Eurovision Song Contest

»Ich bin keine Politikerin«

»Musik bringt Herzen zusammen« Netta Barzilai Foto: Flash 90

Netta, es gibt derzeit viele Diskussionen um den Veranstaltungsort des Eurovision Song Contest (ESC) 2019. Wo würden Sie denn am liebsten singen: in Tel Aviv oder Jerusalem?
Israel ist ein so kleines Land mit einer großen Vielfalt, aber eben sehr klein. Tel Aviv und Jerusalem trennen 30 Minuten, Haifa und Tel Aviv 40 Minuten, und von Jerusalem nach Eilat fährt man vier Stunden mit dem Auto. Es ist egal, wo der ESC stattfinden wird. Israel ist Israel. Ein kleines, aber zauberhaftes Land.

Wie gehen Sie als Künstlerin damit um, dass Ihnen so viele politische Fragen zum ESC 2019 gestellt werden?
Es ist für mich schwierig, denn ich sehe die Verbindung zwischen Politik und Musik nicht. Musik bringt Herzen zusammen. Viel mehr, als dass sie sie voneinander trennt. Und das ist mein Job als Musikerin, Herzen zueinanderzubringen. Ich bin keine Politikerin, ich habe davon keine Ahnung. Im vergangenen Jahr war ich noch eine Künstlerin, die versucht hat, von ihrer Kunst zu leben, und nun soll ich auf einmal schwierige Fragen zur Politik beantworten.

Ihr Song »Toy« ist zu einer Hymne für junge Leute geworden, die gemobbt werden. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Ich wurde als Kind und Teenager so oft schikaniert, nur weil ich anders war. Ich habe einige Zeit in Nigeria gelebt, dort kam jeder von woanders her, und keinen hat das eventuelle Anderssein gestört. Als ich nach Israel kam, sahen in meiner Klasse alle gleich aus. Ich habe geglaubt, was sie mir erzählten. Dass ich nicht klug genug bin, nicht beliebt und schön. Mir wurde gesagt, was ich anziehen soll, wie ich singen soll.

Wie haben Sie reagiert?
Ich habe sehr hart gearbeitet, um meine Stimme zu finden, um mich selbst anzunehmen und zu lieben. Jeder hat Probleme mit dem Selbstbewusstsein – selbst Models. Es ist eine Krankheit unserer Gesellschaft. Wir leben in einer Realität der Bilder. Schönheit ist eine große Industrie, die ein bestimmtes Frauenbild idealisiert und die Menschen einfach unglücklich macht.

Was ist Ihre Botschaft an junge Menschen?
Ihr habt schöne Seelen, wie auch immer ihr ausseht oder euch anhört: Ihr solltet gehört werden. Es ist eine Reise. Schaut in den Spiegel und sagt euch, dass der Tag wunderbar wird. Ihr verdient es, geliebt zu werden.

Sie haben vor wenigen Tagen Prinz William in Tel Aviv getroffen. Worüber haben Sie sich unterhalten?
Im Grunde auch über Akzeptanz. Wie man ein gutes Beispiel für andere ist und damit viel verändern kann. Wenn man ein glücklicherer Mensch ist, ändert sich vieles. Menschen werden freundlicher zueinander. Wenn man glücklich ist, ist das wie ein Geschenk an die eigene Umgebung.

Mit der israelischen Sängerin und ESC-Siegerin sprach Katrin Richter.

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  24.09.2026

TV-Tipp

Jonah Hill in tollem Sportdrama: »Die Kunst zu gewinnen - Moneyball«

Film über ein Baseball-Team aus anderswo aussortierten Spielern

von Jan Lehr  24.09.2026

Engagement

Erstklassig, Digga!

Der Fußballverein Hannover 96 ist nun beim Projekt »Shalom, Digga« in Niedersachsen mit dabei

 24.09.2026

Buchpremiere

Hinter jedem Namen steht ein Schicksal: Ein Klassenfoto aus dem Jahr 1937 als Zeugnis jüdischen Lebens

Was wurde aus den Kindern auf einem Münchner Klassenfoto von 1937? Zwei Historikerinnen haben die Lebenswege der Schülerinnen und Schüler rekonstruiert. Ihr Buch erzählt von Verfolgung, Flucht, Überleben und Erinnerung

von Christiane Laudage  24.09.2026

Lesen!

»Leonard Cohen. 100 Seiten«

Dem Literaturwissenschaftler Oliver Kobold gelingt ein besonderes Porträt des Sängers

von Leon Stork  24.09.2026

»Imanuels Interpreten« (25)

Pancho Vladigerov: Meister der Klänge

Er studierte in Berlin, kooperierte mit Max Reinhardt und komponierte umwerfende Symphonien. Dennoch ist er fast nur in seinem Heimatland bekannt

von Imanuel Marcus  24.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  23.09.2026

Berlin-Wahl

»Die Linke ist keine antisemitische Partei, aber sie hat ein Problem mit Antisemitismus«

Der Comedian äußerte sich im Interview mit dem Tagesspiegel zur Berliner Wahl und zu einer progressiven linken Haltung zu Israel

 23.09.2026

Theater

Abgrund statt Parabel

In seiner Inszenierung von »Mephisto« spürt Frank Castorf den verborgenen Anziehungskräften des Faschismus nach und verzichtet dabei auf einfache Aktualisierungen

von Leon Stork  23.09.2026