Wuligers Woche

Immer Ärger mit den Siedlern

Legal? Illegal? Ausbau? Neubau? Foto: Flash 90

Redaktionskonferenz einer deutschen Regionalzeitung. Ende vergangener Woche.

Chefredakteur: »Was haben wir aus dem Ausland?«
Politikredakteur: »Israel errichtet eine neue Siedlung in der Westbank.«

Chefredakteur: »Was soll daran neu sein? Das machen die doch dauernd. Vorige Woche hatten wir das erst im Blatt: ›Israel: Siedlungsbau geht weiter‹.«
Politikredakteur: »Nein, das war etwas anderes. Da wurde eine bestehende Siedlung ausgebaut. Das jetzt ist ein Siedlungsneubau. Der erste seit über 25 Jahren.«

Chefredakteur: »Komisch, ich dachte die ganze Zeit, die stellen ständig neue Siedlungen in die Gegend.«
Politikredakteur: »Ja, schon. Aber das sind illegale Siedlungen.«

Chefredakteur: »Sind nicht alle Siedlungen illegal? Das haben Sie doch neulich in Ihrem Kommentar geschrieben.«
Politikredakteur: »Ja, nach dem Völkerrecht. Für die Israelis sind nur die Siedlungen illegal, die vorher nicht von der Regierung genehmigt wurden.«

Chefredakteur: »Und die werden dann abgerissen?«
Politikredakteur: »Nein, sie werden meistens geduldet.«

Chefredakteur: »Wozu braucht man dann jetzt noch eine legale Siedlung?«
Politikredakteur: »Dort sollen Bewohner einer illegalen Siedlung untergebracht werden, die von der Polizei geräumt wurde.«

Chefredakteur: »Sie haben doch gerade gesagt, dass die Regierung die illegalen Siedlungen toleriert.«
Politikredakteur: »Diese nicht. Da gab es einen Prozess.«

Chefredakteur: »Wegen Völkerrechtsverletzung?«
Politikredakteur: »Nein, nach israelischem Gesetz, vor dem Obersten Gerichtshof in Jerusalem. In jedem Fall ist auch die neue, legale Siedlung nach internationalem Recht illegal. Die UNO hat schon protestiert. Und die Bundesregierung sagt, dass es den Friedensprozess behindert.«

Chefredakteur: »Na gut, dann machen wir als Überschrift: ›Anschlag auf den Frieden‹. Unterzeile: ›Netanjahu baut neue Siedlungen‹.«
Politikredakteur: »Äh, eigentlich ist es nur eine Siedlung. Und Netanjahu hat gleichzeitig angekündigt, den Ausbau der bestehenden Siedlungen einzuschränken.«

Chefredakteur: »Wieso baut er dann die neue Siedlung?«
Politikredakteur: »Weil die schon geplant war, bevor er das versprochen hat.«

Chefredakteur: »Ausbau. Neubau. Legal. Illegal. Ausweitung. Einschränkung. Ich blick’ nicht mehr durch. Gibt’s kein anderes Auslandsthema, das nicht so kompliziert ist?«
Politikredakteur: »Doch. Trump will Tochter Ivanka im Weißen Haus beschäftigen.«

Chefredakteur: »Das ist ein Thema! Überschrift: ›Wenn der Vater mit der Tochter‹. (grinst) Das machen wir!«
Politikredakteur: »Und die israelische Siedlung?«
Chefredakteur: »Bringen Sie’s als kurze Meldung. Das versteht sowieso kein Mensch.«

Die Träger des Georg-Stefan-Troller-Preises 2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026