Kunst

Man spricht Deutsch

Ein ungeschliffener Diamant, ein Flugzeugträger oder ein Zauberwürfel à la Rubik: Das »Herta and Paul Amir Building«, der spektakuläre Anbau des Tel Aviv Museum of Art, der von dem US-Architekten Preston Scott Cohen entworfen und am 2. November eröffnet wurde, weckt viele Assoziationen. Hinter einer Fassade aus 465 Betonplatten unterschiedlicher Form und Größe bieten drei gegeneinander gedrehte Ebenen, in der Mitte durch einen Lichthof verbunden, auf 18.500 Quadratmetern Raum für die Dauerausstellung israelischer Kunst sowie für Wechselausstellungen und Galerien, die besonderen Sammlungsbereichen gewidmet sind.

Förderkreis Einer dieser Bereiche ist die »Galerie der deutschen Freunde des Museums Tel Aviv«, in der Drucke und Zeichnungen deutscher Expressionisten wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und George Grosz zu sehen sind. Der reiche Bestand an Werken des deutschen Expressionismus in Tel Aviv geht zurück auf die Sammlung des Direktors des ersten Berliner Jüdischen Museums, Karl Schwarz (1885-1962), der bei seiner Alija gut 1.500 Grafiken mit ins damalige Palästina brachte, wo er Leiter des 1932 gegründeten Tel Aviver Kunstmuseums wurde.

Dass diese Arbeiten jetzt in einem eigenen Raum gezeigt werden können, verdankt das Museum dem Engagement seines deutschen Förderkreises um das Münchner Ehepaar Hélène und Samy Gleitman. Zu dessen Aktivitäten gehört auch das Projekt »The Art Road to Peace«, das jüdischen und arabischen Kindern Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten im Museum ermöglicht. »Das gemeinsame Gestalten kann eine Brücke schlagen«, sagt Samy Gleitman.

Sie hoffe, dass auch der Brückenschlag zu ihrer Heimatstadt München gelinge, sagte Charlotte Knobloch bei der Eröffnung der Galerie, zu der die Präsidentin der IKG München neben zahlreichen Vereinsmitgliedern auch den deutschen Botschafter Andreas Michaelis, die Mitglieder des Innenausschusses des Deutschen Bundestags, den bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai begrüßte. »Die Zuneigung zur deutschen Kultur ist groß in Israel.«

kabbala Ein weiterer deutsch-israelischer Brückenschlag zur Eröffnung des neuen Gebäudes ist die Werkausstellung »Schevirat ha’kelim« (»Das Zerbrechen der Gefäße«) von Anselm Kiefer. Der deutsche Künstler beschäftigt sich schon gut 20 Jahre mit der jüdischen Mystik; als er 1986 erstmals in Israel ausgestellt habe und nach Jerusalem gekommen sei, da »war das wie eine Initiation, die meine künftige künstlerische Arbeit tief beeinflusst hat«. Kiefer erinnerte an die von den Nationalsozialisten zerstörte Verbindung von Juden und Nichtjuden in Deutschland, an die »wundervolle Kultur im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts«. Seine Ausstellung mit ihren Bezügen zur Kabbala verstehe er als »virtuelle Wiedervereinigung«, so der Künstler.

Monacensia

Münchner Schau zum Archiv von Rachel Salamander

Dem Jüdischen wieder Präsenz geben in der Gesellschaft: Das war das Ziel, das die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit ihrer Buchhandlung erreichen wollte. Nun wird ihr Archiv nach und nach erschlossen

von Barbara Just  11.05.2026

TV-Tipp

Vieldiskutierter Blockbuster »Barbie« bei RTL - Komödie um die legendäre Puppe und eine irrwitzige Identitätskrise

Greta Gerwigs Erfolgsfilm um die berühmte Puppe Barbie, deren sorgenfreies Leben durch dunkle Gedanken gestört wird, so dass sie sich mit ihrem Verehrer Ken in die Welt der Menschen aufmacht, um die Krise zu überwinden

von Michael Kienzl  11.05.2026

ESC-Kolumne

Israel beim ESC: Gesungene Geschichte

Viermal hat Israel den Europäischen Gesangswettbewerb gewonnen. Wie sieht es wohl diesmal aus?

von Martin Krauss  11.05.2026

Wien

Israels ESC-Fans: Sind keine Repräsentanten für Politik des Landes

Sie sind stolz, Israels Interpreten anzufeuern und die Landesflagge zu schwingen. Eines wollen die Fans aus Nahost beim ESC aber nicht sein: politische Vertreter

 10.05.2026

Italien

Überschattet von Skandalen: Venediger Kunstbiennale beginnt

Die Jury tritt zurück, die große Feier fällt aus und ein israelischer Künstler sieht sich »völlig isoliert« – die 61. Kunstbiennale in Venedig war schon vor Beginn beschädigt. Nun hat sie ihre Tore offiziell geöffnet

 10.05.2026

Eurovision

Noam Bettan probt mit Buhrufen

Mehrere Länder boykottieren den Eurovision Song Contest 2026 wegen der Teilnahme Israels. Wie geht der Kandidat des Landes damit um, dass er in Wien zudem mit Störaktionen und Buhrufen rechnen muss?

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Aufgegabelt

Geburtstagskuchen

Rezepte und Leckeres

 10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026