Leipziger Buchmesse

Lyrikerin Maria Stepanova mit Buchpreis ausgezeichnet

Maria Stepanova bekam im Gewandhaus Leipzig den Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Foto: picture alliance/dpa

Die russisch-jüdische Schriftstellerin Maria Stepanova ist mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet worden. Die 50-Jährige nahm den mit 20.000 Euro dotierten Preis am Mittwochabend in Leipzig entgegen.

Stepanova lebt seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Exil in Berlin. Die Autorin wurde für ihren Lyrikband »Mädchen ohne Kleider« ausgezeichnet.

Weltpoesie Die Schriftstellerin Ilma Rakusa würdigte Stepanova. Der Begriff Weltpoesie passe zu kaum einer zeitgenössischen Lyrikerin so gut wie zu ihr. Ihre Bücher thematisierten Erinnerung, »die Fragmente der persönlichen und der kollektiven Geschichte sichtet, sammelt und sortiert, um sie in neue, ungewohnte Zusammenhänge zu rücken und dem Vergessen zu entreißen«.

Stepanova bedankte sich. »Meine Stimme kann gehört werden, und dafür bin ich unendlich dankbar - dankbar denen, die alles getan haben, um sie im deutschsprachigen Raum wahrnehmbar zu machen«. Sie tue ihr Bestes, »um mich den Kräften zu widersetzen, die unsere Sprache als Instrument der Gewalt und des Todes missbrauchen«.

Mit einem Festakt für die Auszeichnung wurde die Buchmesse eröffnet. Nach den Worten von Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, verströmt die Messe Buchbegeisterung, ist Garant für Vielfalt der Meinungen und eine Chance für kleine Verlage.

Kultur der Demokratie Kulturstaatsministerin Claudia Roth verwies auf die Bedeutung von Literatur. »Wir lesen, weil wir kein anderes Mittel haben, um zu verstehen und uns die Welt zu erschließen«, sagte die Grünen-Politikerin. Wer die Leipziger Buchmesse besuche, dem liege die ganze Welt zu Füßen. Es gelte, sich mit der Kultur der Demokratie allem Elend, Krieg, Hunger, Gewalt und Zerstörung der Welt entgegenzustellen.

Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen befasste sich in einer launigen Rede mit den Eigenheiten von Sprache und Dialekten. Österreich ist Gastland der Buchmesse.

Nach drei Jahren Corona-Zwangspause öffnen Messe und das dazugehörige Lesefestival »Leipzig liest« für das Publikum von Donnerstag bis Sonntag ihre Pforten. Gut 2000 Aussteller aus 40 Ländern präsentieren nach Messeangaben ihre Neuheiten rund ums Buch. Im Vorkrisenjahr 2019 waren es rund 2500 Aussteller. dpa

TV-Tipp

Doku über Margot Friedländer am Holocaust-Gedenktag - Gegen das Vergessen

Nicht nur für sechs Millionen Juden, sondern für alle unschuldig Ermordeten des Nazi-Regimes wollte Margot Friedländer immer als Überlebende des Holocaust sprechen - zum Beispiel in diesem bewegenden Dokumentarfilm

von Jan Lehr  22.01.2026

Kulturkolumne

Meditieren mit Guru oder mit der Techniker Krankenkasse?

Auf der Suche nach einem glücklichen Leben ohne Stress: Mein langer Weg zur Achtsamkeit

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.01.2026

Kino

Gedenken oder knutschen?

Der Coming-of-Age-Film »Delegation« nimmt Reisen israelischer Jugendlicher in ehemalige deutsche KZs in Polen unter die Lupe

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026

Fernsehen

»Trägst du deine Davidsternkette noch?«

Ex-Sportler, Schlagersternchen, internationale Filmstars, und jüdische Teilnehmer sind im »Dschungelcamp« weder ungewöhnlich noch exotisch. Doch mit Gil Ofarim werden neue Töne angeschlagen

von Martin Krauss  22.01.2026

Fernsehen

»Führer und Verführer« - Eindringliches Drama zu Hitler und Goebbels

Petitionen zur Verlegung von Ausstrahlungsterminen auf bessere Sendeplätze sind selten. In diesem Fall wäre die ARD aber gut beraten, den Film prominenter zu platzieren

von Joachim Huber  22.01.2026