Bloggerin

Marie Sophie Hingst ist tot

Marie Sophie Hingst 2017 beim Erhalt der Ehrung »Bloggerin des Jahres« Foto: pa/obs Die Goldenen Blogger

Die Bloggerin und Historikerin Marie Sophie Hingst ist gestorben. Die 31-Jährige wurde tot in ihrer Wohnung in Dublin aufgefunden, wie ihre Mutter im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin »Spiegel« und der Zeitung »Irish Times« bestätigte. Zu den Umständen des Todes gab es bislang keine offiziellen Angaben.

Ende Mai diesen Jahres hatte ein »Spiegel«-Bericht über die preisgekrönte Bloggerin für große Diskussionen gesorgt. Laut Bericht des Magazins hatte Hingst sich fälschlicherweise als Jüdin und Nachfahrin einer Familie von Schoa-Überlebenden ausgegeben.

TÄUSCHUNG  Die in Irland lebende Bloggerin hatte damals dem Nachrichtenmagazin zufolge sowohl in ihrem Blog »Read on my dear, read on« als auch gegenüber dem Archiv der Holocaust‐Gedenkstätte Yad Vashem falsche Angaben über ihre Abstammung gemacht.

Laut »Spiegel« hatte Hingst keine nähere jüdische Verwandtschaft – obwohl sie immer wieder davon berichtet hatte.

Hingst war 2017 zur »Bloggerin des Jahres« gekürt worden. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde ihr der Titel aberkannt. Ein Sprecher von Yad Vashem teilte mit, von Hingst übergebene Gedenkbögen seien Experten zur weiteren Untersuchung übergeben worden.

Über einen Anwalt ließ Hingst damals verbreiten, dass die Texte ihres Blogs »ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit für sich in Anspruch« nähmen. Es habe sich um Literatur gehandelt, nicht um Journalismus oder Geschichtsschreibung.

ÜBERPRÜFUNG Nach »Spiegel«-Recherchen hatte Hingst in Wirklichkeit keine nähere jüdische Verwandtschaft – obwohl sie in ihrem Blog und auch in Vorträgen immer wieder davon berichtet hatte. Außerdem habe sie bei der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Einreichen von sogenannten Gedenk‐ oder Opferbögen zu 22 angeblichen Verwandten den Eindruck erweckt, große Teile ihrer Familie seien im Holocaust umgekommen. Tatsächlich stammt sie aus einer evangelischen Familie, wie der »Spiegel« nach Recherchen im Stadtarchiv von Stralsund schreibt.

Ihr Großvater soll nicht wie von ihr behauptet Häftling im Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein, sondern evangelischer Pfarrer. Von weiteren angeblich jüdischen Familienmitgliedern fanden sich demnach gar keine Spuren. Dem »Spiegel« zufolge hatte der Oberbürgermeister Stralsunds im Juni diesen Jahres das Auswärtige Amt auf die Darstellungen in den Opferbögen hingewiesen und darum gebeten, die Gedenkstätte Yad Vashem offiziell zu informieren.

Ihr Großvater soll nicht wie von ihr behauptet Häftling im Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein, sondern evangelischer Pfarrer.

NACHWEIS Yad Vashem hatte nach dem Spiegel-Bericht erklärt, insgesamt seien in der Jerusalemer Einrichtung die Namen von 4,8 Millionen Holocaust‐Opfern gesammelt worden. »Oft sind die Gedenkseiten der einzige Nachweis für die Existenz eines Holocaust‐Opfers.« Die Seiten würden nach ihrer Übergabe kurz geprüft, um grundlegende Informationen zu verifizieren, wie etwa biografische und geografische Angaben.» Dieser Prozess ist nicht hundertprozentig sicher, und wir sind mitunter auf falsche Informationen in diesen Seiten hingewiesen worden.«

In solchen Fällen korrigiere man das Archiv. Grundsätzlich gehe man davon aus, dass die Gedenkseiten in ehrlicher Absicht ausgefüllt werden, und letztlich sei die Person, die sie einreicht, verantwortlich für den Inhalt.  dpa/ja

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