Restitution

Keine Entscheidung in Sachen Welfenschatz

Mittelalterliches Reliquiar des Welfenschatzes aus dem 13. Jahrhundert Foto: dpa

Im Streit um den sogenannten Welfenschatz ist noch nichts entschieden. Die Limbach-Kommission hörte am Mittwoch in Berlin Vertreter einer jüdischen Erbengemeinschaft und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an. Eine Empfehlung werde die Kommission in den nächsten Wochen abgeben, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Anschluss mit.

»Wir hoffen natürlich auf eine baldige Empfehlung der Kommission«, erklärte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Angesichts der Besonderheiten und Komplexität dieses Falles sei es jedoch nachvollziehbar, dass diese sorgfältig abgewogen und begründet werden müsse.

Das Gremium unter Vorsitz der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes, Jutta Limbach, muss klären, ob der Verkauf des Welfenschatzes im Jahr 1935 an den preußischen Staat unter Druck erfolgte. Die Limbach-Kommission befasst sich mit strittigen Rückübereignungsfällen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Besitz Der mittelalterliche Kirchenschatz befindet sich im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wird heute auf einen Wert von knapp 400 Millionen Euro auf dem Kunstmarkt geschätzt. Erben der ehemaligen Besitzer fordern eine Rückgabe des Welfenschatzes. Der Verkauf von Teilen des Schatzes durch ein jüdisches Händlerkonsortium im Jahr 1935 an den preußischen Staat sei nicht freiwillig erfolgt. Der Kaufpreis von 4,25 Millionen Reichsmark sei nicht angemessen und der Erlös nicht frei verfügbar gewesen.

Die Preußen-Stiftung steht dagegen auf dem Standpunkt, dass der Verkauf des Welfenschatzes nicht unter Zwang erfolgte, auch wenn es sich bei den Verkäufern um Juden handelte. So habe sich der Kaufpreis in dem damals üblichen Rahmen bewegt, die Verkäufer erhielten den vereinbarten Kaufpreis zur freien Verfügung, und der Schatz habe sich zum Zeitpunkt des Verkaufs außerhalb Deutschlands befunden und sei damit den Zugriff des deutschen Staates entzogen gewesen.

exponate Das Händler-Konsortium hatte 1929, kurz vor dem weltweiten Börsenkrach, die 82 Einzelexponate für 7,5 Millionen Reichsmark vom Welfenhaus erworben. 40 Stücke konnten schließlich an verschiedene Museen und Privatleute vor allem in den USA veräußert werden. 1935 kaufte der preußische Staat, Träger der Berliner Museen, die verbliebenen 42 Teile des Schatzes für 4,25 Millionen Reichsmark. Zwei weitere Objekte wurden wenig später hinzugekauft.

Der Welfenschatz besteht unter anderem aus Goldschmiedearbeiten aus dem Mittelalter. Es handelte sich einst um den Kirchenschatz der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig und umfasste ursprünglich vermutlich 138 Stücke. Seit dem 17. Jahrhundert gehörte der Schatz dem Welfenhaus. epd

Roman

Jan Faktor erhält Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

Das prämierte Buch »Trottel« des jüdischen Autors steht auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis

 28.09.2022

Meinung

Gut gemeint?

Unser Autor findet, dass die ARD-Dokumentation »Der Documenta Skandal« den Antisemitismus auf der Kasseler Kunstausstellung verharmlost

von Daniel Killy  28.09.2022

Baden-Württemberg

»Achgut« erzielt vor Gericht Teilerfolg gegen Michael Blume

Verwaltungsgericht Stuttgart rügt Tweet des Antisemitismusbeauftragten

 28.09.2022

Sehen!

Integrationskampf im Hochhaus

Der Spielfilm »Wir könnten genauso gut tot sein« katapultiert Regisseurin Natalia Sinelnikova auf das deutsche Filmparkett

von Jens Balkenborg  27.09.2022

Fall Gil Ofarim

Landgericht äußert sich erstmals zur Kritik von Anwälten des Musikers

Die Verteidiger des Musikers hatten schwere Vorwürfe gegen das Gericht erhoben

von Katharina Rögner  25.09.2022

Meinung

Ende gut, nichts gut

Die documenta fifteen ist zu Ende gegangen – eine kleine Nachlese zu »Pressearbeit als Kunstform«

von Ralf Balke  24.09.2022

Gwyneth Paltrow

Alles ist gut

Die Schauspielerin und Unternehmerin ist 50 geworden - Grund zum Feiern hat sie allemal

von Katrin Richter  24.09.2022

Deutschland

Gil Ofarims Anwälte erheben schwere Vorwürfe gegen Leipziger Justiz

Es solle ein öffentlichkeitswirksamer »Schauprozess« durchgeführt werden, so die Anwälte des Musikers

 22.09.2022

Glosse

Der Rest der Welt

Warum Kassel nicht überall ist oder Neue Brieffreundinnen für 5783 gesucht

von Ayala Goldmann  22.09.2022