Ermittlung

Mord in der deutschen Pampa

Krimi Nummer sechs Foto: PR

Ermittlung

Mord in der deutschen Pampa

Alfred Bodenheimer hat mit »Der böse Trieb« seinen sechsten Rabbi-Klein-Krimi veröffentlicht

von Peter Bollag  11.02.2021 08:45 Uhr

Rabbiner Gabriel Klein aus Zürich, der Held der Kriminalromane des in Basel und Jerusalem lebenden Judaisten Alfred Bodenheimer, ist Kummer gewohnt.

Was musste er im Laufe der bisherigen fünf Bücher nicht schon alles erleben: den Mord an einer betuchten jüdischen Dame am noblen Zürichberg ebenso wie das Verbrechen am Moderator einer TV-Show, um nur zwei Beispiele herauszugreifen. Und immer hätte Klein, erfundener Rabbiner der real existierenden Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), eigentlich andere, wichtigere Aufgaben zu erledigen als herauszufinden, wer es denn nun diesmal war.

mordfall Im sechsten Roman Der böse Trieb ist das nicht anders: Das Berufsleben in Form einer drohenden Kündigung nimmt den Rabbiner diesmal so in Beschlag, dass er nicht ungestört im aktuellen Mordfall ermitteln kann. Rabbiner Klein versucht nämlich, auf eigene Faust halachische Probleme zu lösen: Man steht vor den Herbstfeiertagen.

Und weil die Ladung der Etrogim für Sukkot verdorben in Zürich ankommt, ist guter Rat gefragt. So versucht Klein, in einem israelischen Kibbuz Ersatz zu finden. Mit diesem Vorhaben verärgert er den Schweizer Koscher-Import-Monopolisten so sehr, dass dieser Rabbiner Klein sogar vor ein rabbinisches Gericht zerren will.

Weil eine der beiden Töchter in Israel gewisse Anlaufschwierigkeiten hat, findet Rebbetzin Klein, ihr Gatte solle sich gefälligst einmal in seine eigenen Angelegenheiten einmischen

Aber Klein wäre nicht Klein, wenn er seine Ermittlungen im spektakulären Mordfall Viktor Ehrenreich einfach einstellen würde. Denn der Zahnarzt, der in Inzlingen, einem Dorf hinter der deutschen Grenze (»Mehr Pampa ging wirklich nicht«, heißt es im Buch), seine Praxis betrieb, wurde erschossen. Ehrenreich hatte sich mit dem örtlichen Chabad-Rabbiner nicht verstanden und suchte Klein jedes Jahr im Monat Elul für ein »Sichat Nefesch«, ein »Seelengespräch«, auf.

lesevergnügen Dass die Lörracher Polizei Klein ebenso im Nacken sitzt wie zu Hause in Zürich Kleins Gattin Rivka, macht einen guten Teil des Lesevergnügens aus. Denn weil eine der beiden Töchter in Israel gewisse Anlaufschwierigkeiten hat, findet Rebbetzin Klein, ihr Gatte solle sich gefälligst einmal in seine eigenen Angelegenheiten einmischen, statt im nahen Ausland Kommissar zu spielen. Das tut Klein selbstverständlich und löst auch diesen Fall. Daneben bleibt aber eine gewisse Unsicherheit, wer den Zahnarzt denn nun tatsächlich umgebracht hat.

Auch in Der böse Trieb erweist sich Al­fred Bodenheimer als guter und ironischer Kenner der deutschsprachigen jüdischen Szene. Etwa, wenn Rivka ihrem Mann auf dem Höhepunkt der Krise aufzeigt, was denn seine beruflichen Alternativen sind: »Willst du zu einer anderen Gemeinde wechseln, womöglich irgendwo in Deutschland, wo alles dann im schlimmeren Fall noch viel intransparenter oder intriganter ist als hier?«

Selbstverständlich will Rabbiner Gabriel Klein das auf keinen Fall – und weil Bodenheimer dieses Buch in einem neuen Verlag herausgebracht hat und es sicherlich einen siebten Fall geben wird, muss er das auch nicht.

Alfred Bodenheimer: »Der böse Trieb«. Kampa, Zürich 2021, 256 S., 19,90 €

Im Kino

Mutiges Biopic über Österreichs Ex-Kanzler: »Bruno – Der junge Kreisky«

Harald Sicheritz hat ein Biopic gedreht, das die politischen Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, zwischen der Linken an sich und den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren differenziert darstellt

von Sascha Westphal  06.10.2026

Literatur

Neues Jugendbuch von Holly-Jane Rahlens: Ein eher unbekanntes Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte

Displaced Persons Camps der Nachkriegszeit: Sie stehen im Zentrum eines neuen Buches von Holly-Jane Rahlens. »Frostblüten« heißt und erzählt von der Freundschaft der jüdisch-polnischen Estera und der Berlinerin Lotte

von Nina Schmedding  06.10.2026

Aufruf

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar warnt vor AfD

Shida Bazyar ist mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In einem Vorab-Interview äußerte sie sich auch politisch

von Anita Hirschbeck  06.10.2026

Literatur

Shida Bazyar für ihren Roman »Die Lücken« mit Deutschen Buchpreis ausgezeichnet

Der Preis wurde am Montagabend im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse vergeben

 05.10.2026 Aktualisiert

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  05.10.2026

Zahl der Woche

136 israelische Athleten

Fun Facts und Wissenswertes

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Frankfurt

Kronen der Schrift

Im Jüdischen Museum ist die weltweit größte Privatsammlung von Rimonim zu sehen. Sie stammen aus China, dem Jemen oder Marokko. Gesammelt hat sie ein heute 100-jähriger Schweizer Jude

von Mascha Malburg  05.10.2026

Biennale Jerusalem

Aus den Tiefen ins Licht

250 Künstler aus Israel und anderen Ländern verarbeiten das Massaker des 7. Oktober

von Sabine Brandes  05.10.2026