Medizinerkongress

»Halacha und Hightech«

Herr Horowitz, am Freitag beginnt in Düsseldorf der vierte »Internationale Kongress jüdischer Mediziner«. Warum ist es wichtig, ein solches Forum zu haben?
Die Begegnung und der Austausch über jüdisch-medizinische Aspekte erscheinen uns wichtig und interessant. Es werden einige Hundert Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und anderen Ländern erwartet. Es scheint also auch eine gewisse Nachfrage zu geben. Denn wie in jeder Interessengemeinschaft oder Fachgruppe gibt es auch bei den jüdischen Ärzten Themen, die auf allgemeinen medizinischen Kongressen nicht zur Sprache kommen, da sie zu speziell sind. Diese können auf so einem Kongress diskutiert werden.

An welche Themen denken Sie?
Bei einem Vortrag geht es zum Beispiel um die interessante halachische Frage, ob bei einer Leihmutterschaft das von einer Jüdin ausgetragene Kind automatisch jüdisch ist oder nicht. Ein anderer Vortrag beschäftigt sich mit der hämatopoetischen Stammzelle aus Sicht des Judentums. Besonders wichtig erscheint es uns auch, dass medizinische Neuheiten und Start-up-Unternehmen aus Israel, die kaum Beachtung in der hiesigen Presse bekommen, präsentiert werden. Da diese Dinge auf den allgemeinen Fachtagungen in Deutschland kaum zur Sprache kommen, finde ich es besonders spannend.

Israel ist bei medizinisch-technischen Entwicklungen eine der führenden Nationen. Inwiefern haben diese Innovationen die Medizin verändert?
Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Es gibt viele tolle israelische Hightech-Entwicklungen. Auf Anhieb kann ich die Kamerakapsel nennen, die man schlucken kann, um danach Aufnahmen vom Verdauungstrakt zu bekommen, ohne, dass man invasive Untersuchungen einsetzen muss. Zu nennen sind auch die großen Fortschritte, die israelische Ärzte bei der Behandlung von Heranwachsenden mit Autismus erzielen. Was mich ebenfalls beeindruckt, ist die Entwicklung von nebenwirkungsarmen Medikamenten bei der Behandlung von Prostata- oder Brustkrebs. In dem Zusammenhang spielt das Weizmann-Institut eine große Rolle. Das sind aber wirklich nur ein paar Beispiele. Es gibt eine Vielzahl weiterer Entwicklungen.

Was sind die Unterschiede zwischen der Medizin in Israel und in Deutschland?
Ich wurde zwar in Israel geboren, aber ich kam mit 14 Jahren nach Europa und habe hier studiert. Deshalb kann ich keine eigenen Erfahrungsberichte über die Arbeit eines Mediziners in Israel geben. Aus Urlaubsaufenthalten, in denen ich als Besucher in Krankenhäuser kam, kann ich aber sagen, dass die medizinischen Einrichtungen in Israel den europäischen und amerikanischen in nichts nachstehen. Die Versorgung ist auf einem hohen Niveau und die Betreuung der Patienten hervorragend. Der einzige Unterschied liegt vielleicht im persönlichen Umgang: Israelis sind manchmal etwas direkter als Deutsche. Ein bisschen hart vielleicht, aber sehr herzlich.

Die Verdienste jüdischer Ärzte in Deutschland vor dem Holocaust waren enorm. Wird auch das ein Thema auf der Konferenz sein?
Absolut. Ich denke an Ärzte wie Paul Ehrlich und Sigmund Freud, die jeweils in ihrem Bereich die Grundlagen für medizinische Entwicklungen gelegt haben und dafür zu Recht in die Geschichte eingegangen sind. Aber auch heute noch ist die Bedeutung jüdischer Ärzte für die Medizin nicht zu unterschätzen. Man denke nur an die vielen jüdischen Mediziner, die mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurden.

Mit dem Augenarzt und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sprach Philipp Peyman Engel.

www.bvjm-kongress.de

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Jubiläum

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin: Risse in der Geschichte

2001 öffnete das Jüdische Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Der Bau des bekannten Architekten Daniel Libeskind stand da schon. Und spricht bis heute eine eigene Sprache

von Nikolas Ender  13.08.2026

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026

Comics

Asterix’ Vater

Vor 100 Jahren wurde René Goscinny geboren. Der Erfinder des gallischen Dorfes hat mit seinem jüdischen Humor ein Genre neu erfunden

von Alexander Kluy  13.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  13.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  12.08.2026

TV-Kritik

Geschäftsmodell Hass - ARD zeigt Serie über gewaltbereite Hooligans im israelischen Fußball

Die Dramaserie »Hooligans« blickt in den Abgrund rechtsextremer Fußballgewalt. Dass sie es ausgerechnet in Israel tut, macht den Achtteiler zur hochpolitischen Unterhaltung

von Jan Freitag  12.08.2026