Kunst

Maler und Mentor

Max Liebermanns Gemälde »Samson und Delila« von 1902 ist eine Leihgabe aus dem Städel Museum in Frankfurt am Main. Foto: Jigal Fichtner

Diese Farben! Dieses Licht! Rote Blüten inmitten von sattem Grün und ein Wechsel aus strahlender Sonne und kühlendem Schatten: Auch fast 100 Jahre nach seiner Entstehung lässt uns Max Liebermanns Gemälde »Wannseegarten – Haus mit roten Stauden« für einen Moment in eine sommerliche Idylle eintauchen. In dem 1910 in der Villenkolonie Alsen am Wannsee errichteten, von einem sorgsam gestalteten Garten umgebenen Domizil verbrachte Liebermann mit seiner Familie bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1935 die Sommerzeit.

Die Villa am Wannsee und der vielgestaltige, ein Birkenwäldchen umschließende Garten wurden für ihn zu einem künstlerischen Schwerpunkt der letzten Schaffensjahrzehnte. Liebermanns Wannsee-Bilder lassen vermuten, dass das elegante Anwesen für ihn ein Refugium gegen die in Berlin heraufziehenden politischen Stürme gewesen sein muss. Neben den späten Gartenbildern zeigt die Ausstellung Impressionismus in Deutschland. Max Liebermann und seine Zeit im Museum Frieder Burda in Baden-Baden weitere wesentliche Werke des berühmten preußisch-jüdischen Künstlers.

Mehrere Dutzend Gemälde seiner Zeitgenossen und Weggefährten wie Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde sowie weiterer, mitunter weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler ergänzen die Präsentation. Ein gemeinsamer Nenner der einen Zeitraum von den 1880er- bis in die 1920er-Jahre umspannenden Schau ist der künstlerische Fokus auf Seheindrücke, Licht und Farbe. Max Liebermanns Rolle als Mentor, Sammler und institutioneller Förderer impressionistischer Malerei ist ein weiterer Fixstern.

Künstlerischer Facettenreichtum

Die von Daniel Zamani, dem künstlerischen Direktor des Museums Frieder Burda, noch in seiner Zeit am Potsdamer Museum Barberini konzipierte und nun in Baden-Baden umgesetzte Ausstellung führt Liebermanns künstlerischen Facettenreichtum vor Augen.

Da ist etwa der Pleinairmaler, der 1909 ein sommerliches Bootstreiben auf der Alster mit flottem, sattem Pinselstrich einfängt. Im selben Jahr hält der Holland-Malurlauber Liebermann Nordsee-Strandszenen in Noordwijk fest: Unauffällig fügen sich die Menschen in das von sandigen Farbtönen bestimmte Bildgeschehen. Wehende Fahnen lassen eine steife Nordseebrise erahnen, während das blasse Blau von Himmel und Meer kaum strahlt: Kann Impressionismus wirklich ohne mediterranes Licht auskommen?

Das Museum beleuchtet eine Zeit, in der Frauen sich auch im Kunstbetrieb gegen erhebliche Widerstände behaupten mussten.

Ein geradezu staatsmännischer Künstler präsentiert sich auf dem »Selbstbildnis im Anzug neben der Staffelei« von 1922. Der mittlerweile 75-jährige Liebermann, einer der arriviertesten Maler der frühen Weimarer Republik und Präsident der Preußischen Akademie der Künste, blickt den Betrachter ernst und prüfend an. Max Liebermann porträtiert sich an der Staffelei – im Anzug und mit Krawatte, die rechte Hand wohl in die Hosentasche gesteckt, mit einem Pinsel im Anschlag in der Linken.

Neben diesem getragenen Selbstbildnis hängt in Baden-Baden Lovis Corinths deutlich nervöser daherkommendes Porträt des Kunstschriftstellers Julius Meier-Graefe aus dem Jahr 1912, das vom Pariser Musée d’Orsay ausgeliehen wurde.

Naturalistisch wirkt eines der frühesten Liebermann-Bilder in der Ausstellung: »Stille Arbeit« von 1885 zeigt eine strickende junge Frau in häuslicher Szenerie und lässt deutliche Parallelen zur niederländischen Malerei erkennen. Mit lockerem Pinselstrich setzt Liebermann unterdessen 1909 das alltägliche Markttreiben im Amsterdamer Jodenbuurt ins Bild.

Lange scheint in seiner Malerei das Alltäglich-Anekdotische mit freier Form und Farbe zu konkurrieren. Wenn Liebermann sich wie 1893 in seiner Darstellung eines Biergartens im bayerischen Brannenburg traut, dem impressionistischen Blick den Vorzug zu geben, entsteht ein betörendes Spiel von Farbakzenten und alles durchdringendem Licht.

Hochkarätige europäische Leihgaben

Dass die mit hochkarätigen europäischen Leihgaben bestückte Schau in acht motivisch geordnete Kapitel unterteilt ist, vergisst man beim Wandeln durch die lichtdurchfluteten Etagen des Richard-Meier-Baus fast.

In dem den Kinderbildnissen gewidmeten Raum stößt der Besucher derweil auf eine Leihgabe aus dem Jüdischen Museum Berlin: Das 1932 von Sabine Lepsius gemalte Doppelporträt zeigt die Schwestern Cornelia und Charlotte Hahn im Wintergarten des Familienhauses in der Siedlung Steinstücken in Berlin-Wannsee. Auf dem Gemälde tragen die Mädchen Trachtenblusen. Die von ihrem Vater aus Rumänien mitgebrachten Blusen haben ebenfalls Eingang in die Sammlung des Jüdischen Museums gefunden.

Sabine Lepsius ist eine von vier in der Ausstellung vertretenen weiblichen Positionen. Das Museum Frieder Burda beleuchtet eine Zeit, in der Frauen sich auch im Kunstbetrieb gegen erhebliche Widerstände behaupten mussten. Auf eine ausgiebige Betrachtung der von solcherlei Widersprüchen durchzogenen Zeitläufte verzichtet die Schau in Baden-Baden. Ganz im Einklang mit den Impressionisten steht das pure Sehen im Mittelpunkt.

Die Schau ist bis 8. Februar 2026 im Museum Frieder Burda im Baden-Baden zu sehen, anschließend im Museum Barberini in Potsdam.

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