Berlinale

»Keine Postkarte von Netanjahu«

»Ich bezahle jedes Ticket«: Berlinale-Chef Dieter Kosslick Foto: dpa

Der scheidende Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat am Dienstag das Programm der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin vorgestellt. Insgesamt werden vom 7. bis 17. Februar 400 Filme gezeigt, 23 laufen im Wettbewerb, 17 davon konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 16. Februar vergeben werden. Aus Deutschland sind drei Filme im Rennen: Fatih Akins Der Goldene Handschuh über die Hamburger Kiezkneipe, Angela Schanelecs Ich war zuhause, aber über das Verschwinden eines 13-jährigen Schülers und Nora Fingscheidts Debüt Systemsprenger über ein neunjähriges Mädchen, mit dem alle pädagogischen Systeme überfordert sind.

In diesem Jahr laufen mit Synonymes von Nadav Lapid und The Operative (außer Konkurrenz) von Yuval Adler auch zwei Beiträge im Wettbewerb, die von Israel mitproduziert sind. Zwei weitere israelische Spielfilme sind in der Sektion Panorama zu sehen – mehr als im Vorjahr. Zudem zeigt die Sektion Generation eine Auswahl aus »30 Years Jerusalem Sam Spiegel Film School«.

BDS Als Motto der Berlinale in diesem Jahr nannte Kosslick bei der Programmpressekonferenz den 68er-Spruch »Das Private ist politisch«. Auf Nachfrage der Jüdischen Allgemeinen äußerte sich der Berlinale-Leiter auch zur Diskussion um einen Brief aus dem Büro des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu. In dem Schreiben, das Netanjahu laut Medienberichten bei den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen im Oktober 2018 an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben haben soll, wurde die deutsche Regierung aufgefordert, die Förderung für die Berlinale und das Jüdische Museum Berlin davon abhängig zu machen, dass keine BDS-Aktivisten eingeladen oder unterstützt würden.

Er habe von Netanjahu »noch keine Postkarte bekommen«, sagte Kosslick – und auch offiziell kein Schreiben.  Er könne sich vorstellen, dass Netanjahu »die Filme nicht mag, die wir spielen. Aber das interessiert uns eigentlich nicht so sehr. Er macht ja auch Sachen, die wir nicht mögen«, betonte der Festivalleiter unter Beifall der akkreditierten Journalisten. Auf die Frage der Einstellung der Berlinale zur BDS-Bewegung antwortete Kosslick nicht.

»Er macht ja auch Sachen, die wir nicht mögen«, sagte Dieter Kosslick über Benjamin Netanjahu.

Der Berlinale-Chef unterstrich anschließend, er habe am vergangenen Sonntag (dem 27. Januar) in Berlin-Wedding den Film Who Will Write Our History über das Geheimarchiv von Emanuel Ringelblum aus dem Warschauer Ghetto vorgestellt. Bei der Veranstaltung des Jewish Film Festival Berlin & Brandenburg (JFBB) war der Dokumentarfilm von Roberta Grossman gezeigt worden – gleichzeitig mit vielen anderen weltweiten Aufführungen des Werks am internationalen Holocaust-Gedenktag.

AfD Nachdem die Rede von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, im Bayerischen Landtag vor wenigen Tagen durch den Auszug von AfD-Abgeordneten gestört worden war, habe er sich entschieden, den Film bei der Berlinale am 10. Februar um 22.30 Uhr im Kino International erneut zu zeigen, kündigte Kosslick an. »Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten der AfD im Bundestag werden kostenlos ins Kino dürfen, von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket«, versprach er. Er hoffe, dass sich möglichst viele dieser Partei »und die anderen, die solche Geschichten erzählen«, den Film anschauen, »und wenn sie dann noch sagen, das ist ein Fliegenschiss, dann sollte vielleicht jemand anders einschreiten als die Filmemacher«. Auch an dieser Stelle erhielt der scheidende Festivalleiter Beifall.

Zum Schluss der Pressekonferenz sagte Dieter Kosslick, für ihn gingen nun 18 Jahre Berlinale zu Ende. In der jüdischen Numerologie bedeute die Zahl 18 »Glück und Geld«, meinte er: »Nach 18 Jahren freue ich mich, dass das ein schönes Ende der Berlinale ist – jedenfalls für mich.«  (mit epd)

Spanien

Festwoche in Pamplona: Wieder Aufrufe zur Zerstörung Israels

Zum Auftakt des San-Fermín-Festes in Pamplona, das für seine Stierrennen bekannt ist, wurde ein riesiges »Destroy Israel«-Banner gezeigt

 07.07.2026

Social Media

Gil Ofarim dankt neuen und alten Fans

Der Musiker liefert eine Erklärung für die Stille, die ihn seit seinem Sieg beim Dschungelcamp umgibt

 07.07.2026

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026

New York

Adam Sandler traut Taylor Swift und Travis Kelce – Debatte über Israel-Haltung entfacht

Israelfeindliche Aktivisten werten die Mitwirkung des jüdischen Schauspielers als Hinweis auf eine mögliche Haltung der Sängerin im Nahostkonflikt

 06.07.2026

Berlin

Antisemitismusvorwürfe: Kulturfestival in Neukölln streicht umstrittene Gaza-Performance

Ein »Audiowalk« sollte Bezüge zwischen dem Krieg im Gazastreifen und dem Holocaust herstellen. Heftige Kritik kam von einem jüdischen Verein und der israelischen Botschaft

 06.07.2026

Bühne

Drama an Bord

Am Münchner Volkstheater ist »Der blinde Passagier« von Maria Lazar zu sehen – eine der besten Produktionen dieser Spielzeit

von Michael Schleicher  05.07.2026

Studie

Warum Sport allein beim Abnehmen nicht hilft

Und was wirklich effektiv ist ...

von Sabine Brandes  05.07.2026

Zahl der Woche

20 Prozent

Fun Facts und Wissenswertes

 05.07.2026

Aufgegabelt

Gechillte Suppe: Okroschka

Rezepte und Leckeres

von Jan Feldmann  05.07.2026