Kunst

Kasseler Oberbürgermeister lehnt Einmischung des Bundes bei documenta ab

Foto: picture alliance / Fotostand

Trotz der zahlreichen Judenhass-Skandale bei der documenta wird die Weltkunstausstellung aus Sicht des Kasseler Oberbürgermeisters Sven Schoeller auch weiter in der Stadt ausgerichtet.

»Die Documenta ist ein Teil der Identität der Stadt Kassel. Dass man sie uns wegnehmen könnte, ist schlicht nicht vorstellbar«, sagte der Grünen-Politiker im Interview der »Süddeutschen Zeitung« (Freitag). Eine stärkere Einmischung des Bundes in die Ausstellung lehnte er hingegen als nicht notwendig ab.

Die 15. Ausgabe der alle fünf Jahre stattfindenden documenta dauerte vom 18. Juni bis 25. September 2022 und stand wegen ebenso zahlreicher wie massiv antisemitischer Darstellungen in der Kritik. Auch der damalige Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) stand als Aufsichtsratsvorsitzender der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in der Kritik.

Die Gesellschafter der Schau - die Stadt Kassel und das Land Hessen - hatten in der Folge sieben Wissenschaftler beauftragt, die fraglichen Werke auf antisemitische Botschaften zu prüfen, den Umgang der Verantwortlichen damit zu analysieren und Empfehlungen auszusprechen.

Schoeller, der Geselle im Juli ablöste, macht vor allem mangelnde Kommunikation für den Skandal um die Ausstellung verantwortlich. »Ich glaube, dass einfach nicht hinreichend darüber gesprochen wurde, wie verschieden die einzelnen Perspektiven auf die Welt sind – und wo man Gemeinsamkeiten finden kann.«

Gleichzeitig betonte er, dass Künstler und Kuratoren wie bei allen Kunstausstellungen zwar auch auf der documenta künstlerische Freiheit genössen, die Stadt als Ausrichter aber auch zum Schutz vor Diskriminierung verpflichtet sei.

Ende des Jahres soll demnach verkündet werden, wer das Kuratorium der sechzehnten documenta im Jahr 2017 bilden soll. kna/ja

Rezension

Wie wurden wir, was wir wurden?

Der Judaist Peter Schäfer erzählt in seinem neuen Buch die Geschichte des aschkenasischen Judentums – faktengesättigt, klar gegliedert und mit einer provokanten These zu Mutterland und Diaspora

von Michael Wolffsohn  18.10.2026

Aufgegabelt

Salat mit gerösteten grünen Bohnen

Rezept der Woche

von Yotam Ottolenghi  18.10.2026

Ausstellung

Hinweise auf Hamas-Symbol - Museum Friedland verschiebt Schau

Bundespräsident Steinmeier war schon angekündigt, um die erweiterte Ausstellung des Museums Friedland bei Göttingen neu zu eröffnen. Nun verschiebt sich der Termin. Hintergrund ist ein antisemitisches Symbol

 18.10.2026

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026

Boca Raton (Florida)

Billy Joel kann derzeit weder Auto fahren noch auftreten

Der jüdische Sänger, Pianist und Komponist leidet unter einer Gehirnerkrankung

 16.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich keine Flugangst mehr habe

von Katrin Richter  15.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026