Kunststätte Bossard

Kritik an übermaltem Hakenkreuz

Atelier der Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau

Kunststätte Bossard

Kritik an übermaltem Hakenkreuz

»Man kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, indem man sie versteckt«, heißt es in einem Offenen Brief zum Werk des Künstlers Johann Michael Bossard

 02.02.2021 16:01 Uhr

Ein übermaltes Hakenkreuz sorgt für eine Kontroverse um die Kunststätte Bossard in Jesteburg bei Hamburg. In einem offenen Brief kritisieren unter anderem Historiker und Lokalpolitiker, nicht nur das Hakenkreuz auf einem Mosaikboden sei unkenntlich gemacht worden. Vielmehr gehe damit auch ein kritischer Blick auf die Haltung des Künstlers Johann Michael Bossard (1874-1950) verloren.

Er sei ein »Vordenker der nationalsozialistischen Idee mit ihren völkischen und rassistischen Elementen« gewesen. »Man kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, indem man sie versteckt«, sagte der Initiator des Briefes, Ingo Engelmann, am Dienstag dem epd.

Die Staatsanwaltschaft sei durch einen Holocaust-Überlebenden auf das Hakenkreuz aufmerksam gemacht worden.

Bossard hatte in den 1930er-Jahren gemeinsam mit seiner Frau Jutta begonnen, die Kunststätte mit einem Wohn- und Atelierhaus, Bildhauerei, Malerei und Gartenkunst zu errichten. Über seine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus wird seit längerem diskutiert. Nach Angaben der Kunststätte hat sich deren Stiftungsrat im November entschlossen, das umstrittene Mosaik im sogenannten Eddasaal farblich so zu verändern, dass kein Hakenkreuz mehr erkannt werden kann. Eine Informationstafel weise auf die Hintergründe hin und die Farbe sei wieder löslich.

Hintergrund war ein Hinweis der Staatsanwaltschaft Stade, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Kai Thomas Breas, bestätigte. Das Zeigen eines Kennzeichens einer verfassungswidrigen Organisation könnte möglicherweise strafbar sein. Die Staatsanwaltschaft sei durch einen Holocaust-Überlebenden auf das Hakenkreuz aufmerksam gemacht worden. Die Kunststätte betont auf ihrer Internetseite, es gehe um den Respekt vor Verfolgten des NS-Regimes und deren Nachfahren.

In ihrem offenen Brief an den Stiftungsrat und die Mitarbeitenden der Kunststätte betonen die Verfasser jedoch, das Mosaik gehöre als historische Quelle zum Kunstwerk. Ein Museum müsse sich mit der Geschichte auseinandersetzen und das Werk des Künstlers entsprechend einordnen. Dies gelte es bei einer Neuausrichtung der Kunststätte zu bedenken. »Daher ist es erforderlich, die Tünche vom Hakenkreuz zu entfernen und es in ein geschichtsbewussteres Konzept zu integrieren.«

Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen unter anderem Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen auch Historikerinnen und Historiker wie die Leiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Elke Gryglewski, und ihr Vorgänger Jens-Christian Wagner, der mittlerweile Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist.

In der Diskussion um die Rolle Bossards ruhen nach Angaben des Landkreises Harburg auch die Pläne zur Erweiterung und Neukonzeption der Kunststätte. Der Bund hatte dafür im November 2019 insgesamt 5,38 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Zunächst stehe aber noch ein wissenschaftliches Gutachten zu Bossard aus, sagte Kreissprecherin Katja Bendig. epd

Köln/Murwillumbah

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