Doku

»Eskimo Limon: Eis am Stiel«

Fluch der frühen Rolle: Zachi Noy (M.) Foto: NDR

Kaum zu glauben, aber wahr: 1978 zeigte die Berlinale einen Film aus Israel, von dem keiner annehmen konnte, das er Geschichte schreiben würde: Eis am Stiel. Gedreht in nur 18 Tagen für die bescheidene Summe von 200.000 Dollar wurde der Coming-of-Age-Film um Jungs und Mädchen, erste Liebe, Sex und Klamauk schnell Kult.

In Israel sahen über eine Million Zuschauer Eis am Stiel, also rein statistisch damals jeder dritte Israeli. Als der Spielfilm später in die deutschen Kinos kam, strömten 2,5 Millionen Besucher in die so originelle wie erfrischende Komödie.

In der NDR-Doku Eskimo Limon: Eis am Stiel – Von Siegern und Verlierern schaut nun der Regisseur Eric Friedler zurück auf den Kultfilm und was aus ihm wurde, als die Produzenten nur noch Geld verdienen wollten und der deutsche Markt nur noch nach Sex und Kalauern verlangte. Denn nach dem ersten Teil folgte eine ganze Reihe von Sequels, die immer schwächer und flacher wurden. Besonders interessant an der Doku des preisgekrönten Filmemachers (Das Schweigen der Quandts) sind die Passagen, in denen die Protagonisten von einst zu Wort kommen.

Zachi Noy Da ist vor allem Zachi Noy, der Darsteller des »dicken Johnny«, der heute weit über 60 ist und in Deutschland durch billige Klubs tingelt. Er ist sich der Peinlichkeit dieser Auftritte durchaus bewusst und spricht am Strand von Tel Aviv vom Fluch seiner frühen Rolle. Die Produzenten wurden durch die Filme reich, teilten jedoch nie mit den Mitarbeitern. Zachi Noy bekam für seine Rolle die lächerliche Summe von 750 Dollar.

Gerade wenn diese Widersprüche der Erfolgsgeschichte hinterfragt, die Mechanismen der Filmindustrie bloßgelegt werden, wird es aufschlussreich. So entsteht eine vielschichtige Dokumentation über einen unfassbaren Triumph, enttäuschte Träume und Streitereien.

Die Doku ist aber auch eine Geschichte über den Verlust der Unschuld. Mit viel Herzblut inszenierte Eis am Stiel-Regisseur Boaz Davidson den stark autobiografischen Film. Später ließ er sich für den kommerziellen Erfolg ausbeuten und beschädigte die eigene Saga.

Trotz allem ist Eis am Stiel nach wie vor eine rührende, schöne Filmreihe. Man kann sie sich auch 40 Jahre nach dem Kinostart guten Gewissens wieder anschauen. Kurios: Bis heute wissen wohl die wenigsten Zuschauer, dass Eis am Stiel aus Israel kommt. Es war bisher der größte Erfolg des israelischen Kinos in Deutschland.

»Eskimo Limon: Eis am Stiel«. NDR, Sonntag, 6. Mai, 23.35 Uhr

Kunst

Ausstellung zu Kriegsfotograf Robert Capa in Monschau

100 Schwarz-Weiß-Aufnahmen des berühmten Fotografen jüdischer Herkunft werden gezeigt

 08.02.2026

»Dschungelcamp«

Gil Ofarim im Finale: »Ich versteh’s selbst nicht«

In der Folge 15 des »Dschungelcamps« ging es erneut um Ofarims Umgang mit seinem falschen Antisemitismusvorwurf. Am Ende schafft es der Sänger in die Runde der letzten drei

von Martin Krauß  08.02.2026

Musik

Matti Caspi im Alter von 76 Jahren gestorben

Der Musiker ist nach langer Krankheit gestorben. Präsident Herzog würdigte ihn als einen »der größten israelischen Komponisten seiner Generation«

 08.02.2026

Geschichte

Spuren im Schnee

Garmisch-Partenkirchen erinnert an die Olympischen Winterspiele 1936 unter der NS-Herrschaft

von Martin Krauß  08.02.2026

Alice Zaslavsky

»Hühnersuppe schmeckt nach Heimat«

Die Kochbuch-Autorin kam als Kind mit ihrer Familie aus Georgien nach Australien und kennt die jüdische Gemeinde von Bondi Beach. Ein Gespräch über Verbundenheit, Gerüche und Optimismus

von Katrin Richter  08.02.2026

Zahl der Woche

6:3, 6:1

Fun Facts und Wissenswertes

 08.02.2026

Interview

»Isidor hätte es gefallen«

Shelly Kupferberg über ihren Bestseller »Isidor«, seine Inszenierung am Wiener Burgtheater und konstruktive Erinnerungsarbeit

von Mascha Malburg  08.02.2026

Aufgegabelt

Tahini-Mousse

Rezepte und Leckeres

 08.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  07.02.2026