Würzburg

Handlung und Prävention

Hauptgebäude der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg Foto: imago images / imagebroker

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Handlung und Prävention

Ein neues Zusatzstudium soll Lehrkräfte für den Umgang mit Judenhass an Schulen sensibilisieren

von Imanuel Marcus  15.02.2023 11:03 Uhr

Seit Mitte Oktober hat die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) allen anderen Hochschulen in der Bundesrepublik etwas voraus. Und zwar das ZABUS, kurz für »Zertifikat Antisemitismuskritische Bildung für Unterricht und Schulen«.

Es ist eine Art Zusatzstudium, das sich vor allem an Lehramtsstudierende richtet. »Gegenwärtige Entwicklungen zu antisemitischen Vorfällen und Übergriffen, die durch aktuelle Studien empirisch belegt sind, fordern die humanwissenschaftlichen Disziplinen ebenso heraus wie die zum Lehramt qualifizierenden Studiengänge«, heißt es auf der Webseite der Universität.

überforderung Im Klartext: Der Judenhass im Klassenzimmer und auf dem Schulhof überfordert alle. Daher sollen im Rahmen von ZABUS angehende Lehrkräfte »in vielfältigen und interdisziplinären Zugängen zum persönlichen, pädagogischen und didaktischen Umgang mit der Thematik ausgebildet werden«. Zuständig ist das Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik.

Gegliedert ist das Studium in drei Module.

Gegliedert ist das Studium in drei Module. Im ersten sollen die Lehrer zunächst die wichtigsten Grundlagen verstehen lernen. Dazu gehören Begriffe, Erscheinungsformen und Definitionen des Judenhasses, empirische Grundlagen sowie Unterschiede zwischen Antisemitismus und Rassismus. Im Aufbaumodul geht es dann in die Vertiefung. Die Studierenden werden dabei unter anderem die Spannungsfelder der Antisemitismuskritischen Bildung kennenlernen und ihr neues Wissen in Übungen proben. Auch das letzte Modul ist eine Mischung aus Theorie und Praxis. Hier werden die Kenntnisse einmal mehr vertieft und weitere Handlungsfelder und Präventionsstrategien erprobt.

»Da wird klar, dass die Qualifikationsziele die Ausgestaltung unserer Module bestimmen«, sagt Ilona Nord vom Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Jüdischen Allgemeinen. »Die ZABUS-Veranstaltungen zeichnet aus, dass neben kognitivem Wissenserwerb ganzheitliche und innovative Bildungsprozesse angeboten werden.« Klassische Elemente seien ebenso enthalten. »Jedoch bleiben die didaktischen und methodischen Zugänge dabei nicht stehen. Träges Wissen oder eindimensionale Konzeptionen und Zugänge wollen wir weitgehend hinter uns lassen«, sagt die Professorin.

kompetenzerwerb Ziel des Angebotes sei es außerdem, »dass der Studiengang diesen Kompetenz­erwerb als Empowerment und Wirkung für die Studierenden auch entfaltet. Wir werden dies auch präzise nach dem ersten Durchgang evaluieren.«

Das Würzburger Angebot kann bundesweit Vorbildcharakter für andere Universitäten haben, die Lehrer ausbilden.

Für Ludwig Spaenle, den Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, ist ZABUS ein Glücksfall. »Dieses Angebot ist so wichtig, weil es Wissen gegen Judenhass vermittelt und Lehrkräfte vorbereitet, um mit antisemitischen Äußerungen und Handlungen im Unterricht später aktiv umzugehen«, erklärte er auf Anfrage. Es werde »künftig Wissen vermittelt, und zwar über die seit Jahrhunderten andauernde Verfolgung von Jüdinnen und Juden bis hin zur Schoa, aber auch über den Beitrag, den Jüdinnen und Juden für die Gesellschaft, die Kultur und die Wissenschaft in Deutschland geleistet haben und auch heute erbringen«.

alltag »Die Studierenden werden den religiösen und sozialen Alltag jüdischer Familien kennenlernen«, so Spaenle. Das Würzburger Angebot könne bundesweit Vorbildcharakter für andere Universitäten haben, die Lehrer ausbilden. »Es hat auch Vorbildfunktion hinsichtlich der Finanzierung durch den Bundesbeauftragten und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche. Hier ist es wichtig, die Finanzierung langfristig zu sichern«, sagt Spaenle.

Aufgrund der bisherigen Personalausstattung könne für den Moment immer nur ein Kurs über drei Semester realisiert werden, unterstreicht Ilona Nord. Das Feedback sei bislang aber sehr positiv. »Es ist das erste derartige Angebot überhaupt in Deutschland. Als Pilotprojekt erhält es breite Aufmerksamkeit, das Kreise ziehen wird. Viele Studierende schätzen die Möglichkeit, sich zertifiziert zum Thema Antisemitismus in ihrem Studium bilden zu können.«

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