Europäischer Gesangswettbewerb

ESC 2027 in Bulgarien: Warum Burgas gegen Sofia gewann

Burgas am Schwarzen Meer Foto: Imanuel Marcus

Der Eurovision Song Contest (ESC) wird im kommenden Jahr in ungewohnter Umgebung veranstaltet. Das große Musikevent findet in der kleinen bulgarischen Stadt Burgas am Schwarzen Meer statt. Im Rennen um den Austragungsort der 71. ESC-Ausgabe setzte sich Burgas gegen die Hauptstadt Sofia durch. Die mit Spannung erwartete Entscheidung wurde zweimal aufgeschoben. Fragen und Antworten zur Gastgeberstadt des Megaevents und zu aktuellen Entwicklungen rund um den ESC:

Warum wurde Burgas als Veranstaltungsort ausgewählt?

Das maritime Flair der Stadt sowie eine Tradition von Musikfestivals dürften zur Entscheidung beigetragen haben. »Burgas ist eine dynamische und gastfreundliche Stadt an der Schwarzmeerküste mit starker musikalischer und kultureller Identität«, sagt ESC-Direktor Martin Green über den ESC-Austragungsort 2027.

Badeorte in der Umgebung wie etwa Nessebar, Pomorie, Sosopol und der in Deutschland als Sonnenstrand bekannte Slantschew Brjag machen Burgas zur Touristenhochburg. Die 190.000-Einwohner-Stadt sei eine romantische Region Bulgariens, schwärmt Bürgermeister Dimitar Nikolow. Die Kommune habe den Ehrgeiz, die Infrastruktur und die Leidenschaft, die große ESC-Familie zu begrüßen, so Green.

Wie kommen Fans nach Burgas?

Der Flughafen Burgas ist nach dem Airport Sofia der am meisten frequentierte Flugplatz des Landes. Aus anderen europäischen Städten gibt es vor allem ab Juni mehr Direktflüge nach Burgas, aber der ESC findet im Mai statt. Zudem sind Flüge über Wien möglich.

Die bulgarische Fluggesellschaft Bulgaria Air werde, wie es hieß, für das große Live-Event in Burgas zusätzliche Flüge organisieren. Eine Anreise über Istanbul in der benachbarten Türkei wäre auch eine Option, zumal die größte türkische Stadt nur 320 Kilometer entfernt ist und damit näher liegt als die Hauptstadt Sofia, die 360 Kilometer entfernt westlich liegt. Der Airport Burgas befindet sich nahe am Stadtzentrum.

Wo genau wird der ESC in Burgas ausgetragen?

Der Veranstaltungsort des Eurovision Song Contest 2027 dürfte die erst 2023 eröffnete Arena Burgas sein. Diese könnte bei Konzerten auf bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erweitert werden. Zudem wird erwartet, dass das »Turquoise-Carpet-Event« zu Beginn der ESC-Woche im großen Park entlang des Strands von Burgas veranstaltet wird.

Wie will sich Bulgarien beim ESC touristisch präsentieren?

Burgas gilt unter Kennern bereits als Geheimtipp. Im Gegensatz zu anderen Regionen an der bulgarischen Schwarzmeerküste entwickelte sich der Ort rasant als attraktives Reiseziel, was sich jetzt mit dem ESC auszahlen dürfte. Für Bulgarien bietet der ESC eine einmalige Gelegenheit, sich touristisch in der ganzen Welt zu präsentieren. Die Regierung in Sofia soll sich für Burgas als ESC-Austragungsort eingesetzt haben, um den teils angeschlagenen Tourismus anzukurbeln. Die Reaktion der Tourismusbranche auf die Wahl von Burgas als ESC-Austragungsstadt war sichtbar: Preise für Hotelübernachtungen schossen auf mehr als 1.000 Euro pro Nacht in die Höhe.

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Am 18. Juli 2012 kam es zu einem Anschlag der Hisbollah am Flughafen von Burgas gegen israelische Touristen. Fünf Israelis und ein bulgarischer Busfahrer wurden dabei ermordet. Damals wurden zudem 32 Urlauber verletzt.

Welche neue Regelung gilt für ESC-Gastgeber?

Der ESC soll künftig nur in Ländern mit stabiler Sicherheitslage stattfinden. Das legt das neue Regelwerk der Europäischen Rundfunkunion (EBU) fest. Das Siegerland komme automatisch nicht mehr als Gastgeber infrage, »falls ein bewaffneter Konflikt, eine heikle geopolitische Lage oder eine sonstige Situation die Sicherheit oder Stabilität des betreffenden Staates oder der unmittelbaren Region erheblich beeinträchtigt«, hieß es.

Bei Bedarf könne die EBU eine unabhängige Sicherheitsbewertung der Region des Gewinners in Auftrag geben. Sollte das siegreiche Mitglied als nicht geeignet für die Ausrichtung eingestuft werden, werde die EBU einen alternativen gastgebenden Rundfunksender bestimmen.

Was könnte der Anlass für diesen Schritt gewesen sein?

Die Aussicht, dass Israel den ESC gewinnen könnte. Das Land gehört traditionell zu den starken Teilnehmern und hat den Wettbewerb bisher viermal gewonnen. Beim Song Contest in Wien belegte es den zweiten Platz. Viele Beobachter fragten sich, wie ein ESC mit Israel als Gastgeber gelingen könnte. Schon im Vorfeld von Wien hatten fünf Länder - darunter Spanien und Irland - das Wettsingen aus Protest gegen die Teilnahme Israels boykottiert.

Welche weiteren Änderungen und Präzisierungen gibt es?

Das Mindestalter der Künstlerinnen und Künstler wurde von 16 auf 18 Jahre angehoben. Damit sollen nicht mehr besonders junge Menschen dem Druck des Wettbewerbs ausgesetzt sein. Nathalie Pâque aus Belgien war 1989 bei ihrem Auftritt für Frankreich erst elf Jahre alt. Kurz danach führte die EBU das Mindestalter von 16 Jahren ein. Als Nicole 1982 mit »Ein bisschen Frieden« den Wettbewerb für Deutschland gewann, war sie 17 Jahre alt.

Beim Gesang legte die EBU fest, dass Auftritte des Frontsängers oder der Frontsängerin live sein müssen und nicht durch vorproduzierte Stimmen unterstützt werden dürfen. »Diese Präzisierung soll die Integrität jedes Auftritts wahren und sicherstellen, dass das Publikum bei jedem vorgetragenen Lied den Lead-Gesang live hört«, so die EBU. (mit ja)

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