Deichbrand-Festival

Klein: Auftritt von Macklemore »unerträglich«

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein Foto: Chris Hartung

Deichbrand-Festival

Klein: Auftritt von Macklemore »unerträglich«

Der Rapper befördere mit seiner Musik »ganz realen Hass gegen Jüdinnen und Juden«

 10.04.2025 09:27 Uhr

Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein übt scharfe Kritik an dem geplanten Auftritt des US-Rappers Macklemore beim diesjährigen Deichbrand Festival. Der geplante Auftritt sei unerträglich, sagte Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Der 57-Jährige ist der Auffassung, dass es seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 gehäuft zu Antisemitismus im Kulturbetrieb komme. »Macklemores Liedtexte und die Bildsprache in seinen Videos stechen hier aber nochmal besonders negativ hervor, auch, weil sie so offensichtlich und völlig unzweideutig sind.«

Der Zentralrat der Juden wirft Macklemore »Propaganda« vor

Der Rapper aus Seattle, der mit bürgerlichem Namen Benjamin Haggerty heißt, positioniert sich immer wieder politisch. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er den propalästinensischen Song »Hind’s Hall«. Er rappt in dem Lied unter anderem über Proteste an US-Hochschulen gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und für eine Solidarität mit den Palästinensern. 

Dabei erwähnt er jedoch nicht das Massaker vom 7. Oktober 2023, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen in Israel verübt hatten. Zuvor hatte er an einer propalästinensischen Demonstration in der US-Hauptstadt Washington teilgenommen. Der Zentralrat der Juden wirft Macklemore »Propaganda« vor.»Kulturszene und Privatwirtschaft in der Verantwortung«

Felix Klein geht noch weiter und spricht von menschenverachtender Hetze. Diese befördere »ganz realen Hass gegen Jüdinnen und Juden«, weshalb Macklemore in Deutschland keine Bühne geboten werden solle. »Ich sehe hier Kulturszene und Privatwirtschaft in der Verantwortung.«

Der Zentralrat der Juden hatte in dieser Woche wegen des geplanten Macklemore-Auftritts vor dem Besuch des Deichbrand-Festivals in Niedersachsen gewarnt. Das Festival sei für Jüdinnen und Juden kein sicherer Ort mehr, hatte ein Sprecher gesagt.

Lesen Sie auch

Festival: Nehmen die Kritik ernst 

Das Deichbrand-Festival distanzierte sich von den Vorwürfen. »Diskriminierung in jeglicher Form, darunter Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Ableismus oder übergriffiges Verhalten, tolerieren wir nicht«, betonte eine Sprecherin. Man nehme die Kritik ernst und setze sich mit den Bedenken auseinander. 

Zum Festival am Flugplatz Nordholz werden 60.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Rund 120 Künstler und Bands werden dort vom 17. bis 20. Juli auftreten. dpa

Lesen!

Existenzialistische Suchbewegungen

In Benjamin Steins »Tiferet« geht es um die letzten Dinge, um alles und nichts – und vor allem um Abschied und Verlust

von Tobias Prüwer  02.11.2026

Interview

»Gemeinsam nach der Wahrheit suchen«

Carlos Fraenkel, der neue Leiter des Potsdamer Einstein Forums, will unterschiedliche Denktraditionen miteinander ins Gespräch bringen – und die Philosophie stärker in der Gesellschaft verankern

von Ayala Goldmann  02.11.2026

Aufgegabelt

Frühstückskartoffeln

Rezepte und Leckeres

 02.11.2026

Sprachen

Neues Spanisch-Wörterbuch: »Jüdisch« bleibt ein Synonym für »geizig«

Die Real Academia Española weigert sich, einen argentinischen Richterspruch umzusetzen - auch in der Neuausgabe ihres Kompendiums der spanischen Sprache findet sich ein Beispiel für Alltagsantisemitismus

von Michael Thaidigsmann  02.11.2026

Plotkes

Liest Britney Spears jetzt auf Hebräisch?

Die Sängerin veröffentlichte ein Foto eines hebräischen Psalmenbuchs auf ihrem Instagramkanal. Spears interessiert sich seit Jahren für jüdische Mystik

 02.11.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Eine Akademie für Deutschland

Heute ist in Frankfurt die Jüdische Akademie feierlich eröffnet worden. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  02.11.2026 Aktualisiert