Filmpremiere

Hommage an Tatjana Barbakoff

»Durch Gärten Tanzen« erinnert an lettisch-jüdische Tanzkünstlerin

 12.10.2014 13:07 Uhr

Die in Auschwitz ermordete Tänzerin Tatjana Barbakoff. Foto: The Israel Museum, Jerusalem

»Durch Gärten Tanzen« erinnert an lettisch-jüdische Tanzkünstlerin

 12.10.2014 13:07 Uhr

Durch Gärten Tanzen»: Zur Erinnerung an die in Auschwitz ermordete Tänzerin Tatjana Barbakoff hat am Sonntag, den 12. Oktober, ein Dokumentarfilm von Oxana Chi und Layla Zami in Berlin Premiere.

Barbakoff, geboren 1899 als Tsipora Edelberg in Lettland, lebte ab 1918 mit ihrem Mann, den sie als Soldaten des deutschen Reichs im Baltikum kennenlernte, in Deutschland. Sie war eine jüdische Künstlerin, die das Publikum in ganz Europa begeisterte.

«Mit über 60 Solo-Stücken inspirierte sie die Werke von namhaften Kunstschaffenden wie YVA, Otto Dix, Niny & Carry Hess, Otto Pankok, Kasia von Szadurska, Minya Dührkoop, Gert Wolheim, Helen Dahm, Gregor Rabinovitch und viele mehr», teilte Filmemacherin Zami mit. Neben russischen Tänzen und Parodien spezialisierte sich Barbakoff auch auf chinesische Tänze. In der Berliner Knesebeckstraße erinnert heute ein Stolperstein an die Künstlerin.

EXIL Ab 1933 lebte Tatjana Barbakoff im Pariser Exil. 1944 wurde sie in Nizza verhaftet und mit ihren Begleiterinnen, der Kostümbildnerin Gertrude Jungmann und deren Schwester Emma, nach Auschwitz deportiert, wo sie drei Tage nach ihrer Ankunft am 6. Februar 1944 ermordet wurden.

Seitdem ist Barbakoffs Wirken in Vergessenheit geraten, «bis auf einige Ausstellungen, die die zeitgenössische Tänzerin Oxana Chi inspirierten, Tatjanas Leben auf der Bühne zu bringen», so Filmemacherin Zami.

Tanzstück So sei 2008 das Stück Durch Gärten entstanden, benannt nach einer von Tatjanas Lieblingstänzen. «Mit viel Kreativität, Respekt und einem Schimmer Hoffnung wird die Erinnerung an Tatjana Barbakoff tänzerisch und musikalisch dargestellt. Zu ihrem 70. Todesjahr wird Durch Gärten bei der 18. Jüdischen Musik- und Theaterwoche im November nach Dresden eingeladen», so Layla Zami weiter.

Das Kulturleben von «Charlottengrad» – wie der Berliner Bezirk in den 1920er-Jahren genannt wurde – hatte viel von seiner Vitalität russischsprachigen jüdischen Künstlern und Künstlerinnen zu verdanken. Nun «kommt eine wichtige Figur dieser Epoche nach Charlottenburg zurück – auf die Leinwand», so Layla Zami.

Die Filmpremiere am Sonntag, den 12. Oktober findet um 17 Uhr im ehemaligen Kinoraum der Filmbühne am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg in Anwesenheit der Filmemacherinnen statt. ja

www.laylazami.net/resources/Festival+Salon+Qi+2014.pdf

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich nicht traurig darüber bin, dass Wikipedia mich gelöscht hat

von Ayala Goldmann  16.05.2022

Patricia Schlesinger

»Bürgerin mit jüdischen Wurzeln«

Die ARD-Vorsitzende hielt im Kulturforum Görlitzer Synagoge eine Rede – nicht zuletzt ging es dabei um ihre eigene Familiengeschichte während der NS-Zeit

von Patricia Schlesinger  15.05.2022

Alain Finkielkraut

Analyse des Irrsinns

Das Buch »Ich schweige nicht« ist intellektuelle Autobiografie und Streitschrift zum linken Antisemitismus zugleich

von Marko Martin  15.05.2022

Eurovision

Michael Ben David ist raus

Der israelische Sänger scheiterte im Halbfinale des Musikwettbewerbs

von Joshua Schultheis  13.05.2022

Documenta

»Kunstfreiheit ist kein Freibrief für Antisemitismus«

Zentralratspräsident Schuster über die »documenta«-Debatte, ein Gespräch mit Kulturstaatsministerin Roth und über Antisemitismus in der Kulturszene

von David Kauschke  13.05.2022

ELES

Festakt unter Eindruck

Das Studienwerk begrüßte im Glashof des Jüdischen Museums die Aufnahme der 1000. Stipendiatin

 13.05.2022

Musiktheater

Ausgrabung eines rätselhaften Werks

Marc Albrecht und Christof Loy lassen Franz Schrekers »Der Schatzgräber« an der Deutschen Oper in Berlin leuchten

von Joachim Lange  12.05.2022

»Russian Doll«

Matrjoschka auf Zeitreise

Die Netflix-Serie geht in die zweite Runde und ist in jüdischer Bestform

von Sophie Albers Ben Chamo  12.05.2022

Komposition

Jazz, Pop, Klassik und Synagogales

Erstmals fand ein Wettbewerb für aktuelle jüdische Musik statt – in vier Kategorien wurden Preise verliehen

von Ayala Goldmann  12.05.2022