künstler für ihr Festival zu begeistern – obwohl es so gut wie keine Gagen gibt. Und diese Begeisterung springt in den Konzerten unmittelbar aufs Publikum über.

Passend zur Jerusalem-Ausstellung des Jüdischen Museums wird Elena Bashkirova ihr Festival am Samstagabend mit einer Hommage an die Heilige Stadt eröffnen. Gemeinsam mit Alexander Knyazev spielt sie Händels Ankunft der Königin von Saba in einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen, Beethovens Variationen über ein Thema aus Händels Judas Maccabäus und Max Bruchs »Kol Nidrei«. Brahms’ Vier ernste Gesänge und Haydns Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz komplettieren das Programm dieses ersten Abends.

Eine kleine Sensation bietet das Matinee-Konzert am 22. April, in dem Elena Bashkirova vierhändig mit ihrem weltberühmten Ehemann, dem Dirigenten Daniel Barenboim, zu erleben sein wird. Auf dem Programm steht dann die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen von Franz Schubert. In den 36 gemeinsamen Jahren ihres Lebens ist es überhaupt erst das dritte Mal, dass sich das Ehepaar, das die beruflichen Sphären sonst strikt getrennt hält, dazu entschließt, seinen Grundsatz zu durchbrechen. Das letzte Mal geschah dies vor fünf Jahren, ebenfalls beim Intonations-Festival.

Violoncello Immer macht sich Bashkirovas Festival auch für das rare, unbekanntere Repertoire stark. Neben Werken der Moderne wie Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 mit Mojca Erdmann als Sopranistin und zeitgenössischen Werken wie Matthias Pintschers Komposition Uriel für Violoncello und Klavier überrascht das Programm in diesem Jahr mit einer unbekannten Komposition von Darius Milhaud, eine Zufalls-Entdeckung, die Elena Bashkirova einem technischen Mitarbeiter ihres Jerusalemer Festivals verdankt.

Der brachte eines Tages handgeschriebene Partiturseiten mit, die er von seiner Großmutter bekommen hatte. Es handelte sich um Milhauds Ballett Les rêves de Jacob (»Jakobs Träume«), das wiederum zum diesjährigen Schwerpunkt biblischer Themen rund um Jerusalem passt.

Wie immer ist der Kreis der Musiker handverlesen. Zum harten Kern der bereits als Festival-Familie aufeinander eingespielten Musiker – mit der Philharmonikerin Madeleine Carruzzo, die es liebt, auf den Festivals ihre Geige gegen die Bratsche einzutauschen, dem Pianisten Kirill Gerstein, den Geigern Kolja Blacher und Michael Barenboim – kommen dieses Jahr einige Debüts, auf die sich Elena Bashkirova freut. Im Gespräch schwärmt sie von den Geigerinnen Liza Ferschtman und Clara-Jumi Kang. Cristina Gómez Godoy ist eine neue Oboistin der Berliner Staatskapelle.

Lahav Shani, der nun als designierter Nachfolger von Zubin Mehta an der Spitze des Israel Philharmonic Orchestra bekannt geworden ist, wird als Pianist zu erleben sein, ebenso wie der Dirigent Thomas Guggeis, der jüngst an der Staatsoper als Einspringer am Pult der Staatskapelle einen grandiosen Premierenerfolg mit der Salome hinlegte. Das Festival läuft bis zum 26. April. Wer noch keine Karten hat, sollte sich beeilen. Einige Konzerte sind bereits ausverkauft.

www.jmberlin.de/intonations

Hollywood

»Er ist mein Sexobjekt«

Goldie Hawn lüftet das Geheimnis ihrer langen Beziehung

 22.01.2026

Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?

von Jonas-Erik Schmidt  22.01.2026 Aktualisiert

TV-Tipp

Doku über Margot Friedländer am Holocaust-Gedenktag - Gegen das Vergessen

Nicht nur für sechs Millionen Juden, sondern für alle unschuldig Ermordeten des Nazi-Regimes wollte Margot Friedländer immer als Überlebende des Holocaust sprechen - zum Beispiel in diesem bewegenden Dokumentarfilm

von Jan Lehr  22.01.2026

Kulturkolumne

Meditieren mit Guru oder mit der Techniker Krankenkasse?

Auf der Suche nach einem glücklichen Leben ohne Stress: Mein langer Weg zur Achtsamkeit

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.01.2026

Kino

Gedenken oder knutschen?

Der Coming-of-Age-Film »Delegation« nimmt Reisen israelischer Jugendlicher in ehemalige deutsche KZs in Polen unter die Lupe

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026