Fall Gurlitt

»Keine Verjährung für Kunstraub«

»Die Angelegenheit muss an höchster politischer Stelle behandelt werden und nicht durch einen einzelnen Staatsanwalt in Augsburg«, fordert der Präsident des Weltkongresses, Ronald S. Lauder. Foto: dpa

Die mögliche Verjährung von NS-verfolgungsbedingtem Kunstraub, wie sie auch im Fall Gurlitt vorliegen könnte, ist nach Ansicht des Jüdischen Weltkongresses moralisch nicht tragbar. »Die Verjährung war nie für massive Raubzüge im Rahmen eines Genozids gedacht«, erklärte der Präsident des Weltkongresses, Ronald S. Lauder, in einer heute veröffentlichten Presserklärung: »Verjährungsfristen schreiben Unrecht fort.«

Deutschland habe sich, so Lauder weiter, nach dem Krieg nicht der Raubkunstfrage gestellt. Deshalb müsse die Bundesregierung eingreifen. »Die Angelegenheit muss an höchster politischer Stelle behandelt werden und nicht durch einen einzelnen Staatsanwalt in Augsburg.«

offenlegung Der Jüdische Weltkongress fordert deshalb von der Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass »jeder in Deutschland, der Kunstwerke mit zweifelhafter Provenienz aus der NS-Zeit besitzt«, rechtlich verpflichtet wird, diesen Besitz öffentlich zu machen. Eventuelle Ansprüche von Holocaustopfern und deren Erben dürften nicht an Verjährungsfristen scheitern.

Weiterhin forderte Lauder die Regierung auf, nach österreichischem Vorbild eine Kommission einzusetzen, die sämtliche öffentlichen Kunstsammlungen systematisch auf mögliche NS-Raubkunst untersucht. Die Ergebnisse einer derartigen Untersuchung müssten Holocaustopfern, ihren Erben sowie Kunsthistorikern und Forschern zur Verfügung gestellt werden.

Diese »schmerzhafte Offenlegung«, so der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, sei notwendig, damit die Bundesregierung und die Holocaustopfer gemeinsam »dieses dunkle Kapitel der Geschichte abschließen können«.

zentralrat Auch der Zentralrat der Juden kritisierte die geplante Rückgabe. Präsident Dieter Graumann sagte der Süddeutschen Zeitung: Bei Fällen möglicher Raubkunst seien Sensibilität und Verantwortung gefragt, denn es gehe nicht nur um den Rechtsanspruch auf Restitution. Die Sache besitze auch eine moralische und historische Dimension, so Graumann. Es liege nun in der Verantwortung der Politik, den Opfern von damals zur Würde von heute zu verhelfen. »Nachdem die ganze Sache über 18 Monate hinweg fast konspirativ behandelt wurde, ist nun der Schnellschuss einer pauschalen Rückgabe sicher auch der falsche Weg.« ja

Interview

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Kino

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

 21.02.2026

Berlinale

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

Berlinale

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026

Hollywood

Mikey Madison und Adrien Brody als Oscar-»Presenter« benannt

Bald werden die Academy Awards verliehen. Nun benennt die Filmakademie die ersten Stars, die bei der Gala als »Presenter« auf der Bühne stehen. Den Auftakt machen vier Oscar-Preisträger

 20.02.2026

Berlinale Shorts

In der Kürze ...

»Les Juifs Riches« und »Plan Contraplan« erzählen aus jüdischen Leben

von Katrin Richter  20.02.2026

Berlin

Offener Brief zu Gaza: Berlinale-Chefin weist Zensurvorwürfe zurück

»Es stimmt nicht, dass wir Filmemacher zum Schweigen gebracht hätten«: Festivalchefin Tricia Tuttle reagiert auf harsche Kritik aus einem offenen Brief aus dem Branchenblatt »Variety«

 20.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  20.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 19.02.2026