Los Angeles

Jüdische Schauspieler und Regisseure holen Oscars

Robert Downey Jr. wurde für seine Rolle in »Oppenheimer« ausgezeichnet Foto: picture alliance / Jordan Strauss/Invision/AP

Die Oscar-Verleihung am Sonntagabend in Los Angeles war so jüdisch, aber auch so politisch wie schon lange nicht mehr. »Oppenheimer«, Christopher Nolans Film über Robert J. Oppenheimer, den jüdischen »Vater der Atombombe« räumte gleich sieben Oscars ab. Neben den Preisen für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller (Cillian Murphy) wurde auch Robert Downey Jr. (spielt Lewis Strauss) als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Bradley Coopers Biopic »Maestro« über den Star-Dirigenten Leonard Bernstein holte acht Nominierungen, ging aber leer aus.

Hetze gegen Israel

Für das größte Aufsehen sorgte aber »The Zone of Interest« des jüdischen Regisseurs Jonathan Glazer. Als Glazer auf der Bühne stand, um den Preis für den besten internationalen Film entgegenzunehmen, behauptete er, Israel würde den Holocaust »kapern«, um damit die Besetzung palästinensischer Gebiete zu rechtfertigen.

»Alle unsere (filmischen) Entscheidungen haben wir getroffen, um uns in der Gegenwart zum Nachdenken anzuregen«, sagte der 58-jährige Brite. »Nicht um zu sagen: ‚Schaut, was sie damals getan haben‘, sondern: ‚Schaut, was wir heute tun.‘ Unser Film zeigt, wohin die Entmenschlichung in ihrer schlimmsten Form führt, sie hat unsere gesamte Vergangenheit und Gegenwart geprägt.«

Nun stünden Glazer und seine ebenfalls jüdischen Produzenten James Wilson und Leonard Blavatnik auf der Bühne und wehrten sich dagegen, dass »ihr Jüdischsein und der Holocaust« ausgenutzt würden für eine Besatzung, die für so viele unschuldige Menschen zu Konflikt geführt habe. »Ob es die Opfer des 7. Oktober in Israel oder der andauernden Attacke auf Gaza sind, alle sind Opfer dieser Entmenschlichung.«

Die israelische Besatzung des Gazastreifens endete allerdings schon 2005. Wenig später übernahmen dort die Terroristen der Hamas die Macht. Die Massaker vom 7. Oktober waren auch keine Folge der Besetzung im Westjordanland, sondern die Konsequenz aus dem eliminatorischen Judenhass der Hamas.

Künstler trugen »Waffenstillstand«-Anstecker

Auch abseits der Bühne nutzten Schauspieler und Künstler die Oscars, um ihre Meinung zum Krieg gegen die Hamas deutlich zu machen. So trugen etwa Mark Ruffalo, die Sängerin Billie Eilish und Mahershala Ali einen Anstecker der Gruppe »Artists4Ceasefire«. Diese fordern in einem offenen Brief an US-Präsident Joe Biden einen Waffenstillstand im Gazastreifen und die Freilassung aller Geiseln. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Jon Stewart, Ewan McGregor, Jennifer Lopez und Ben Affleck.

Moderator Jimmy Kimmel reißt Witz über Auschwitz

Bei der Veranstaltung im Dolby Theatre musste der Holocaust auch noch für einen geschmacklosen Witz herhalten. Moderator Jimmy Kimmel sagte in seiner Eröffnungsrede: »Zum ersten Mal überhaupt sind drei fremdsprachige Filme für den ‚Besten Film‘ nominiert, und in zwei davon spielt Sandra Hüller mit. Sandra spielt in ‚Anatomie eines Falls‘ eine Frau, die wegen Mordes an ihrem Ehemann vor Gericht steht, und eine Nazihausfrau, die in der Nähe von Auschwitz lebt in ‚The Zone of Interest‘. Während dies für amerikanische Kinobesucher sehr schwere Themen sind, nennt man sie in Sandras Heimat Deutschland romantische Komödien.« Während Kimmels Witz ein paar Lacher bekam, lächelte Hüller dazu gequält. ja/dpa

Israel zieht ins Finale des ESC ein

 12.05.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026