Redezeit

»Ich trage beide Welten in mir«

Maureen Nehedar Foto: Orit Pnini

Frau Nehedar, Ihr Album heißt »Asleep in the Bosom of Childhood«. Sie sind in Isfahan geboren. Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit?
Ich bin mit zweieinhalb Jahren nach Israel gekommen, also habe ich nicht mehr so viele Erinnerungen an den Iran. Meine Großeltern mütterlicherseits waren sehr musikalisch. Ich habe sie bei Familientreffen oft singen hören. Sie rezitierten Texte von berühmten persischen Dichtern wie Hafiz, Sahadi. Da bin ich hineingewachsen.

Sie singen persisch-jüdische Lieder. War das schon immer so?
Zuerst wurde ich auf dem Konservatorium ausgebildet, habe studiert und war Barock-Sängerin. Ich habe westlich-klassische Musik gesungen. Das zeigt sich in den Melodien und den Kompositionen. Ich möchte persische Traditionen und westliche Klänge miteinander vereinen, denn ich trage beide Welten in mir.

Gerade waren Sie zu Gast beim Klezmer Festival in Fürth. Persische Musik ist doch aber kein Klezmer?
Es gibt eine Verbindung zwischen Klezmer und persischer Musik, auch wenn man sie vielleicht nicht gleich bemerkt. Eigentlich hatte alles seinen Ursprung in der klassisch-persischen Musik. Aber es waren Juden, die sie weiterhin interpretierten, denn im Islam gibt es Vorschriften für das Spielen von Musik. Über die Jahre verbreitete sie sich dann bis nach Indien, Europa, in die Türkei. Und das, was heute als Musik vom Balkan bezeichnet wird, trägt diese Einflüsse in sich.

Wovon lassen Sie sich bei Ihren eigenen Kompositionen inspirieren?
Zuerst einmal habe ich das Glück, wirklich sehr gut ausgebildet zu sein. Ich beziehe meine Inspiration von fast überall her: Natur, sogar Magazine über Design. Ich möchte der Welt eine neue musikalische Sprache zeigen. Ich wollte eben gerade nicht die ganz klassische Musik machen, die es schon seit Tausenden von Jahren gibt, sondern ihr ein neues Gewand geben. Aber der Kern der Musik bleibt unberührt.

Haben Ihre Großeltern oder Eltern Ihnen erzählt, wie es für sie anfangs in Israel war?
Ich habe es als Kind ja selbst erlebt. Es war hart. Sie mussten sich an das Land gewöhnen, die Sprache lernen – Dinge, die jeder Migrant tun muss. Aber unsere Generation hat mittlerweile eine andere Perspektive auf die Dinge. Immer mehr wollen darüber erfahren, was ihre Eltern oder Großeltern erlebt haben. Die Menschen wollen zu ihren Wurzeln zurück. Sie wollen sich mit ihnen auseinandersetzen. Das ist wichtig für die Identität.

Wie verfolgen Sie die politische Situation zwischen Israel und dem Iran?
Ich kann dazu nicht so viel sagen, außer dass es sehr schön wäre, eines Tages mal im Iran aufzutreten. Aber das wird sich zeigen.

Diese Woche ist Purim, das jüdisch-persische Fest schlechthin. Feiern Sie auf eine besondere Art?
Nein, wir verkleiden uns auch wie jeder andere. Aber das Fest zeigt, dass es persische Juden schon ziemlich lange gibt. Und das zu wissen, ist toll. Von außen betrachtet heißt es, dass Juden gerettet werden konnten. Aber der Subtext dieses Festes ist, dass jeder in sich gehen und sich erlauben sollte, so richtig fröhlich zu sein. Jeder soll das Leben feiern.

Und wissen Sie schon, wie Sie sich verkleiden werden?
Nein. Das ist mit die schwerste Frage.

Mit der Musikerin sprach Katrin Richter.

Wer mehr über Maureen Nehedar erfahren möchte oder sich ihre Musik anhören will, dem sei ihre Webseite empfohlen.

www.maureennehedar.com
www.facebook.com/maureen.nehedar

Sehen!

»In the Hand of Dante«

Die Handlung springt zwischen den Jahrhunderten hin und her. Trotzdem ist der Film mit Gal Gadot und Oscar Isaac ein gelungenes Werk

von Katrin Richter  12.07.2026 Aktualisiert

Kooperation

Eins plus eins ist mehr als zwei

Die deutsch-israelische Forschungsstiftung GIF feierte ihr 40-jähriges Jubiläum auf Schloss Elmau

von Gabriele Hermani  12.07.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Eine Tracking-App, eine Banane und wie der Sommer richtig gut wird

von Margalit Edelstein  12.07.2026

Aufgegabelt

Malabi-Eis

Rezepte und Leckeres

 12.07.2026

Musik

Der Mann, der die 13 fürchtete

Zum 75. Todestag des Komponisten Arnold Schönberg

von Axel Brüggemann  10.07.2026

Entscheidung

Halberstädter Museum für jüdische Kultur wird weiter gefördert

Im Jahr 2001 wurde das Berend Lehmann Museum für jüdische Geschichte und Kultur in Halberstadt gegründet. Zum Museum gehören die frühere Mikwe sowie die Synagoge im ehemaligen rabbinischen Lehrhaus, der Klaus. Sie bekommen weiterhin eine Förderung.

 09.07.2026

Brüssel

Autorinnen canceln Auftritt wegen geplantem Konzert von Lahav Shani

Die Kontroverse um den Auftritt der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres israelischen Chefdirigenten hält an: Zwei Französinnen verkündeten nun, dass sie nicht wie geplant im Brüsseler Bozar auftreten wollen

 09.07.2026

Los Angeles

Chalamet und Villeneuve stellen »Dune: Teil 3«-Trailer vor

Der dritte Teil der Science-Fiction-Reihe kommt kurz nach Chanukka in die Kinos. Mit dem Regisseur stimmt der jüdische Hauptdarsteller jetzt mit einem düsteren Trailer auf das Werk ein

 09.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  09.07.2026