Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Kritik an Auftritt von Bassem Youssef in Berlin

In der Kritik: Bassem Youssef Foto: picture alliance / Vianney Le Caer/Invision/AP

Der ägyptisch-amerikanische Comedian Bassem Youssef soll am Abend in Berlin auftreten. Da er die Hamas-Massaker vom 7. Oktober relativiert und immer wieder auch Verschwörungsmythen über Israel und den Krieg gegen den Terror in Gaza verbreitet, ist die Veranstaltung im Tempodrom umstritten.

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, ein Hassprediger wie Youssef »sollte in Deutschland keine Bühne bekommen«. Prosor weiter: »Bassem Youssef ist ein Hofnarr der Hamas.«

»Er leugnet die Gräueltaten vom 7. Oktober, feiert Gewalt gegen Israelis und verbreitet antisemitische Verschwörungstheorien«, so der Botschafter. »Sein hemmungsloser Israel- und Judenhass ist nicht witzig, sondern brandgefährlich. Denn er liefert neuen Treibstoff für den gewalttätigen Antisemitismus auf der Straße.«

Antisemitische Hasstiraden

Youssef relativiert die Verbrechen der Hamas vom 7. Oktober 2023 sowie die sexualisierte Gewalt gegen israelische Frauen und verbreitet antisemitische Verschwörungsmythen, darunter die der jüdischen Weltverschwörung. In der Show des britischen Journalisten Piers Morgan sagte er: »McDonald’s gibt Israelis gratis Happy Meals. Denn nichts macht dich nach der Tötung von ein paar palästinensischen Kindern glücklicher, als ein Happy Meal«.

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Auch erklärt er, Juden würden die Medien kontrollieren. All dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Organisationen wie StopAntisemitism aus den USA haben die antisemitischen Hasstiraden von Bassem Youssef dokumentiert. Seine Popularität und Auftritte – darunter den in Berlin – hat dies jedoch nicht verhindern können.

Remko Leemhuis, der Direktor des AJC Berlin sprach gegenüber dieser Zeitung von »einer Verschwörungsideologie von einer solchen Ungeheuerlichkeit, dass sie zum Lachen wäre, würde er mit seinen Auftritten nicht eine erhebliche Anzahl von Menschen erreichen. Regelmäßig weist er Vorwürfe, er äußere sich antisemitisch, mit dem ›Argument‹ zurück, er sei ja selber Semit. Auch bei dieser Aussage erhält man Einblick in eine bizarre Gedankenwelt — und das an einem Ort, von dem er nur zehn Minuten bräuchte, um zur ehemaligen Zentrale des Reichssicherheitshauptamts zu gelangen, wo vor nicht einmal hundert Jahren solche Theorien sehr praktische Folgen hatten.«

Aufenthaltsrechtliche Fragen

»Im Leitbild der Veranstalter, der d2mberlin GmbH, heißt es: ›Jede Person soll sich bei unseren Veranstaltungen willkommen und respektiert fühlen.‹ Wie sollen sich Juden, Israelis, Frauen hier respektiert vorkommen?«, so Leemhuis. »Es ist uns völlig unverständlich, wie sich ein Veranstaltungsort wie das Tempodrom und ein Unternehmen wie Eventim dafür hergeben, diesem Mann einen Auftritt im Herzen Berlins zu ermöglichen.«

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Sigmount Königsberg, der Beauftragte gegen Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, erklärte, er würde es gerne sehen, wenn das Publikum Auftritte wie den von Youssef verhindern würde: »Wenn niemand zu so einer Veranstaltung hinginge, würden diese Leute auch nicht hier auftreten.«

Der Antisemitismusbeauftragte Berlins, Samuel Salzborn, erklärte, bei Veranstaltungen in nicht-staatlichen Locations seien die landesseitigen Handlungsmöglichkeiten gering. Die Prüfung eventueller aufenthaltsrechtlicher Fragen fielen in Bundeskompetenz.

»Gemeinsamer Feind«

Salzborn befürwortet eine offene Diskussion über Judenhass auf der Bühne: »Wenn in der Kunst- und Kulturszene antisemitische und israelfeindliche Positionen quasi von Woche zu Woche immer mehr Zuspruch erfahren, dann wird neben dem Einzelfall eine Debatte aber immer drängender, nämlich darüber, dass sich diejenigen, die Antisemitismus notorisch relativieren oder verharmlosen, oft mit fadenscheinigen, aber rhetorisch pompösen Argumenten hinter ihrem Verständnis von Kunstfreiheit verstecken – was dazu beiträgt, antisemitische Kunst immer weiter zu normalisieren.«

Weder die Veranstalter des Berliner Auftritts von Bassem Youssef, noch der frühere Arzt und heutige Comedian selbst haben auf Anfragen der Jüdischen Allgemeinen geantwortet. Er gab jedoch der »taz« ein Interview, in dem er auch über die Kritik gegen ihn sprach: »Es ist traurig (...), dass eine so schwerwiegende Anschuldigung wie Antisemitismus von der israelischen Regierung dazu benutzt wird, um sie als Waffe gegen Menschen einzusetzen.«

In dem »taz«-Interview bezeichnete Youssef Israel als »einen gemeinsamen Feind, der sich in der Region (des Nahen Ostens, Anm. d. Red.) wie ein Tyrann verhält«, ohne den jüdischen Staat an dieser Stelle direkt zu nennen. »Deshalb denke ich, dass es vielleicht an der Zeit ist, dass sich die Menschen gegen diesen gemeinsamen Feind zusammenschließen.«

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Bassem Youssef, der von Unterstützern auch als »Jon Stewart der arabischen Welt« bezeichnet wird, steht auf der Liste der »Top-prominenten antisemitischen Influencer« des israelischen Ministeriums für Diaspora-Angelegenheiten und den Kampf gegen den Antisemitismus. Auch in London forderten jüdische Organisationen eine Streichung seiner Auftritte.

Gefährlich sind seine Aussagen laut StopAntisemitism auch in Kombination mit der Größe seiner Anhängerschar: Der Organisation zufolge hat er 18 Millionen Follower, die seine Verschwörungstheorien aufnehmen. Charismatisch und wortgewandt wie er ist, verbreitet er seine gefährlichen Aussagen des Hasses mit Leichtigkeit.

»Trotz Gegenwind und verschiedener Kontroversen hat Bassem Youssef seine Tourneen als ›Comedian‹ fortgesetzt und weltweit ausverkaufte Vorstellungen gegeben«, erklärt die NGO. »Youssefs unverhohlener Hass auf Juden, seine Verharmlosung der Verbrechen der Hamas sowie seine fortgesetzte Verwendung antisemitischer Stereotype schüren auf gefährliche Weise den Hass auf Juden überall auf der Welt und müssen offengelegt und entschieden zurückgewiesen werden.«

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