Streit

Kritik oder Kampagne?

»Was meinen wir, wenn wir ›Antisemitismus‹ sagen?«: Brian Klug Foto: Mike Abrahams

Antisemitism in Europe today – the Phenomena, the Conflicts» ist der Titel einer internationalen wissenschaftlichen Tagung, die das Jüdische Museum Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» und dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin am 8. und 9. November in Berlin durchführt.

Auf dem Programm stehen fünf Erscheinungsformen des Antisemitismus im heutigen Europa: der klassische Antisemitismus mit seinem Bild jüdischer Macht in Politik, Finanzen und Medien; der traditionelle, religiös fundierte Antijudaismus; der sekundäre Antisemitismus, der sich an der «Auschwitzkeule» entzündet; der «neue Antisemitismus», dessen Angriffsziel Israel als «kollektiver Jude» ist; und schließlich die Verbindung von Antisemitismus mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, wie sie in multiethnischen Gesellschaften des Kontinents zu beobachten ist.

anwürfe Teilnehmen werden an der Tagung, die aus Anlass des 75. Jahrestags des Novemberpogroms stattfindet, Wissenschaftler aus ganz Europa. Einer von ihnen ist jetzt allerdings Gegenstand einer Kontroverse. Brian Klug, Philosophieprofessor in Oxford, wird am Freitag, den 8. November, den (öffentlichen) Hauptvortrag der Konferenz halten: «Was meinen wir, wenn wir ›Antisemitismus‹ sagen?»

Das hat den Berliner Publizisten Clemens Heni auf den Plan gerufen. Er wirft Klug vor, eine «antiisraelische Splittergruppe» gegründet zu haben. Gemeint ist die britische Organisation «Independent Jewish Voices», die eine dezidiert kritische Haltung zur israelischen Regierungspolitik gegenüber den Palästinensern vertritt. Der Organisation gehören zahlreiche bekannte britische Juden, vor allem aus dem linken politischen Spektrum an. Des Weiteren bezeichnet Heni Klug als «Verharmloser des Antisemitismus». Der Oxfordprofessor zählt in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion zu den Kritikern des Begriffs des «neuen Antisemitismus», dem er eine undifferenzierte Gleichsetzung von Antizionismus und Judenhass attestiert.

«absurd» Auf seiner Website www.bicsa.org zitiert Clemens Heni israelische Wissenschaftler wie Efraim Karsh, Professor für Nahost- und Mittelmeerstudien am Londoner Kings College, der beklagt, dass eine «deutsch-jüdische Einrichtung» wie das Jüdische Museum Berlin mit Brian Klug einer Stimme, die «Israel dämonisiert», am «75. Jahrestag der Reichskristallnacht» ein Podium gebe. Für Gerald Steinberg, Professor für Politikwissenschaft an der Bar-Ilan-Universität ist «Brian Klug ein unmoralischer Antizionist», «der dem jüdischen Volk die souveräne Gleichheit und das Recht auf Selbstbestimmung abspricht».

Die Veranstalter der Berliner Tagung halten des ungeachtet an Brian Klug fest. Für das Jüdische Museum sind Henis Anwürfe «völlig absurd». Und die Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» teilte kurz und knapp mit: «Wir kommentieren das nicht.» mjw

www.jmberlin.de
www.bicsa.org

Musikgeschichte

Die Rückkehr der vergessenen Namen: Verfolgte Musiker der NS-Zeit

Was die Nationalsozialisten aus dem Musikleben verbannten, ist bis heute oft vergessen. Ein Langzeitprojekt arbeitet daran, dass sich das ändert. Projektleiter Geiger sagt: Die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts muss neu geschrieben werden

von Evelyn Sander  20.07.2026

Die DJ Sama’ Abdulhadi bei der Arbeit, 2025 in London

Hamburg

Techno-Festival lässt Hamas-Sympathisantin auflegen

Obwohl sie die Massaker vom 7. Oktober verteidigt hat, durfte DJ Sama’ Abdulhadi beim Habitat-Festival auflegen. Die Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez hatte zuvor ihre Ausladung gefordert

 20.07.2026

Debatte

Danger Dan und Igor Levit: So reagiert »Die Anstalt« in ihrer Sendung auf die Absage des ZDF

In seiner Jubiläumssendung geht das »DieAnstalt«-Team ausführlich auf den Streit ein

 19.07.2026

NRW

Minister sieht bei Danger Dan-Song Nähe zu Extremisten

Der Rapper Danger Dan darf einen neuen Song nicht in der Satiresendung »Die Anstalt« präsentieren. Nun meldet sich der NRW-Medienminister zu Wort, der auch im ZDF-Fernsehrat sitzt

 18.07.2026

Zahl der Woche

70 Prozent

Fun Facts und Wissenswertes

 18.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Aufgegabelt

Zum Dippen: Tarator

Rezepte und Leckeres

 17.07.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 17.07.2026