Harrison Ford

Gespannt auf neue Abenteuer

Harrison Ford Foto: dpa

Vor einem Jahr weckte Harrison Ford bei vielen Kinofans nostalgische Gefühle: In Star Wars – Das Erwachen der Macht war er wieder als Han Solo zu sehen, erstmals seit 1983. So ergraut wie durchtrainiert kämpfte er sich mit seinem alten Kumpel Chewbacca durch galaktische Abenteuer und machte Prinzessin Leia schöne Augen.

Doch Ford ist nicht nur als Sternenkrieger, Kämpfer und Abenteurer auf der Leinwand bekannt. Er hat sich auch als Umweltaktivist und passionierter Flieger einen Namen gemacht. Das Fliegen ist für ihn »eine sehr spezielle Art der Meditation«, wie er sagt. Er besitzt sieben Flugzeuge, fliegt Rettungseinsätze, hat aber auch schon die eine oder andere Bruchlandung hingelegt.

Herkunft Der Schauspieler – mütterlicherseits Enkel von jüdischen Großeltern aus Minsk, väterlicherseits Nachkomme von Immigranten aus Irland – sagte einmal in einem Interview über seine Herkunft: »Als Mann habe ich mich immer irisch gefühlt. Und als Schauspieler habe ich mich immer sehr jüdisch gefühlt.«

Das Alter sieht der Oscar-nominierte Schauspieler mit dem zerfurchten Gesicht, den schmalen Augen und der skeptischen Miene, die sich unvermutet zu einem anrührend schiefen Lächeln wandeln kann, eher gelassen: »Je älter man ist, desto mehr Fehler hat man gemacht, aus denen man lernen kann.«

Und er steht weiter gern vor der Kamera, mit hohem körperlichem Einsatz. Ein neuer Blade Runner ist abgedreht, danach spielt Ford zum fünften Mal den abenteuerlustigen Archäologen Indiana Jones. 2020 soll der Film in die Kinos kommen.

Die Rolle des Indiana Jones hat sein Star-Image geprägt wie keine andere. Alles begann 1981 in Steven Spielbergs Jäger des verlorenen Schatzes. Ford spielte darin einen Mann, der clever und waghalsig ist, ein wenig professoral wirkt – und haarsträubend gefährliche Situationen meistern muss.

Dreitagebart Es folgten Indiana Jones und der Tempel des Todes (1984), Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989). Auch fast 20 Jahre später in Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2008) ist er noch immer so mürrisch wie ironisch, mit Dreitagebart, Vintage-Lederjacke und dem berühmten Hut mit geschwungener Krempe und dunklem Band.

Fords Anfänge als Schauspieler waren eher mühsam. Am 13. Juli 1942 in Chicago geboren, ging Ford mit Anfang 20 nach Hollywood, schlug sich mit kleinen Auftritten durch, mit Fernseh-Werbung und in Western-Serien (Die Leute von der Shiloh-Ranch). Mit George Lucas’ American Graffiti, kommt seine Karriere in Fahrt, und 1977 wird er mit Star Wars weltweit bekannt. Regisseur George Lucas setzt Ford auch in den Sequels Das Imperium schlägt zurück (1980) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) ein.

Ab Mitte der 80er-Jahre suchte sich der Schauspieler auch anspruchsvollere Rollen. Er spielt gern den verantwortungsbewussten Mann, der im Augenblick der Gefahr ungeahnte Kräfte aufbringt, um sich selbst oder andere zu retten. Dabei wird er auch von selbstquälerischem Zweifel geplagt, wie in Peter Weirs Der einzige Zeuge (1985): In dem Film versucht Ford, als Police-Detective in der abgeschotteten Gemeinschaft der Amish-People einen kleinen Jungen vor Mördern von »draußen« zu schützen. Für seine Leistung, der auch durch die melancholische Liebesgeschichte zwischen Ford und Kelly McGillis beeindruckt, wird er für den Oscar nominiert.

Kämpfertyp In Roman Polanskis Thriller Frantic (1988) spielt er einen Arzt, der eine verzweifelte Suchaktion startet, als seine Frau entführt wird und ihm niemand glauben will. Eine negative Variante dieses Kämpfertyps liefert Ford in Schatten der Wahrheit (2000) von Robert Zemeckis. Hier ist er ein klug berechnender, hochintelligenter Mann, der über Leichen geht, als seine Karriere in Gefahr gerät. Dabei verschont er auch seine Ehefrau (Michelle Pfeiffer) nicht.

In Fords späten Rollen tritt der Action-Faktor in den Hintergrund, Alterswürde blitzt auf. So in Crossing Over (2009), in dem er sich um Illegale kümmert oder in Ausnahmesituation (2010), dem Porträt eines Wissenschaftlers, der eine gefährliche Krankheit erforscht.

Aber der Star interessiert sich für mehr als Schauspielerei: Seit Jahren ist er im Umweltschutz engagiert, unterstützt etwa den Kampf gegen die Verschmutzung des Hudson River. Für sein Engagement wurde er mit der Benennung von zwei Tieren geehrt: einer kalifornischen Spinne, der Calponia harrisonfordi, und einer mittelamerikanischen Ameise, der Pheidole harrisonfordi. In der Dokumentarfilmreihe Nature Is Speaking leiht er 2015 dem Ozean seine Stimme: »Ohne eine gesunde Natur wird der Mensch nicht überleben.«

glück Der Privatmann Harrison Ford gilt als zurückhaltend. Der Hype um Social Media ist ihm ein Gräuel. Es sei absurd, davon besessen zu sein, wie viele »Likes« man bekomme oder wie viele »Follower« man habe, sagte er dem Magazin GQ.

Der fünffache Vater und zweifache Großvater lebt mit seiner dritten Frau, Ally McBeal-Star Calista Flockhart, auf einer 500 Hektar großen Ranch in Jackson Hole, Wyoming. Hier hatte er auch, relativ spät in seinem Leben, das Fliegen für sich entdeckt. Er führe ein sehr privilegiertes Leben, sagte Ford einmal über sich: Er könne tun, was ihm gefalle.

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich die schlechte Antwerpener Luft so manchem Insekt vorziehe

von Margalit Edelstein  12.05.2026

Ausstellung

Zerstörung bauen

Das Jüdische Museum Berlin würdigt das Werk von Daniel Libeskind und feiert den 80. Geburtstag des Architekten

von Thomas Sparr  12.05.2026

Eurovision Song Contest

Autor von Kultserie macht TV-Sender schwere Vorwürfe

Irlands Sender RTÉ boykottiert den diesjährigen ESC, weil Israel daran teilnimmt. Jetzt kommt Gegenwind: Drehbuchautor Graham Linehan will nicht, dass zeitgleich eine Episode der von ihm mitgeschaffenen Sitcom »Father Ted« ausgestrahlt wird

 12.05.2026

Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026

Eurovision

Weimer fährt für Israels ESC-Auftritt nach Wien

»Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten«, sagt der Kulturstaatsminister

 12.05.2026

Filmfestivals

Regisseurin: Filmfeste müssen politische Debatten aushalten

Wird es in Cannes ähnlich politisch wie bei der Berlinale?

 12.05.2026

Fernsehen

»Etty«: Eine junge Frau umarmt das Leben und trotzt der Vernichtung

Amsterdam 1941: Die jüdische Intellektuelle Etty Hillesum besiegt ihre Ängste und erlebt eine große Liebe. Sie führt Tagebuch, das viele weltweit berührt. Nun ist es verfilmt worden

von Annette Birschel  12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Wien

Wie gewinnt man eigentlich den ESC?

Ein Lied über Krieg? Ein queerer Act? Oder ein Song, über den vor allem Jurys jubeln? Viele Thesen kursieren, wie man den Eurovision Song Contest gewinnt. Zeit für eine Annäherung kurz vor dem Finale

von Gregor Tholl, Jonas-Erik Schmidt  12.05.2026